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Kritik: Vicious Fun (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Häufig lösen Filmtitel nicht ein, was sie versprechen. Nicht so bei Cody Calahans neuestem Werk. Der fünfte Streich des 1982 geborenen Kanadiers, der mit seinen Horrorstreifen ("Antisocial", "The Oak Room" u. a.) Stammgast beim Fantasia International Film Festival in Montréal und ähnlich gearteten Veranstaltungen rund um den Globus ist, ist wahrlich ein boshafter Spaß. "Vicious Fun" feierte beim prestigeträchtigen Sitges Film Festival in Katalonien seine Premiere.

Wie sein Landsmann und Kumpel Chad Archibald, mit dem er eine gemeinsame Produktionsfirma gegründet hat, besitzt Calahan das Talent, enorm viel aus einem geringen Budget herauszuholen. Inzwischen können sich die Filme der beiden, die mit dem Filmemachen im Hinterhof begonnen und ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, mehr als sehen lassen. Dabei sind Calahans Filme stets den entscheidenden Tick überzeugender, erzählerisch origineller und visuell eindrucksvoller.

Das ist auch bei "Vicious Fun" der Fall, der dem Subgenre des Serienmörderfilms gleich mehrere erfrischende Twists verpasst. Die gemeinsam mit James Villeneuve verfasste Handlung versetzt das Publikum zurück in die 1980er, die Kameramann Jeff Maher in den knalligsten Neonfarben wieder auferstehen lässt und Komponistin Steph Copeland mit tollen Synthie-Sounds untermalt. Das surft natürlich voll auf der Achtziger-Nostalgie-Welle von "Stranger Things" und Co., die nicht abzuebben scheint und von der manche schon lange genervt sein dürften. So kreativ und lustig dargeboten wie in diesem Film macht dieses Jahrzehnt aber Riesenspaß.

Das liegt in erster Linie an den gelungenen Gags und am durchweg überzeugenden Ensemble, das die Pointen punktgenau abliefert. Der von Evan Marsh gespielte Joel, ein Filmkritiker, der gern Regisseur geworden wäre und alles besser weiß, sieht aus wie Michael J. Fox' Figur Marty McFly in "Zurück in die Zukunft" (1985). Im Gegensatz zum ungelenken Marty, der aber irgendwann die Kurve kriegt und den Tag rettet, ist und bleibt Joel eine Jungfrau in Nöten, die von der toughen Carrie (Amber Goldfarb) gerettet werden muss.

Amber Goldfarbs Figur heißt nicht ohne Grund wie die Titelfigur in Brian De Palmas Verfilmung von Stephen Kings bekanntem Roman. "Vicious Fun" ist ein nostalgischer Meta-Film voller skurriler Ideen und schräger Anspielungen. Ari Millen glänzt als Oberbösewicht Bob, einem Patrick-Bateman-Verschnitt aus Breat Easton Ellis' Roman "American Psycho", der zwar erst 1991 veröffentlicht wurde, dessen Handlung aber in den 1980ern spielt. Und wie es sich für so viel Achtziger-Retro gehört, geht das große Finale natürlich mitten in der Nacht zunächst auf einem Polizeirevier und im Anschluss in einem Krankenhaus über die Bühne – mit drei schnauzbärtigen, völlig vertrottelten Polizisten. Zum Schreien komisch!

Fazit: "Viscious Fun" ist eine Horrorkomödie, die die üblichen Rollenbilder umkehrt und dem Subgenre des Serienkillerfilms einige kreative Wendungen verpasst. Cody Calahans fünfter Spielfilm ist mehr als simple Achtziger-Jahre-Nostalgie und der Titel hält tatsächlich, was er verspricht. "Vicious Fun" ist schlicht und einfach ein bösartiger Spaß.




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