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Black Box - Gefährliche Wahrheit
Black Box - Gefährliche Wahrheit
© Studiocanal

Kritik: Black Box - Gefährliche Wahrheit (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wenn Yann Gozlans neuer Film in den deutschen Kinos startet, ist sein Thema hochaktuell. Die Sicherheit von Flugzeugen und die Gefahren durch fehlerhafte Software wurde in den vergangenen zwei Jahren nach zwei Abstürzen und mehreren Zwischenfällen hitzig diskutiert. Gozlans vierter Langfilm als Regisseur ist jedoch keiner über die tatsächlichen Ereignisse, sondern ein mit viel Fabulierlust dargebotener Thriller, der lediglich in den Realitäten des internationalen Flugverkehrs fußt.

Im Zentrum steht der Blackbox-Analyst Mathieu Vasseur (Pierre Niney), der dem Genre nicht unüblich als ein gleichermaßen gepeinigter wie getriebener Savant präsentiert wird. Im Gegensatz zu seinen Kollegen sieht, vor allem aber hört Mathieu ganz genau hin. Sein perfekt trainiertes Gehör macht ihm das Leben in einer lärmenden Umwelt allerdings nur schwer erträglich. Und seine Akribie grenzt an Besessenheit, was in der Vergangenheit zu Fehlurteilen führte und Mathieu im Kreise seiner Kollegen und für das Kinopublikum zu einem unzuverlässigen Protagonisten macht.

Yann Gozlan hat sich dem Spannungskino verschrieben. Sein Langfilmdebüt "Caged" (Originaltitel: "Captifs", 2010) war ein Horrorfilm. Darauf folgten ein Krimi im Literaturmilieu und ein Actionthriller. In "Black Box" glückt ihm nun das kleine Kunststück, Spannung vor Computermonitoren zu erzeugen. Denn die meiste Zeit sitzen Mathieu und seine Kollegen am Schreibtisch, starren auf Geräuschkurven und haben Kopfhörer auf den Ohren.

Dass "Black Box" trotzdem und trotz einer Laufzeit von mehr als zwei Stunden nicht langweilt, liegt abseits des Themas, das jeden Flugreisenden interessieren dürfte, an den Wendungen, die Gozlan mit seinen zwei Co-Autoren Nicolas Bouvet-Levrard und Simon Moutairou in die Handlung einbaut. Die mögliche Ursache für den Absturz wechselt mehrfach, was zunächst die These von Mathieus zunehmend wahnhafter werdendem Verhalten stützt, bevor es am Ende doch noch anders kommt. Auch hilft es, dass Pierre Niney ein wenig wie der weltberühmte Whistleblower Edward Snowden aussieht. Dadurch verströmt "Black Box" bereits durch die Physiognomie seiner Hauptfigur einen Hauch von Spionagethriller. Ein ausgeklügelter Film, überzeugend dargeboten und spannend bis zur letzten Minute.

Fazit: "Black Box" ist ein Thriller aus der Flugzeugbranche. Regisseur Yann Gozlan erzählt spannend, wendungsreich und mit viel Fabulierlust von potenziellen Gefahren der modernen Luftfahrt. Ein ausgeklügelter Film über ein gepeinigtes Genie zwischen Wahnvorstellung und irrwitziger Wirklichkeit.




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