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Operation Portugal
Operation Portugal
© One Filmverleih

Kritik: Operation Portugal (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die französische Komödie von Regisseur Frank Cimière kreist mit vergnüglichem Klamauk um das Thema soziokulturelle Diversität. Der Quartierspolizist Hakim, der mit 35 Jahren immer noch bei seiner verwitweten Mutter lebt, ist Franzose mit marokkanischen Wurzeln. Nun soll er für eine verdeckte Ermittlung auch noch die Identität eines Portugiesen annehmen. Der Tollpatsch findet Aufnahme in die portugiesische Gemeinschaft der französischen Stadt und bekommt ein schlechtes Gewissen. Trotz der mit dickem Pinselstrich aufgetragenen Komik, die manchmal allzu albern wirkt, verfügt die Geschichte über einigen Charme und reizt öfter zum Schmunzeln.

Auf der thematischen Ebene geht es im Gewand der Krimihandlung um den Stolz ethnischer Gruppen, die sich eine Ersatzheimat in der Fremde schaffen. Die portugiesischen Bauarbeiter laden den vermeintlichen Joaquin als einen der ihren zu Feiern ein. Hakim soll Schnaps trinken und Schweinefleisch essen. Als der angetrunkene Mann auch noch in der Kirche eine Ansprache halten muss, lobt er die portugiesischen Talente so übertrieben, dass sich Ironie und Huldigung verbinden. Alle jubeln ihm zu. Hakim muss verbergen, dass er kein Portugiesisch kann und sich eine Ausrede ausdenken, als er versehentlich Arabisch spricht. Der arme Mann sitzt zwischen allen Stühlen und darf beim Fußballspiel keinesfalls wie sonst zur französischen Mannschaft halten, sondern soll den Torschützen Ronaldo feiern.

Der leicht satirisch gefärbte Blick auf die verschiedenen kulturellen Milieus wirkt liebevoll und verhehlt nicht, dass es auch Diskriminierungen gibt. Auf der untersten Stufe der Hierarchie scheinen arabische Arbeiter zu stehen und ganz oben die Franzosen ohne Migrationshintergrund. Die Interpol-Chefin nennt eine alte Portugiesin "Sardinenfresserin". Aber mit Hakim klappt das multikulturelle Miteinander besser, er macht es den anderen vor.

Die klamaukigen Einfälle geraten mal lustiger, mal eher peinlich. Manchmal fällt die Einordnung schwer, etwa wenn Hakim einer Frau bei der Entbindung hilft, indem er den Ehemann und andere Männer auffordert, sie mit portugiesischem Gesang wie eine Fußballmannschaft anzufeuern. Aber wer groben Humor und Slapstick nicht grundsätzlich ablehnt, wird hier auch unterhaltsame Momente entdecken und die versöhnliche Kraft der filmischen Botschaft, dass kulturelle Diversität das Zusammenleben bereichert, spüren.

Fazit: Die französische Komödie des Regisseurs Frank Cimière bietet mit ihrem tollpatschigen Helden, der sich für eine verdeckte Ermittlung als Portugiese ausgeben muss, unterhaltsamen Klamauk. Der Nationalstolz portugiesischer Migranten in Frankreich wird satirisch, aber liebevoll auf die Schippe genommen, ebenso wie die Nöte des Helden, der seine arabische Herkunft verbergen muss. Die Botschaft, kulturelle Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen nicht als Barriere, sondern als Einladung zur Begegnung aufzufassen, lässt auch manchen plumpen Witz erträglicher werden.




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