oder

Kritik: Das Haus (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Zukunft, in welcher dieser deutsche Thriller spielt, ist weder zeitlich, noch gedanklich sehr weit von der Gegenwart entfernt. Das gilt vor allem für die computergesteuerte Haustechnik, die den Menschen den Gang zum Lichtschalter, das Bestellen neuer Lebensmittel und das Putzen abnimmt. Aber auch die politische Situation, in der rechte Kräfte die Demokratie einschränken, kann als Mahnung mit aktuellem Bezug verstanden werden, dass die Freiheit immer wieder machthungrige Feinde hat. Unter der Regie von Rick Ostermann ("Wolfskinder") ist eine spannende, reizvolle Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichte von Dirk Kurbjuweit gelungen.

Die politische Lage ist in dieser Geschichte so angespannt, dass terroristische Anschläge passieren. Manche meinen, sie seien fingiert, um die Wahlen zu beeinflussen. Die Anwältin Lucia und der Journalist Johann stehen der Entwicklung ziemlich hilflos gegenüber. Das Ehepaar rutscht in der Abgeschiedenheit seines Ferienhauses in eine Beziehungs- und Vertrauenskrise. Tobias Moretti und Valery Tscheplanowa spielen das Ehepaar, das um seine Liebe kämpft, sehr glaubwürdig. Auf der ansonsten unbewohnten kleinen Insel – gedreht wurde in der schwedischen Schärenlandschaft – genießen Johann und Lucia die Natur und den mit ihrer Ursprünglichkeit kontrastierenden Komfort ihres Hauses.

Die verhaltene Beziehungsgeschichte lädt sich in diesem so nüchtern eingerichteten Haus mit einer unheimlichen Spannung auf. Dafür sorgt das Gebäude mit seiner programmierten Technik, die auf Sprachbefehle reagiert, selbst. Wenn sich die Glasfronten hinter Johann und Lucia schließen und die Videokameras auf das Paar blicken, erscheint fraglich, wer eigentlich der Herr im Hause ist. Die Haustechnik passe sich den Wünschen des Besitzers an, sagt der Techniker, und versuche, sie vorauszusehen. Das ist von der heutigen Realität des Internets und der "Alexa"-Befehle nicht weit entfernt. Auch der unheimliche Computer HAL 9000, der in Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" ins Geschehen eingreift, wird hier genüsslich als stets aktuelle Schreckensvision zitiert. Wie abhängig sich Menschen von der Technik machen, wird witzig und beklemmend mit hohem Wiedererkennungswert geschildert. Aufregende Fragen, etwa nach den Folgen, wenn politische Mächte technische Alltagsdienste für ihre Zwecke kapern, halten die Fantasie auf Trab.

Fazit: Rick Ostermann hat einen aufregenden Thriller mit satirischen Gegenwartsbezügen inszeniert, der als Warnung vor einer Entwicklung zur Unfreiheit aufgefasst werden kann. In der in naher Zukunft angesiedelten Handlung, die auf einer Kurzgeschichte von Dirk Kurbjuweit basiert, zieht sich ein Ehepaar in einem demokratiefeindlichen Klima auf eine kleine Insel zurück. Dort genießen sie den Komfort ihres Smarthomes, das auf Sprachbefehle reagiert und sich die Wünsche der Bewohner merkt. Aber die Haustechnik beginnt bald ein unheimliches Eigenleben zu führen, das nicht nur die Eheleute, sondern auch das Publikum in Atem hält.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.