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Kritik: Baden gegen Württemberg (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es war der 25. April 1952, als aus den drei kurzlebigen Nachkriegsländern Württemberg-Baden, (Süd-)Baden und Württemberg-Hohenzollern das neue, geeinigte Bundesland Baden-Württemberg wurde. Inszeniert hat das Doku-Drama Andreas Köller, der für die Hauptrollen drei tatsächlich aus Baden-Württemberg stammende bekannte deutsche Darsteller gewinnen konnte. Pätzold und Sammel waren bislang unter anderem in erfolgreichen TV-Reihen wie dem "Tatort" zu sehen.

Die Fragen, die das im baden-württembergischen Dialekt gehaltene Doku-Drama aufwirft, passen gut in unsere Zeit und könnten aktueller nicht sein: Wie schafft man es, unterschiedliche Ansichten und Ziele zu überwinden? Wie können Differenzen zum Wohlgefallen aller beigelegt werden? Gerade wenn die Beteiligten über eine unterschiedliche Geschichte und (kulturelle) Prägung verfügen. Mit historischer Akkuratesse zeichnet "Baden gegen Württemberg" den Weg hin zu dem heute in Sachen Fläche und Einwohnerzahl drittgrößten Bundesland nach.

Dabei erweist sich das Werk vor allem in den authentisch nachgestellten Spielszenen als zum Teil so packend und spannend wie ein echter Thriller. Gerade weil es sich um wahre Hintergründe und tatsächliche Begebenheiten handelt. Wahrhaftig agieren die drei Hauptdarsteller als jeweilige Landesväter, wobei Richard Sammel als späterer Ministerpräsident des neu gegründeten Bundeslandes sogar noch etwas mehr heraussticht. Gebhard Müller und viele andere sind dann auch in Original-Interviews und Archivaufnahmen zu sehen, die die Spielszenen gekonnt untermauern und ergänzen. Hinzu kommen fachliche Experten-Einordnungen von Kennern der Materie, darunter Tobias Wöhrle (Wohleb-Biograf).

Dabei berücksichtigt der Film alle wichtigen Aspekte und Themen (die Rolle der französischen Besatzer und des "Frauenfunks" des Süddeutschen Rundfunks, die Nachkriegszeit, männliche Macht- und Ränkespiele) rund um die Bundesland-Gründung und arbeitet dabei genauso bislang weniger bekannte Inhalte und Problematiken heraus.

Fazit: Spannend aufbereitete, faktentreu und mit authentischen Spielszenen umgesetztes dokumentarisches Historien-Drama.




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