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All We Ever Wanted (2024)

Steine sammeln und Beziehungen zerlegen auf FuerteventuraKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3.6 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 7 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Der vermeintlich entspannte Urlaub von Désirée (Charity Collin), Elias (Mehmet Sözer) und Sal (Michael Ifeandu) entwickelt sich unerwartet zu einer Introspektionsreise in die unwirtliche Landschaft Fuerteventuras. Nachdem ihre sorglose Zeit aufgrund Geldmangels abrupt endet, beginnt ein existenzielles Spiel zwischen den Dreien, in dem ihre Beziehungen, Rollen und Identitäten neu definiert werden müssen. Umgeben von kargen Felsformationen, verlassenen Stränden und menschenleeren Straßen werden sie mit den Krisen ihres Verlangens, sozialer Klassen und ihrer kulturellen Identitäten konfrontiert.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse3 / 5

"Wenn die Deutschen einen Film drehen wollen, fahren sie in Urlaub!“, lästerten zwei ausländische Zuschauer nach der Pressevorführung von Frédéric Jaegers Langfilmdebüt "All We Ever Wanted“ auf dem Münchner Filmfest 2024. Warum auch nicht? Immerhin findet Kameramann Maximilian Andereya faszinierende Bilder für den Streifzug des Protagonistentrios durch die karge Wüstenlandschaften, lichtdurchflutete Standstreifen, an gescheiterten Bauprojekten vorbei und zu leeren Hotelpools in den Weiten von Fuerteventura. Das Trio aus der sorglosen Désirée, ihrem zurückhaltenden Freund Elias und Désirées lässigem, schwulen Freund Sal wirkt dabei wie eine zurückhaltende Neuauflage von "Jules und Jim“ ohne das tragische Finale. Schon der weite, distanzierte Kamerablick auf die Drei nach ihrer Ankunft auf dem Busbahnhof unterstreicht, dass hier der überschäumenden Lebensfreude ein zurückhaltender Tonfall weicht.

Wie schon in seinen Kurzfilmen, die teils mit Nico Klingler entstanden, setzt Jaeger auf einen verrätselten, beiläufigen Stil aus Alltagsbetrachtungen in der "Berliner Schule“-Tradition. Nach und nach lassen sich Bruchstücke der Biografien erkennen – so wie die Teile von Désirées Puzzles. Einst rief Ex-Filmkritiker Jaeger die Online-Seite critic.de und die "Woche der Kritik“ während der Berlinale mit ins Leben. Zudem war der spätere Festivalkurator zehn Jahre lang Vorsitzender des Verbandes der deutschen Filmkritik. Sein Langfilmdebüt entstand schon 2021, feierte 2024 in der "Neues Deutsches Kino“-Reihe auf dem Münchner Filmfest Premiere und startet erst jetzt offiziell in wenigen Kinos. Sein Abschlussfilm an der Akademie der Künste weckt mitunter Erinnerungen an Antonionis Werke wie "L’Avventura“ oder die Farbdramaturgie von "Rote Wüste“.

Die verlassene Gegend steht für Sinn- und Identitätssuche der drei Protagonisten. Als Kontrast dienen Supermarktbesuche mit vollgestellten Regalen. Wo das Trio zunächst sorglos in den Tag lebte, kann es sich dies nach einem Diebstahl ihrer Habe am Strand und dem Rauswurf aus der Ferienvilla durch Désirées Mutter nicht mehr leisten. Die Mutter versucht das Liebesleben ihrer Tochter zu bestimmen, was sich diese nicht gefallen lässt. Als eine Art Fata Morgana erscheint sie Désirée vorwurfsvoll in der Wüste. Andererseits schildert Frédéric Jaeger ihre Odyssee nicht ohne Komik: Wenn sich Désirée und Elias im beengte Zelt vergnügen, wird Sal der Unterkunft verwiesen. Zuvor zoffte man sich darüber, wer im Zelt in der Mitte liegen darf.

Durch die prekäre Situation kommen Fragen nach Status, Begehren und Rasse auf. So diskutieren die beiden Männer, ob Sparen nun eine "weiße Perspektive“ sei. Die Liebesverhältnisse verschieben sich bald, als sich die beiden Männer annähern. Doch zu einem Dreier kann man sich letztlich doch nicht entscheiden – dazu fehlt es letztlich Sal an Überwindung. In vielen Aspekten bleibt Jaeger bewusst uneindeutig. So erscheinen die Charaktere und ihre Motivation letztlich zu unnahbar und enigmatisch. Vieles wirkt wie eine Versuchsanordnung – eine, auf die man sich aufgrund der charismatischen Akteure und der bemerkenswerten Kameraarbeit vielleicht doch einlassen sollte.

Fazit: Ohne Finanzen müssen sich ein Pärchen und ihr Freund beim Fuerteventura-Trip durchschlagen, während ihre Beziehung zunehmend neu ausgerichtet wird. Atmosphärische, teils humorvolle, aber mitunter auch spröde "Nouvelle Vague“-Hommage.




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Besetzung & Crew von "All We Ever Wanted"

Land: Deutschland
Jahr: 2024
Genre: Drama
Länge: 80 Minuten
Kinostart: 09.04.2026
Regie: Frédéric Jaeger
Darsteller: Charity Collin, Mehmet Sözer, Michael Ifeandu
Kamera: Maximilian Andereya
Verleih: Gmfilms

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