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Gavagai (2025)
In diesem Drama begegnen sich die beiden Hauptdarsteller*innen eines in Senegal gedrehten Films auf der Berlinale wieder.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Die französische Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) dreht in Senegal eine Verfilmung der antiken Tragödie "Medea“. Sie hat die Frauenrolle mit der Deutschen Maja (Maren Eggert) besetzt, den Jason, der Medea verlässt und sie von ihren Kindern trennen will, spielt Nourou (Jean-Christophe Folly), ein Darsteller senegalesischer Abstammung. Beim Dreh kommt es zu Streitigkeiten, Maja und Caroline harmonieren nicht, Nourou vermittelt zwischen der Regisseurin und unzufriedenen einheimischen Statisten, dann schmeißt Caroline das Drehbuch um: Medea soll ihre Kinder nicht mehr töten.
Nourou und Maja lieben sich im Hotel. Monate später treffen sie sich in Berlin wieder zur Premiere bei den Filmfestspielen. Nourou möchte mit Maja zusammen sein, aber die beschäftigt vor allem ein Vorfall im Hotel, durch welchen sie den Schwarzen Schauspieler rassistisch diskriminiert sieht.
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Filmkritik
"Gavagai“: Zu verschieden für die Liebe?
Der Regisseur und Drehbuchautor Ulrich Köhler experimentiert in seinem neuen Spielfilm "Gavagai“ mit Gegensätzen. In der Film-im-Film-Geschichte kontrastieren Komik und Drama, die Welten vor und hinter der Kamera, die künstlerischen Absichten und die Realität, die sozialen Rollen am Drehort und in Berlin. Im Mittelpunkt steht die Beziehung der Hauptdarsteller*innen des "Medea“-Drehs, denen ihre unterschiedliche Prägung und Erwartung dazwischenfunkt. Köhler garniert sie mit satirischen Blicken auf das Filmemachen, auf künstlerische Ansprüche und Nöte.
Dialoge auf wackeligen Füßen
Wenn die französische Regisseurin und die deutsche Schauspielerin in Senegal miteinander sprechen, dann auf Englisch. Caroline ist überfordert, kritisiert Majas Leistung und diese Carolines spontane Änderung des Drehbuchs. Die einheimischen Komparsen fühlen sich allein gelassen. Ohne Nourou, der überall vermittelt und die Wogen glättet, wäre die Lage hoffnungslos. Das Lavieren zwischen Sprachen und Auffassungen führt zu gegenseitigem Missverstehen. So erklärt sich auch der Filmtitel. Mit dem gleichnamigen Gedankenspiel demonstrierte der Philosoph Quine, wie leicht es zu Fehlinterpretationen kommen kann, wenn sich Menschen über kulturelle Barrieren hinweg austauschen.
Konflikte im kalten Berlin
Maja wirkt kopfgesteuert, vertraut Gefühlen viel weniger als Nourou. Dieser mag sich im kalten Berlin verloren vorkommen, im sozialen Umgang aber mutet er oft kompetenter, verträglicher als Maja an. Die gestresste Frau hat eine kleine Tochter und lebt getrennt von ihrem Partner. Sie lässt Nourou in Berlin zunächst spüren, dass er ungelegen kommt. Auf der Pressekonferenz bei der Berlinale droht dem Team neuer Ärger. Journalisten stoßen sich daran, dass die in der Fremde geächtete Figur der Medea mit einer weißen Europäerin in afrikanischem Umfeld besetzt wurde.
Köhler hatte bereits "Schlafkrankheit“, der 2011 den Silbernen Bären für die beste Regie bekam, mit den Darsteller*innen Nathalie Richard und Jean-Christophe Folly gedreht. Hier lässt er nun mit satirischem Blick einige Probleme einfließen, die er so ähnlich beim Dreh in Afrika und auch rund um die Berliner Filmpremiere damals erlebt und mitverursacht hatte. Wenn sich Maja in Berlin wegen rassistischer Diskriminierung Nourous aufregt, merkt sie nicht, wie sie ihn ihrerseits gängelt und subtil herabsetzt. Es wirkt oft spröde, wie der Film die vielen Themen streift und sie dennoch wie Hürden aussehen lässt. Die geistige Auseinandersetzung erleichtert jedoch das gute Schauspiel, das die emotionale Ebene mit Spannung versorgt.
Fazit: Drama und Komik verbinden sich in dieser Film-im-Film-Geschichte, in der es um kulturelle Missverständnisse, Rassismus, soziale Hierarchien, Kunst und die romantische Beziehung zweier Schauspieler*innen geht. Der Regisseur und Drehbuchautor Ulrich Köhler bietet geistig anspruchsvolles Futter, das Verbindungen zwischen einer "Medea“-Verfilmung und der Lebensrealität seiner Mitwirkenden herstellt. Maren Eggert und Jean-Christophe Folly überzeugen als Paar, das Gegensätze überwinden will und neue schafft.
Der Regisseur und Drehbuchautor Ulrich Köhler experimentiert in seinem neuen Spielfilm "Gavagai“ mit Gegensätzen. In der Film-im-Film-Geschichte kontrastieren Komik und Drama, die Welten vor und hinter der Kamera, die künstlerischen Absichten und die Realität, die sozialen Rollen am Drehort und in Berlin. Im Mittelpunkt steht die Beziehung der Hauptdarsteller*innen des "Medea“-Drehs, denen ihre unterschiedliche Prägung und Erwartung dazwischenfunkt. Köhler garniert sie mit satirischen Blicken auf das Filmemachen, auf künstlerische Ansprüche und Nöte.
Dialoge auf wackeligen Füßen
Wenn die französische Regisseurin und die deutsche Schauspielerin in Senegal miteinander sprechen, dann auf Englisch. Caroline ist überfordert, kritisiert Majas Leistung und diese Carolines spontane Änderung des Drehbuchs. Die einheimischen Komparsen fühlen sich allein gelassen. Ohne Nourou, der überall vermittelt und die Wogen glättet, wäre die Lage hoffnungslos. Das Lavieren zwischen Sprachen und Auffassungen führt zu gegenseitigem Missverstehen. So erklärt sich auch der Filmtitel. Mit dem gleichnamigen Gedankenspiel demonstrierte der Philosoph Quine, wie leicht es zu Fehlinterpretationen kommen kann, wenn sich Menschen über kulturelle Barrieren hinweg austauschen.
Konflikte im kalten Berlin
Maja wirkt kopfgesteuert, vertraut Gefühlen viel weniger als Nourou. Dieser mag sich im kalten Berlin verloren vorkommen, im sozialen Umgang aber mutet er oft kompetenter, verträglicher als Maja an. Die gestresste Frau hat eine kleine Tochter und lebt getrennt von ihrem Partner. Sie lässt Nourou in Berlin zunächst spüren, dass er ungelegen kommt. Auf der Pressekonferenz bei der Berlinale droht dem Team neuer Ärger. Journalisten stoßen sich daran, dass die in der Fremde geächtete Figur der Medea mit einer weißen Europäerin in afrikanischem Umfeld besetzt wurde.
Köhler hatte bereits "Schlafkrankheit“, der 2011 den Silbernen Bären für die beste Regie bekam, mit den Darsteller*innen Nathalie Richard und Jean-Christophe Folly gedreht. Hier lässt er nun mit satirischem Blick einige Probleme einfließen, die er so ähnlich beim Dreh in Afrika und auch rund um die Berliner Filmpremiere damals erlebt und mitverursacht hatte. Wenn sich Maja in Berlin wegen rassistischer Diskriminierung Nourous aufregt, merkt sie nicht, wie sie ihn ihrerseits gängelt und subtil herabsetzt. Es wirkt oft spröde, wie der Film die vielen Themen streift und sie dennoch wie Hürden aussehen lässt. Die geistige Auseinandersetzung erleichtert jedoch das gute Schauspiel, das die emotionale Ebene mit Spannung versorgt.
Fazit: Drama und Komik verbinden sich in dieser Film-im-Film-Geschichte, in der es um kulturelle Missverständnisse, Rassismus, soziale Hierarchien, Kunst und die romantische Beziehung zweier Schauspieler*innen geht. Der Regisseur und Drehbuchautor Ulrich Köhler bietet geistig anspruchsvolles Futter, das Verbindungen zwischen einer "Medea“-Verfilmung und der Lebensrealität seiner Mitwirkenden herstellt. Maren Eggert und Jean-Christophe Folly überzeugen als Paar, das Gegensätze überwinden will und neue schafft.
Bianka Piringer
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Besetzung & Crew von "Gavagai"
Land: Frankreich, DeutschlandJahr: 2025
Genre: Drama
Länge: 91 Minuten
Kinostart: 30.04.2026
Regie: Ulrich Köhler
Darsteller: Nathalie Richard, Maren Eggert, Stacy Thunes, Jean-Christophe Folly, Demet Gül
Kamera: Patrick Orth
Verleih: Port au Prince Pictures GmbH
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