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Train Dreams (2025)
Stilles, ergreifendes Drama um die kleinen und großen Dinge des LebensKritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Robert Grainier (Joel Edgerton), ein schweigsamer, einfacher Mann, wächst in der rauen Wildnis von Idaho und Montana auf. Als junger Arbeiter hilft er beim Bau der Eisenbahnlinien, die den Westen erschließen. Er erlebt die Härten: Ein Unfall tötet drei Kollegen, ein anderer asiatischer Herkunft wird grundlos in die Tiefe gestoßen.
Grainier verliebt sich in Gladys (Felicity Jones), sie heiraten und bauen ein kleines Haus am Kootenai-Fluss. Ihre kleine Tochter Kate bringt Freude in sein Leben. Doch 1917, während Grainier auf Arbeit ist, kommt ein verheerender Waldbrand über die Region. Er kehrt zurück und findet nur verkohlte Ruinen – weder Gladys noch Kate werden gefunden. Gequält von Schuld glaubt er zeitweise, Kates Stimme im Wind zu hören oder ein wolfähnliches Mädchen in der Wildnis zu sehen. Die Jahre vergehen in Isolation: Die Natur bleibt seine stille Gefährtin, mal majestätisch, mal bedrohlich.
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Filmkritik
Man könnte "Train Dreams" als existenzialistisches, anthropologisches Drama bezeichnen, denn der Film versucht, auf unaufdringliche Weise die Essenz des menschlichen Lebens zu ergründen; die Frage, was "Glück" und "Erfüllung" ausmacht; den Wert der "Familie"; den Einfluss von Schicksalsschlägen und Leid.
Ausgangspunkt dieser ungewöhnlichen Geschichte ist der Protagonist Robert Grainier, von Joel Edgerton hervorragend gespielt, als ganz und gar gewöhnlicher Typ in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts: Vieles befindet sich im Aufbau, im Entstehen, die "Train Dreams" - die Idee einer Erschließung weitgehend unbewohnter Gegenden - sind Bestandteil des "American Dream", nachdem jeder, der hart arbeitet und sich anstrengt, sich ein gutes Leben aufbauen kann. Es ist wenig da, doch die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt: Der Film ist so auch eine Ergründung dieses "American Dream", den man inzwischen als gestorben bezeichnen kann, Wiederbelebungsversuche a la Trump scheitern selbstredend.
Grainier, ein einfacher Mann, dem seine eigene Herkunft selbst unbekannt ist, weiß lange Zeit nicht, was er im Leben will. Es fehlen Möglichkeiten und Inspiration. Alles ändert sich, als er seine künftige Frau Gladys kennenlernt: Das Ziel wird von da ein, eine Familie aufzubauen, sich niederzulassen. "Train Dreams" charakterisiert dieses Bedürfnis als etwas genuin menschliches, was dem Drama Tiefe verleiht, und eben auch seinen anthropologischen, "ethnografischen" Charakter.
"Train Dreams" ergründet aber nicht nur universelle Fragen, sondern webt auch aktuelle Themen in seine Handlung ein, ohne diese direkt sichtbar zu machen: Grainier hat es bei seiner Arbeit im Wald, an Zugstrecken und beim Holzfällen mit zahlreichen Fremden zu tun, die aus aller Herren Länder kommen, auf der Suche nach Arbeit. Darunter sind auch Chinesen und andere für Grainier "exotische" Kulturen, er begegnet ihnen aber mit Interesse, Wohlwollen, Offenheit. Mit einem freundet er sich an, doch der wird dann eines Tages plötzlich - grundlos - von Männern attackiert, mitgenommen und in eine Schlucht geworfen: Man kann nicht umhin, darin eine Parallele zu den aktuellen Vorgängen um die "ICE-Gestapo" in den USA zu sehen.
Auch das Thema Rassismus wird in einer kurzen Episode behandelt. Und in gewisser Weise auch der hochaktuelle Komplex "Mensch vs. Natur": Erst durch das Eindringen des Menschen in die Natur geraten Dinge aus dem Gleichgewicht, erst dadurch kommt es zu einem Waldbrand, der das zerstören wird, was sich der Protagonist vorher mühevoll aufgebaut hat, durch ebenjene Arbeit in/an der Natur. Wo Glück entsteht, ist auch das Leid nicht weit, auch das weiß "Train Dreams". Und so muss Grainier den Verlust dessen verkraften, wofür er so hart gearbeitet hat. Die Dialektik aus Glück und Unglück eben, aus Freud und Leid.
Stilistisch ist der Film übrigens eine Augen- und Ohrenweide: Er arbeitet mit innovativen, ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, der betörende Bilder hervorbringt, die wiederum durch einen exquisiten Soundtrack ergänzt werden. Bemerkenswert durch und durch.
Fazit: Ein beachtlicher, ruhiger, stiller Film mit viel Gewicht, der das Wesen der menschlichen Existenz einfangen möchte und dabei dank großartiger Inszenierung und überzeugender Schauspielerleistungen erfolgreich ist.
Ausgangspunkt dieser ungewöhnlichen Geschichte ist der Protagonist Robert Grainier, von Joel Edgerton hervorragend gespielt, als ganz und gar gewöhnlicher Typ in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts: Vieles befindet sich im Aufbau, im Entstehen, die "Train Dreams" - die Idee einer Erschließung weitgehend unbewohnter Gegenden - sind Bestandteil des "American Dream", nachdem jeder, der hart arbeitet und sich anstrengt, sich ein gutes Leben aufbauen kann. Es ist wenig da, doch die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt: Der Film ist so auch eine Ergründung dieses "American Dream", den man inzwischen als gestorben bezeichnen kann, Wiederbelebungsversuche a la Trump scheitern selbstredend.
Grainier, ein einfacher Mann, dem seine eigene Herkunft selbst unbekannt ist, weiß lange Zeit nicht, was er im Leben will. Es fehlen Möglichkeiten und Inspiration. Alles ändert sich, als er seine künftige Frau Gladys kennenlernt: Das Ziel wird von da ein, eine Familie aufzubauen, sich niederzulassen. "Train Dreams" charakterisiert dieses Bedürfnis als etwas genuin menschliches, was dem Drama Tiefe verleiht, und eben auch seinen anthropologischen, "ethnografischen" Charakter.
"Train Dreams" ergründet aber nicht nur universelle Fragen, sondern webt auch aktuelle Themen in seine Handlung ein, ohne diese direkt sichtbar zu machen: Grainier hat es bei seiner Arbeit im Wald, an Zugstrecken und beim Holzfällen mit zahlreichen Fremden zu tun, die aus aller Herren Länder kommen, auf der Suche nach Arbeit. Darunter sind auch Chinesen und andere für Grainier "exotische" Kulturen, er begegnet ihnen aber mit Interesse, Wohlwollen, Offenheit. Mit einem freundet er sich an, doch der wird dann eines Tages plötzlich - grundlos - von Männern attackiert, mitgenommen und in eine Schlucht geworfen: Man kann nicht umhin, darin eine Parallele zu den aktuellen Vorgängen um die "ICE-Gestapo" in den USA zu sehen.
Auch das Thema Rassismus wird in einer kurzen Episode behandelt. Und in gewisser Weise auch der hochaktuelle Komplex "Mensch vs. Natur": Erst durch das Eindringen des Menschen in die Natur geraten Dinge aus dem Gleichgewicht, erst dadurch kommt es zu einem Waldbrand, der das zerstören wird, was sich der Protagonist vorher mühevoll aufgebaut hat, durch ebenjene Arbeit in/an der Natur. Wo Glück entsteht, ist auch das Leid nicht weit, auch das weiß "Train Dreams". Und so muss Grainier den Verlust dessen verkraften, wofür er so hart gearbeitet hat. Die Dialektik aus Glück und Unglück eben, aus Freud und Leid.
Stilistisch ist der Film übrigens eine Augen- und Ohrenweide: Er arbeitet mit innovativen, ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, der betörende Bilder hervorbringt, die wiederum durch einen exquisiten Soundtrack ergänzt werden. Bemerkenswert durch und durch.
Fazit: Ein beachtlicher, ruhiger, stiller Film mit viel Gewicht, der das Wesen der menschlichen Existenz einfangen möchte und dabei dank großartiger Inszenierung und überzeugender Schauspielerleistungen erfolgreich ist.
Christian Klosz
TrailerAlle "Train Dreams"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Train Dreams"
Land: USAJahr: 2025
Genre: Drama
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 06.11.2025
Regie: Clint Bentley
Darsteller: Joel Edgerton als Robert Grainier, Felicity Jones als Gladys Grainier, William H. Macy als Arn Peeples
Kamera: Adolpho Veloso
Verleih: Netflix
