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Jetzt. Wohin. - Meine Reise mit Robert Habeck
Jetzt. Wohin. - Meine Reise mit Robert Habeck
© Pandora Film

Jetzt. Wohin. - Meine Reise mit Robert Habeck (2025)

Deutscher Dokumentarfilm über den Erkundungsversuch eines politischen Scheiterns.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Robert Habeck und Lars Jessen haben einiges gemeinsam. Der Politiker und der Filmemacher sind beide 1969 geboren, stammen aus Kiel und teilen eine links-ökologische Gesinnung. Seit einigen Jahren sind sie befreundet. Als die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag als Neuwahl auf den 23. Februar 2025 vorgezogen wurde, bat Habeck seinen Freund Jessen um Unterstützung im Wahlkampf. Auf Jessens Konto gehen unter anderem die Küchentisch-Gespräche, bei denen Habeck Menschen zu Hause besuchte und mit ihnen auf Augenhöhe über deren Ängste, Sorgen und Nöte diskutierte.

Nach einem zwischenzeitlichen Umfragehoch stand am Ende eine krachende Niederlage. Die Grünen büßten im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 etwas mehr als drei Prozent ein und kamen nicht einmal mehr auf 12 Prozent der Stimmen. Woran das gelegen haben könnte, versucht Jessen mit der Hilfe vieler Beobachter, die nicht nur aus dem politischen Spektrum stammen, in Form eines Dokumentarfilms zu ergründen.

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"Jetzt. Wohin.": Schöner Scheitern

Lars Jessen ist ein umtriebiger Typ. Hauptberuflich ist das 1969 in Kiel geborene Nordlicht Filmemacher, in seiner Freizeit engagiert Jessen sich für Naturschutz und Nachhaltigkeit. Unter anderem hat er die gemeinnützige Organisation "Planet Narratives" mitgegründet und ist Teil der "Mission Wertvoll", einer von der Politökonomin Maja Göpel ins Leben gerufenen Organisation. Auf sein in beiden Welten geknüpftes Netzwerk greift Jessen jetzt für seinen neuen Dokumentarfilm zu. Göpel kommt darin ebenso zu Wort wie die Autorin Samira El Ouassil, mit der Jessen die künstlerische Leitung bei der Verleihung des deutschen Filmpreises 2024 übernommen hatte, oder der Schauspieler Charly Hübner, der bereits mehrfach unter Jessens Regie vor der Kamera stand. Anders als in Spielfilmen wie "Am Tag als Bobby Ewing starb", "Hochzeitspolka" oder "Fraktus" geht es in Jessens jüngster Doku eher ernst als lustig zu. Etwas mehr Humor hätte durchaus nicht geschadet.

Analysen zwischen Boot und Parkbank

In "Jetzt. Wohin." wird's zudem persönlich, wie das Personalpronomen im Untertitel unschwer erkennen lässt. "Meine Reise mit Robert Habeck" das ist Jessens Reise an der Seite des Politikers, sein Versuch, Habeck ins Kanzleramt zu verhelfen und der sich daran anschließende Versuch, Habecks und sein eigenes Scheitern zu ergründen. Dafür befragt Jessen nicht nur sich selbst und lässt das Kinopublikum via Kommentar aus dem filmischen Off an seinen Gedanken teilhaben, er bittet auch prominente Köpfe, das schlechte Abschneiden der Grünen bei der Bundestagswahl im Februar 2025 zu analysieren.

Und damit sein Dokumentarfilm nicht die immer selben Bilder von Interviewpartnern reproduziert, setzt er die Befragten abwechslungsreich in Szene. Mit dem Autor und Journalisten Friedemann Karig nimmt Jessen auf einer Parkbank Platz, mit dem Spiegel-Kolumnisten und Hochschul-Professor Christian Stöcker setzt er sich vor ein stillgelegtes Kraftwerk, mit der Umweltaktivistin Luisa Neubauer in ein Boot und mit dem Musiker Jan "Monchi" Gorkow spaziert er an der Ostsee entlang.

Wohlvertraute Überheblichkeiten

Leider sieht all das besser aus, als es sich anhört. Denn der Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen. Wer die deutsche Politik aufmerksam verfolgt, hat die Analysen und Erklärungsversuche allesamt mindestens einmal an anderer Stelle gelesen oder gehört. Und leider bietet Jessens Film nicht viel mehr als eitle Nabelschau. Denn sein Bemühen, die Wahlniederlage zu ergründen, scheitert ausgerechnet daran, dass er den schon während des Wahlkampfs gemachten und im Nachhinein erkannten Fehler wiederholt, zu sehr in der eigenen links-grünen Blase zu verharren und zu wenig über den Tellerrand hinauszuschauen.

Die Wählerwanderung von den Grünen zur Linken ist ein Thema dieses Films, der das weitaus wichtigere Thema jedoch ignoriert. Auch ohne diese Abwanderungsbewegung innerhalb des linken Spektrums wäre das progressive Lager bei dieser Wahl nicht stärker geworden, die AfD wurde es aber sehr wohl. Sie hat ihre Stimmen verdoppelt. Und das nicht zuletzt, weil viele SPD-Wähler ihr Kreuzchen inzwischen bei den Feinden der Demokratie machen. Wie diese Menschen ticken, dafür interessiert sich Jessen in seiner Wohlstands-Welt allerdings nicht die Bohne. Anstatt in seinem Dokumentarfilm dorthin zu gehen, wo es wehtut, wagt er sich kaum einmal aus seinem wohlvertrauten Wohlfühl-Milieu hinaus.

Dass die schärfste Kritik in diesem Film ausgerechnet von Jan Gorkow, dem streitbaren Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet, kommt, ist bezeichnend. Anders als viele Kreative ist Gorkow nicht in eine linke Hochburg wie Leipzig oder Berlin abgewandert, sondern in seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern geblieben. Dort bekommt er es tagtäglich mit Meinungen zu tun, die alles andere als in sein Weltbild passen – und hat vermutlich deshalb auch den klarsten Blick auf linke Überheblichkeiten.

Fazit: Der Dokumentarfilm "Jetzt. Wohin. – Meine Reise mit Robert Habeck" gibt aufschlussreiche Einblicke in den letzten Wahlkampf des Kanzlerkandidaten der Grünen. Beim Versuch, im Nachgang des Urnengangs die Wahlschlappe zu analysieren, scheitert der Film jedoch selbst. Unter anderem, weil sich der Regisseur Lars Jessen trotz aller vorgeblichen Selbstkritik zu wichtig nimmt und ein zu großer Fanboy Habecks bleibt, um diesem tatsächlich mit der nötigen Distanz zu begegnen.




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Besetzung & Crew von "Jetzt. Wohin. - Meine Reise mit Robert Habeck"

Land: Deutschland
Jahr: 2025
Genre: Dokumentation
Kinostart: 07.12.2025
Regie: Lars Jessen
Darsteller: Samira El Ouassil, Maja Göpel, Daniel Günther, Robert Habeck, Charly Hübner
Verleih: Pandora Film

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