FBW-Bewertung: Invisible People (2024)
Prädikat besonders wertvoll
Jurybegründung: Der japanische Butoh-Tanz ist ein Faszinosum und Mysterium zugleich. Alisa Berger, die sich selbst im Butoh ausbilden lässt, drehte mit INVISIBLE PEOPLE einen experimentellen Dokumentarfilm über die japanische Tradition der modernen Tanzkunst.INVISIBLE PEOPLE funktioniert dabei auf unterschiedlichen filmischen Ebenen, zwischen denen er changiert: subjektives Erleben, Personenporträts und Interview sowie ästhetisch überhöhte Tableaus, die Auszüge aus Choreographien zeigen. Dabei bewegt sich der Film wie sein Sujet zwischen Revolte, Erotik, Trance, Gebet, Selbsterfahrung und Meditation. Die unterschiedlichen Ebenen ermöglichen es der Regisseurin, den Film von seinem Thema ausgehend zu öffnen hin zu einem sehr grundsätzlichen Porträt der Zyklen und Krisen des Lebens.
Alisa Berger ist bildende Künstlerin und Filmemacherin, was man dem Film deutlich anmerkt. Ihr Interesse an Butoh ist sehr persönlich motiviert, und mit diesem vertrauten Blick schafft sie einen konsequenten Essayfilm, der immer wieder dem künstlerischen Ausdruck huldigt ? mit den Stroboskopmontagen des Vorspanns bis zur düster-experimentellen Klangkunst.
Die Jury war berührt und beeindruckt von den gelungenen Arrangements vor pittoresken Hintergründen. Die Philosophie des Butoh wird durch Wort und Bild evoziert und so teilweise zugänglich gemacht. Dabei bleiben manche Spuren offen, viele Fragen unbeantwortet. Der Film erscheint exzentrisch wie auch sinnlich. Er kann als kulturell wertvoll betrachtet werden, denn er macht neugierig auf transkulturelle Vermittlung. Durch seine oft rätselhafte Inszenierung setzt er allerdings ein doch etwas tiefergehendes Interesse für japanische Kultur und Ästhetik voraus.
Angesichts der genannten Qualitäten würdigt die Jury den Film gerne mit dem höchsten Prädikat BESONDERS WERTVOLL.
Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
