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Madame Kika (2025)
Kika
Belgische Tragikomödie über eine Sozialarbeiterin und ihren ungewöhnlichen Nebenjob.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Im stressigen, aber gut geordneten Leben der Sozialarbeiterin Kika (Manon Clavel) geht es schlagartig drunter und drüber. Erst verliebt sie sich Hals über Kopf in den Fahrradladenbesitzer David (Makita Samba), für den sie ihren Mann Paul (Thomas Coumans) verlässt. Dann stirbt David unerwartet, als Manon mit seinem Kind schwanger ist. Von nurmehr einem Gehalt kann sich Kika die Wohnung, in der sie mit David und Louison (Suzanne Elbaz), ihrer Tochter aus der Ehe mit Paul, lebte, nicht mehr leisten.
In ihrer finanziellen Notlage quartieren sich Kika und Louison vorerst bei der Verwandtschaft ein. Doch der Alltag bei Kikas Eltern Jean-Pierre (Bernard Blancan) und Sylvie (Kadija Leclere) raubt Mutter und Tochter den letzten Nerv. Um so schnell wie möglich runter von der elterlichen Ausziehcouch und rein in die eigenen vier Wände zu kommen, greift Kika zu ungewöhnlichen Mitteln: Sie versucht sich als Domina.
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Filmkritik
"Madame Kika": Bittersüß mit Peitsche
Sobald Kika ihr Dienstgebäude betritt, steht sie unter Strom. In den Gängen des Sozialamts, in dem sie arbeitet, drängen sich die Hilfsbedürftigen und zerren mit ihren ungestüm vorgetragenen Forderungen am Nervenkostüm. Colin Lévêques agile Kamera, die sich wendig ihren Weg durch die engen Flure bahnt, das schmale Filmformat und die schnellen, von der Regisseurin Alexe Poukine gemeinsam mit Thomas van Zuylen geschriebenen Dialoge verstärken das Gefühl, dieser Hektik hilflos ausgeliefert zu sein. Selbst nach Dienstschluss kommt Kika nicht zur Ruhe, denn das Fahrrad ihrer Tochter muss noch geschwind zur Reparatur. Erst als sie aus Versehen im Fahrradladen mit dessen Besitzer eingeschlossen wird, erhält sie eine kleine Verschnaufpause – und verliebt sich unverhofft.
Alexe Poukine wirft ihr Publikum mitten hinein in diese Geschichte einer Sozialarbeiterin auf Abwegen. So unvermittelt wie der Einstieg sind auch die erzählerischen Auslassungen. Oft sagt ein Blick mehr als tausend Worte, etwa dann, wenn Kikas Ehemann Paul sie beim Abwasch in der Küche ebenso fragend wie wissend ansieht. Einen Schnitt von Cutterin Agnès Bruckert später leben Kika und Paul bereits getrennt und Kika mit David, dem Mann aus dem Fahrradladen, zusammen. Zuvor hatten sie sich ein paar Mal in einem Stundenhotel getroffen, das etwas später in der Filmhandlung noch eine prominente Rolle spielen wird. Denn dort versucht sich Kika nach Davids unerwartetem Ableben als Domina.
Sozialfall Sozialarbeit
Um schnell an Geld zu kommen und nicht selbst zum Sozialfall zu werden, packt die Sozialarbeiterin die Peitsche aus. Seinen Anfang nimmt dieser ungewöhnliche Nebenjob mit einer Begegnung Kikas mit einem schüchternen Tierarzt, der zunächst nur an Kikas getragenen Höschen interessiert ist, ihr alsbald aber buchstäblich die Stiefel leckt. Nach einem kurzen Crashkurs bei einer professionellen Domina und dank des Rats zweier erfahrener Sexarbeiterinnen, die im selben Stundenhotel wie Kika ihre Dienste anbieten, läuft das Geschäft mit der bezahlten Demütigung irgendwann wie geschmiert. Das klingt nicht nur, sondern ist auch komisch, weil Poukine sich dem Thema durch die Augen einer aufgeschlossenen Hauptfigur völlig unverkrampft nähert und mit Manon Clavel die Idealbesetzung dafür gefunden hat.
Für die französisch-amerikanische Schauspielerin ist es die erste Hauptrolle, und sie glänzt darin. Jederzeit und in allen Lebenslagen glaubhaft, ist es besonders Clavels unerschrockenes und zugleich natürliches Auftreten, das einen umgehend für diese Figur einnimmt. Das Kinopublikum folgt Kika blind, wenn sie die Welt mit neugierigem Blick und Reibeisenstimme erkundet. Für Alexe Poukine ist es nach drei Dokumentar- und zwei Kurzfilmen übrigens der erste Spielfilm, bei dem sie Regie führt – und auch Poukine meistert diese Aufgabe mit Bravour. "Madame Kika", der bei den Filmfestspielen in Cannes in der Sektion Semaine de la critique zu sehen war, ist eine locker leicht erzählte Betrachtung einer Frau, die strauchelt, aber nicht fällt, weil sie nicht davor zurückschreckt, sich neu zu erfinden. Eine bittersüße Tragikomödie über soziale Verwerfungen und weiblichen Zusammenhalt. Ganz am Ende darf Kika schließlich zur Ruhe kommen. Das Glück dieser Erde liegt in ihrem Fall allerdings nicht auf dem Rücken der Pferde, sondern in einem Fahrradsattel.
Fazit: "Madame Kika", der erste abendfüllende Spielfilm der Regisseurin Alexe Poukine, ist eine bittersüße Tragikomödie über soziale Verwerfungen und weiblichen Zusammenhalt. Das Debüt glänzt mit einer umwerfenden Hauptdarstellerin und einer unerschrockenen Erzählweise, die ein vermeintlich schweres Thema leicht und humorvoll auf die Leinwand wirft.
Sobald Kika ihr Dienstgebäude betritt, steht sie unter Strom. In den Gängen des Sozialamts, in dem sie arbeitet, drängen sich die Hilfsbedürftigen und zerren mit ihren ungestüm vorgetragenen Forderungen am Nervenkostüm. Colin Lévêques agile Kamera, die sich wendig ihren Weg durch die engen Flure bahnt, das schmale Filmformat und die schnellen, von der Regisseurin Alexe Poukine gemeinsam mit Thomas van Zuylen geschriebenen Dialoge verstärken das Gefühl, dieser Hektik hilflos ausgeliefert zu sein. Selbst nach Dienstschluss kommt Kika nicht zur Ruhe, denn das Fahrrad ihrer Tochter muss noch geschwind zur Reparatur. Erst als sie aus Versehen im Fahrradladen mit dessen Besitzer eingeschlossen wird, erhält sie eine kleine Verschnaufpause – und verliebt sich unverhofft.
Alexe Poukine wirft ihr Publikum mitten hinein in diese Geschichte einer Sozialarbeiterin auf Abwegen. So unvermittelt wie der Einstieg sind auch die erzählerischen Auslassungen. Oft sagt ein Blick mehr als tausend Worte, etwa dann, wenn Kikas Ehemann Paul sie beim Abwasch in der Küche ebenso fragend wie wissend ansieht. Einen Schnitt von Cutterin Agnès Bruckert später leben Kika und Paul bereits getrennt und Kika mit David, dem Mann aus dem Fahrradladen, zusammen. Zuvor hatten sie sich ein paar Mal in einem Stundenhotel getroffen, das etwas später in der Filmhandlung noch eine prominente Rolle spielen wird. Denn dort versucht sich Kika nach Davids unerwartetem Ableben als Domina.
Sozialfall Sozialarbeit
Um schnell an Geld zu kommen und nicht selbst zum Sozialfall zu werden, packt die Sozialarbeiterin die Peitsche aus. Seinen Anfang nimmt dieser ungewöhnliche Nebenjob mit einer Begegnung Kikas mit einem schüchternen Tierarzt, der zunächst nur an Kikas getragenen Höschen interessiert ist, ihr alsbald aber buchstäblich die Stiefel leckt. Nach einem kurzen Crashkurs bei einer professionellen Domina und dank des Rats zweier erfahrener Sexarbeiterinnen, die im selben Stundenhotel wie Kika ihre Dienste anbieten, läuft das Geschäft mit der bezahlten Demütigung irgendwann wie geschmiert. Das klingt nicht nur, sondern ist auch komisch, weil Poukine sich dem Thema durch die Augen einer aufgeschlossenen Hauptfigur völlig unverkrampft nähert und mit Manon Clavel die Idealbesetzung dafür gefunden hat.
Für die französisch-amerikanische Schauspielerin ist es die erste Hauptrolle, und sie glänzt darin. Jederzeit und in allen Lebenslagen glaubhaft, ist es besonders Clavels unerschrockenes und zugleich natürliches Auftreten, das einen umgehend für diese Figur einnimmt. Das Kinopublikum folgt Kika blind, wenn sie die Welt mit neugierigem Blick und Reibeisenstimme erkundet. Für Alexe Poukine ist es nach drei Dokumentar- und zwei Kurzfilmen übrigens der erste Spielfilm, bei dem sie Regie führt – und auch Poukine meistert diese Aufgabe mit Bravour. "Madame Kika", der bei den Filmfestspielen in Cannes in der Sektion Semaine de la critique zu sehen war, ist eine locker leicht erzählte Betrachtung einer Frau, die strauchelt, aber nicht fällt, weil sie nicht davor zurückschreckt, sich neu zu erfinden. Eine bittersüße Tragikomödie über soziale Verwerfungen und weiblichen Zusammenhalt. Ganz am Ende darf Kika schließlich zur Ruhe kommen. Das Glück dieser Erde liegt in ihrem Fall allerdings nicht auf dem Rücken der Pferde, sondern in einem Fahrradsattel.
Fazit: "Madame Kika", der erste abendfüllende Spielfilm der Regisseurin Alexe Poukine, ist eine bittersüße Tragikomödie über soziale Verwerfungen und weiblichen Zusammenhalt. Das Debüt glänzt mit einer umwerfenden Hauptdarstellerin und einer unerschrockenen Erzählweise, die ein vermeintlich schweres Thema leicht und humorvoll auf die Leinwand wirft.
Falk Straub
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Besetzung & Crew von "Madame Kika"
Land: BelgienJahr: 2025
Genre: Drama, Komödie
Originaltitel: Kika
Länge: 104 Minuten
Kinostart: 15.01.2026
Regie: Alexe Poukine
Darsteller: Manon Clavel als Kika, Ethelle Gonzalez Lardued als Mary, Makita Samba als David, Suzanne Elbaz als Louison, Anaël Snoek als Rasha
Kamera: Colin Lévêque
Verleih: Little Dream Pictures GmbH
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