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Henriette und Guido - eine ungewöhnliche Liebesgeschichte (2024)
Henriette & Guido - An Unusual Love Story
Dokumentation über eine außergewöhnliche Liebesbeziehung zwischen bedingungsloser Zuneigung, Zusammenhalt und den Auswirkungen langer zurückliegender Traumata.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Die Wiesbadener Regisseurin Stella Tinbergen porträtiert in ihrer ersten dokumentarischen Arbeit seit mehr als fünf Jahren das Liebespaar Henriette und Guido. Henriette kam mit Frontalhirnsyndrom auf die Welt und verbrachte ihre ersten Lebenswochen, isoliert und getrennt von der Mutter, auf einer Intensivstation. Zudem leidet sie unter Epilepsie. Seit frühester Zeit hat sie ein komplexes Verhältnis zu Nähe, Vertrautheit und zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Doku zeigt ihr Leben und ihren Alltag mit Partner Guido, dem ersten Menschen, der Henriette nachhaltig Sicherheit und Geborgenheit schenken kann. Trotz der Herausforderungen des Lebens und Widrigkeiten der Erkrankung gelingt es ihnen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und sich gegenseitigen Halt zu geben.
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Filmkritik
Zwischen den Extremen
Stella Tinbergen setzt in ihrem neuen Dokufilm ganz auf Einfühlsamkeit und Entschleunigung. Man merkt, dass sie sich in der Inszenierung und Umsetzung ihres Films ganz dem individuellen Tempo Henriettes anpasst – und ihren widerstreitenden emotionalen Befindlichkeiten. Denn diese können sich innerhalb kürzester Zeit ändern und sind heftigen Schwankungen unterworfen.
Zwischen Gefühlen von Leere und Trauer sowie Augenblicken innerer Ruhe und Ausgeglichenheit liegen diese Extreme, durchbrochen von impulsiver Aggressivität und schwer zu zügelnder Wut. Das stellt nicht nur Henriette selbst immer wieder vor große Herausforderungen, sondern verlangt auch ihrem Partner Guido viel Rücksichtnahme und Mitgefühl ab. Beiden kommt man in "Henriette und Guido“ sehr nah und das liegt in erster Linie an Tinbergens sorgsamer Beobachtungsgabe und der konzentrierten, behutsamen Kameraarbeit.
Akzeptanz und Respekt
Die Regisseurin lässt ihre Protagonisten gewähren und fängt die kleinen aber so wertvollen Momente des alltäglichen Miteinanders ein. In manchen Szenen sitzen Guido und Henriette einfach nur still auf einer Bank oder sie gehen, eng umschlungen, im Park spazieren. In spontan eingefangenen Gesprächen erfahren wir mehr über Henriettes Krankheit, ihre Biografie und ihre Liebesbeziehung zu Guido – nicht in typischen Interview-Sequenzen, sondern ganz beiläufig, quasi "im Vorbeigehen“. Die Szenen bei ihrer Tanzpädagogin, mit der Henriette ein Stück einstudiert, zeigen eine hellwache, kreative Frau mit einem Gespür für Details und großer Sensibilität.
Häufiger zeigt sich Henriettes mentale Fragilität und Unruhe, wenn Guido nicht an ihrer Seite ist. Dann fehlen ihr Halt und Sicherheit. In einem der berührendsten Momente bringt Henriette wunderbar auf den Punkt, worum es ihr eigentlich geht und was ihr wichtig ist. Schlicht und einfach "mehr Verständnis“, sagt sie. Mehr Bewusstsein, Akzeptanz und Respekt von ihrer Umwelt und Nicht-Betroffenen wünscht sie sich und damit spricht sie gleichsam für all jene Menschen mit psychischer, seelischer Beeinträchtigung, denen man doch nur allzu oft wenig Gehör und Glauben schenkt.
Fazit: Feinfühlig umgesetztes, zutiefst menschliches und ehrliches (Paar-) Porträt, das von Liebe, Inklusion und dem Kampf um Akzeptanz in einer oft verständnislosen Welt handelt.
Stella Tinbergen setzt in ihrem neuen Dokufilm ganz auf Einfühlsamkeit und Entschleunigung. Man merkt, dass sie sich in der Inszenierung und Umsetzung ihres Films ganz dem individuellen Tempo Henriettes anpasst – und ihren widerstreitenden emotionalen Befindlichkeiten. Denn diese können sich innerhalb kürzester Zeit ändern und sind heftigen Schwankungen unterworfen.
Zwischen Gefühlen von Leere und Trauer sowie Augenblicken innerer Ruhe und Ausgeglichenheit liegen diese Extreme, durchbrochen von impulsiver Aggressivität und schwer zu zügelnder Wut. Das stellt nicht nur Henriette selbst immer wieder vor große Herausforderungen, sondern verlangt auch ihrem Partner Guido viel Rücksichtnahme und Mitgefühl ab. Beiden kommt man in "Henriette und Guido“ sehr nah und das liegt in erster Linie an Tinbergens sorgsamer Beobachtungsgabe und der konzentrierten, behutsamen Kameraarbeit.
Akzeptanz und Respekt
Die Regisseurin lässt ihre Protagonisten gewähren und fängt die kleinen aber so wertvollen Momente des alltäglichen Miteinanders ein. In manchen Szenen sitzen Guido und Henriette einfach nur still auf einer Bank oder sie gehen, eng umschlungen, im Park spazieren. In spontan eingefangenen Gesprächen erfahren wir mehr über Henriettes Krankheit, ihre Biografie und ihre Liebesbeziehung zu Guido – nicht in typischen Interview-Sequenzen, sondern ganz beiläufig, quasi "im Vorbeigehen“. Die Szenen bei ihrer Tanzpädagogin, mit der Henriette ein Stück einstudiert, zeigen eine hellwache, kreative Frau mit einem Gespür für Details und großer Sensibilität.
Häufiger zeigt sich Henriettes mentale Fragilität und Unruhe, wenn Guido nicht an ihrer Seite ist. Dann fehlen ihr Halt und Sicherheit. In einem der berührendsten Momente bringt Henriette wunderbar auf den Punkt, worum es ihr eigentlich geht und was ihr wichtig ist. Schlicht und einfach "mehr Verständnis“, sagt sie. Mehr Bewusstsein, Akzeptanz und Respekt von ihrer Umwelt und Nicht-Betroffenen wünscht sie sich und damit spricht sie gleichsam für all jene Menschen mit psychischer, seelischer Beeinträchtigung, denen man doch nur allzu oft wenig Gehör und Glauben schenkt.
Fazit: Feinfühlig umgesetztes, zutiefst menschliches und ehrliches (Paar-) Porträt, das von Liebe, Inklusion und dem Kampf um Akzeptanz in einer oft verständnislosen Welt handelt.
Björn Schneider
TrailerAlle "Henriette und Guido - eine ungewöhnliche Liebesgeschichte"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Henriette und Guido - eine ungewöhnliche Liebesgeschichte"
Land: DeutschlandJahr: 2024
Genre: Dokumentation
Originaltitel: Henriette & Guido - An Unusual Love Story
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 22.01.2026
Regie: Stella Tinbergen
Kamera: Sebastian Hattop
Verleih: Der Filmverleih GmbH
