oder

Romería - Das Tagebuch meiner Mutter (2026)

Romería

Auf wahren Begebenheiten basierendes, poetisches Drama über eine Frau, die sich auf eine (autobiografische) Pilgerreise begibt und ihren an AIDS gestorbenen Eltern nachspürt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse ??? / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Sommer 2004: Die 18-jährige Marina (Llúcia Garcia) steht kurz vor Beginn ihres Filmstudiums in Barcelona und doch lässt sie vor allem eine Frage nicht los: Wer waren ihre Eltern? Marinas Mutter und Vater starben an AIDS, als sie noch ein Kind war. Deshalb entschließt sich die junge Frau zu einer Reise nach Vigo, um dort die Familie ihres Vaters zu treffen. Von ihren Verwandten väterlicherseits erhofft sie sich Informationen zu ihren Eltern. Mit dem Tagebuch ihrer Mutter und einer Videokamera versucht sie zudem, ihre eigene Lebensgeschichte zu rekonstruieren. Dabei stößt Marina auf eine schwer zu überwindende Mauer aus verdrängten Erinnerungen, Scham und widersprüchlichen Schilderungen.

Bildergalerie zum Film "Romería - Das Tagebuch meiner Mutter"

Romería - Das Tagebuch meiner MutterRomería - Das Tagebuch meiner MutterRomería - Das Tagebuch meiner MutterRomería - Das Tagebuch meiner Mutter

Hier streamen


Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse5 / 5

Eine schicksalhafte Reise

Mit "Romeria“ beendet die katalanische Filmemacherin und Drehbuchautorin Carla Simón die mit ihrem Spielfilmdebüt "Fridas Sommer“ (2017) begonnene und mit "Alcarràs – Die letzte Ernte“ (2022) fortgesetzte "Familientrilogie“. Für letztgenanntes Werk erhielt die 39-Jährige den Goldenen Bären der Berlinale 2022. Schon ihre ersten beiden Filme beeindruckten mit einem sehr persönlichen Zugang und fast dokumentarischen Stil. In "Romeria“ treibt die vielleicht bedeutendste spanische Regisseurin ihrer Generation ihren Ansatz der "radikalen Authentizität“ auf die Spitze.

Jene authentische Sicht auf ihr Leben sowie die tragische Familiengeschichte (ihr Vater starb Ende der 80er-Jahre an AIDS, ihre Mutter erlag der Immunschwäche im Frühjahr 1993) erlangt Simón vor allem durch ihre Vorliebe für behutsame Andeutungen, Atmosphäre – und den Verzicht auf klare Antworten. Letztere sollte man in "Romeria“ jedenfalls nicht erwarten, dafür widersprechen sich z.B. allein die Äußerungen und Erinnerungen der Verwandten hinsichtlich Marinas Vater viel zu sehr. Überhaupt die "lieben Verwandten“: Sie sind der Grund, weshalb sich die Reise nach Vigo für Marina (grandios: Jungstar Llúcia Garcia) nicht so entwickelt wie erhofft.

Nationales Trauma: Die AIDS-Krise in Spanien

Vor Ort stößt sie auf eine Form von (subtil vermittelter) Abneigung und Ablehnung, die sie in dieser Form nie zuvor erlebt hat und sie schockiert zurücklässt. Der Grund: Die Verwandten ihres Vaters Alfonso erkennen sie nicht als Familienmitglied an. Eine Information über ihre Existenz fehlt in der Sterbeurkunde des Vaters. Die Tatsache, dass Marinas Existenz von den Großeltern gewissermaßen totgeschwiegen wurde, nutzt Simón in ihrem ruhig, fast bedächtig erzählten Film als Metapher für die lähmende Scham, die im Spanien der 80er- und frühen 90er-Jahre etliche Familien empfanden. Simón verweist damit auf das große spanische AIDS-Trauma jener Zeit. Damals hatte das südeuropäische Land die höchsten Zahlen an AIDS-Toten und HIV-Infizierten auf dem Kontinent (Hauptursache: intravenöser Drogenkonsum).

Da AIDS eng mit dem Thema "Drogenmissbrauch“ und folglich mit gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppen verbunden war, reagierten viele Hinterbliebene und Angehörige mit Stigmatisierung, Verleugnung und Verdrängung. Wie im Fall von Marinas Verwandten. Dem großen "Schweigen“ in der filmischen Realität (dem Hauptteil der Handlung) stellt Simón traumartige, zwischen Wahrheit und Fiktion angesiedelte Sequenzen und Flashbacks entgegen. Diese werden auch von den Worten ihrer Mutter untermalt, die das Schweigen der Verwandten durchbrechen. Es handelt sich dabei nämlich um aus dem Off vorgetragene Zitate, die dem Tagebuch von Marinas verstorbener Mutter entnommen sind. Und diese Auszüge wiederum entstammen echten Briefen, die Simóns Mutter über Jahre hinweg von Vigo aus schrieb. An dieser Stelle verschränkt Simón auf kluge, wohl überlegte Weise ihre eigene Biografie und jene der Mutter mit Marinas filmischer, und damit fiktiver, Suche nach der Wahrheit.

Fazit: Dokumentarisch geprägte, von einer phantastischen Llúcia Garcia getragene Spurensuche einer getriebenen Protagonistin, die auf eine Mauer aus Schweigen, Scham und beängstigender Teilnahmslosigkeit trifft. "Romeria“ ist keine leichte Kost und verweigert eindeutige Antworten, macht andererseits aber auch gekonnt auf ein lange verdrängtes Kollektivtrauma und die Komplexität familiärer Beziehungen aufmerksam.




TrailerAlle "Romería - Das Tagebuch meiner Mutter"-Trailer anzeigen

Zum Video: Romería - Das Tagebuch meiner Mutter

Besetzung & Crew von "Romería - Das Tagebuch meiner Mutter"

Land: Spanien, Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Drama, Romantik, Biografie
Originaltitel: Romería
Länge: 114 Minuten
Kinostart: 02.04.2026
Regie: Carla Simón
Darsteller: Llúcia Garcia, Mitch Martín, Tristán Ulloa, Celine Tyll, León Romagosa
Kamera: Hélène Louvart
Verleih: Piffl Medien

Verknüpfungen zu "Romería - Das Tagebuch meiner Mutter"Alle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.