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Zwischen uns das Meer (2024)
La mer au loin
Das Drama begleitet über zehn Jahre hinweg einen Marokkaner, der in Marseille lebt.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Im Jahr 1990 lebt Nour (Ayoub Gretaa) als junger Marokkaner illegal in Marseille. Zusammen mit anderen Migrant*innen versucht er sich mit Schwarzmarktgeschäften und Gaunereien über Wasser zu halten. Der übergriffige Polizist Serge (Grégoire Colin) verbrennt erst seinen Pass, dann besorgt er ihm ein Zimmer und will sich ihm sexuell nähern. Nour lehnt ab, freundet sich aber dennoch mit Serge und vor allem mit seiner Frau Noémie (Anna Mouglalis) an. Das Paar, das in einer offenen Beziehung lebt, verblüfft und beeindruckt Nour.
Als Serge an Aids erkrankt, hält Nour dem Paar die Treue und steht Noémie bei. Nach Serges Tod heiratet er Noémie und bekommt die französische Staatsbürgerschaft. 1998 besucht er endlich seine Mutter und die anderen Verwandten in Marokko, begleitet von Noémie und ihrem Sohn. Er rutscht in eine Krise, von der auch seine Ehe nicht verschont bleibt und fragt sich, wo er hingehört.
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Filmkritik
"Zwischen uns das Meer“: Ein Migrant in Marseille
Wenn der französisch-marokkanische Filmemacher Saïd Hamich Benlarbi über das "Gefühl des Exils und der Entwurzelung“ spricht, dann auch aus eigener Erfahrung. Als Elfjähriger kam er 1997 nach Frankreich und lernte mit seiner Familie die nordafrikanischen Gemeinschaft von Marseille kennen. Sein Filmheld Nour und dessen Freund*innen aus Algerien und Marokko bewegen sich am Rande der französischen Gesellschaft und hoffen, die Aufenthaltspapiere zu bekommen. Aber das leise Drama "Zwischen uns das Meer“ legt es nicht darauf an, soziale Benachteiligung und Ausgrenzung plakativ anzuprangern. Es erzählt realitätsnah und in vielen Facetten davon, wie sich Menschen verändern und neue Wurzeln schlagen.
Bangen, hoffen, feiern
Die epische Geschichte vertieft sich so bedächtig, dass es beinahe unbemerkt bleibt, wie sie an Substanz gewinnt. Zunächst ist Nour nur einer in der Gruppe befreundeter Migrant*innen, um deren Erfahrungen es auch immer wieder geht. Viele Szenen wirken beiläufig, Dialoge können aufgeschnappt und für die Handlung eher belanglos anmuten. Doch so lernt man die Figuren nach und nach kennen, die Beziehungen, die sich verändern und doch auf lose Art erhalten bleiben. Nour und die anderen treffen sich zu Festen und Feiern, es wird zu Raï-Musik gesungen und getanzt. Wer einen schlecht bezahlten Job in der Landwirtschaft ergattert, muss zufrieden sein, wer eine Person mit französischem Pass heiratet, hat das große Los gezogen.
Menschen verändern sich
Manche Männer haben zuhause Frau und Kinder, alle fühlen sich dort Angehörigen verbunden. Doch die Zeit sorgt für Entfremdung. Die einsamen, um Orientierung ringenden Charaktere werden nicht als Engel gezeichnet. Auch Nour bleibt nicht die ganze Zeit über moralische Zweifel erhaben. Aber gerade in ihrer Vielschichtigkeit wirken die Figuren so menschlich und authentisch. Es wird erkennbar, wie sich Nour sozusagen als erwachsener Held einer Coming-of-Age-Geschichte verändert. Ayoub Gretaa spielt ihn als zurückhaltend-unsicheren, aber anpassungsfähigen Mann, der neue Eindrücke aufsaugt.
Mit dem anfangs bedrohlichen Polizisten Serge und seiner Frau Noémie betritt Nour eine neue Welt, wird freier, lernt schließlich die Liebe kennen. Anna Mouglalis ist eine Wucht in der schillernden Rolle der Französin mit seriösem Beruf und unangepassten Ansichten. Nour setzt sich mit Noémie auf spannende Weise in Beziehung, fühlt sich angenommen, aber auch provoziert, auf einem Weg, den er vielleicht auf lange Sicht doch nicht weitergehen will.
Fazit: Der Regisseur und Drehbuchautor Saïd Hamich Benlarbi erzählt mit epischem Atem vom Leben eines marokkanischen Migranten in Marseille. Von Abschiebung bedroht, ohne geregeltes Einkommen und von seiner Familie abgeschnitten, findet er Halt in einer nordafrikanischen Gemeinschaft. Seine Lage ändert sich, als er ein unkonventionelles französisches Ehepaar kennenlernt. Das Drama beobachtet facettenreich und berührend, wie der Hauptcharakter im Laufe der Jahre seine Zerrissenheit erlebt, lieben lernt und innerlich wächst.
Wenn der französisch-marokkanische Filmemacher Saïd Hamich Benlarbi über das "Gefühl des Exils und der Entwurzelung“ spricht, dann auch aus eigener Erfahrung. Als Elfjähriger kam er 1997 nach Frankreich und lernte mit seiner Familie die nordafrikanischen Gemeinschaft von Marseille kennen. Sein Filmheld Nour und dessen Freund*innen aus Algerien und Marokko bewegen sich am Rande der französischen Gesellschaft und hoffen, die Aufenthaltspapiere zu bekommen. Aber das leise Drama "Zwischen uns das Meer“ legt es nicht darauf an, soziale Benachteiligung und Ausgrenzung plakativ anzuprangern. Es erzählt realitätsnah und in vielen Facetten davon, wie sich Menschen verändern und neue Wurzeln schlagen.
Bangen, hoffen, feiern
Die epische Geschichte vertieft sich so bedächtig, dass es beinahe unbemerkt bleibt, wie sie an Substanz gewinnt. Zunächst ist Nour nur einer in der Gruppe befreundeter Migrant*innen, um deren Erfahrungen es auch immer wieder geht. Viele Szenen wirken beiläufig, Dialoge können aufgeschnappt und für die Handlung eher belanglos anmuten. Doch so lernt man die Figuren nach und nach kennen, die Beziehungen, die sich verändern und doch auf lose Art erhalten bleiben. Nour und die anderen treffen sich zu Festen und Feiern, es wird zu Raï-Musik gesungen und getanzt. Wer einen schlecht bezahlten Job in der Landwirtschaft ergattert, muss zufrieden sein, wer eine Person mit französischem Pass heiratet, hat das große Los gezogen.
Menschen verändern sich
Manche Männer haben zuhause Frau und Kinder, alle fühlen sich dort Angehörigen verbunden. Doch die Zeit sorgt für Entfremdung. Die einsamen, um Orientierung ringenden Charaktere werden nicht als Engel gezeichnet. Auch Nour bleibt nicht die ganze Zeit über moralische Zweifel erhaben. Aber gerade in ihrer Vielschichtigkeit wirken die Figuren so menschlich und authentisch. Es wird erkennbar, wie sich Nour sozusagen als erwachsener Held einer Coming-of-Age-Geschichte verändert. Ayoub Gretaa spielt ihn als zurückhaltend-unsicheren, aber anpassungsfähigen Mann, der neue Eindrücke aufsaugt.
Mit dem anfangs bedrohlichen Polizisten Serge und seiner Frau Noémie betritt Nour eine neue Welt, wird freier, lernt schließlich die Liebe kennen. Anna Mouglalis ist eine Wucht in der schillernden Rolle der Französin mit seriösem Beruf und unangepassten Ansichten. Nour setzt sich mit Noémie auf spannende Weise in Beziehung, fühlt sich angenommen, aber auch provoziert, auf einem Weg, den er vielleicht auf lange Sicht doch nicht weitergehen will.
Fazit: Der Regisseur und Drehbuchautor Saïd Hamich Benlarbi erzählt mit epischem Atem vom Leben eines marokkanischen Migranten in Marseille. Von Abschiebung bedroht, ohne geregeltes Einkommen und von seiner Familie abgeschnitten, findet er Halt in einer nordafrikanischen Gemeinschaft. Seine Lage ändert sich, als er ein unkonventionelles französisches Ehepaar kennenlernt. Das Drama beobachtet facettenreich und berührend, wie der Hauptcharakter im Laufe der Jahre seine Zerrissenheit erlebt, lieben lernt und innerlich wächst.
Bianka Piringer
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Besetzung & Crew von "Zwischen uns das Meer"
Land: FrankreichWeitere Titel: Across the Sea
Jahr: 2024
Genre: Drama, Romantik
Originaltitel: La mer au loin
Länge: 112 Minuten
Kinostart: 23.04.2026
Regie: Saïd Hamich
Darsteller: Ayoub Gretaa als Nourredine Benmina, Anna Mouglalis als Noémie, Gregoire Colin als Serge Spiaggeri, Omar Boulakirba als Houcine, Rym Foglia als Fadela
Kamera: Tom Harari
Verleih: Immergutefilme






