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GOOD BOY - Wir wollen nur dein Bestes (2026)
Düsterer Gesellschaftsthriller über Fürsorge als Zwangssystem – inszeniert von Jan Komasa.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Der 19-jährige Tommy (Anson Boon) lebt schnell, laut und rücksichtslos. Gewaltvideos, Drogen und Provokation bestimmen seinen Alltag – bis er nach einer Nacht außer Kontrolle entführt wird. Sein Kidnapper Chris (Stephen Graham) und dessen Frau Kathryn (Andrea Riseborough) halten ihn in einem abgelegenen Haus gefangen.
Was zunächst wie ein klassischer Thriller beginnt, verschiebt sich bald: Tommy soll "umerzogen“ werden. Mit Regeln, Ritualen und psychologischer Kontrolle verwandelt sich seine Gefangenschaft in eine bizarre Mischung aus Familie, Therapie und Dressur. Während die Grenzen zwischen Zuneigung und Gewalt verschwimmen, stellt sich zunehmend die Frage, ob Tommy Opfer bleibt – oder sich freiwillig in diese neue Ordnung fügt.
Bildergalerie zum Film "GOOD BOY - Wir wollen nur dein Bestes"
Filmkritik
"Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes": Die Familie als Käfig
"Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes": Die Familie als Käfig Mit seinem neuen Film knüpft Jan Komasa thematisch an Werke wie "The Hater" oder der Oscar-nominierte "Corpus Christi" an: Wieder steht ein junger Mann im Zentrum, der moralisch schwer greifbar ist und in ein System gerät, das ihn formen will. Doch diesmal verlegt Komasa das Geschehen aus digitalen oder religiösen Räumen in das vermeintlich sicherste aller Systeme – die Familie. Der Einstieg ist bewusst überreizt: schnelle Schnitte, aggressive Bilder und eine Hauptfigur, die kaum Sympathien weckt. Tommy so einzuführen ist ein geschickter Schachzug. Denn wenn er später im Keller angekettet ist, wirkt diese plötzliche Ruhe nicht wie Entspannung, sondern wie ein beklemmender Stillstand. Die Inszenierung nutzt Räume klug: Tommys Bewegungsradius erweitert sich vom Keller auf das gesamte Haus – und wird so zur visuellen Skala von vermeintlichem Vertrauen und tatsächlicher Kontrolle.
Dabei erinnert das Szenario lose an Kubiricks "Uhrwerk Orange", allerdings ohne dessen grelle Überzeichnung. Komasa interessiert weniger die spektakuläre Gewalt als die schleichende Verschiebung von Machtverhältnissen. Auch Anklänge an Almodovars "Die Haut, in der ich wohne" sind spürbar, wenn das private Zuhause zum Labor für eine zutiefst fragwürdige "Transformation“ wird.
An die Klasse der oben genannten Filme kommt "Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes" jedoch nicht heran, was aber nicht am grandiosen Schauspielensemble liegt. Stephen Graham spielt Chris nicht als klassischen Bösewicht, sondern als Mann, dessen Fürsorge jederzeit in Dominanz kippen kann. Diese Ambivalenz macht die Figur unberechenbar. Andrea Riseborough verleiht Kathryn eine fragile Intensität, die zwischen Mitgefühl und Komplizenschaft oszilliert. Und Anson Boon gelingt es, Tommy vom abstoßenden Provokateur zu einer Figur zu entwickeln, deren Verletzlichkeit zumindest nachvollziehbar wird – ohne ihn zu entschuldigen.
Formal überzeugt der Film durch seine kontrollierte Bildsprache und das präzise Sounddesign. Alltägliche Geräusche werden zu unterschwelligen Bedrohungssignalen, während die Musik von Abel Korzeniowski eine fast märchenhafte Ebene einzieht, die dem Geschehen eine irritierende Sanftheit verleiht. Gerade diese Mischung aus Härte und emotionaler Nähe sorgt dafür, dass sich der Film nie eindeutig festlegen lässt. Das kulminiert schließlich am Ende des Films mit einer Entscheidung, die eine gewisse gesellschaftspolitische Rückwärtsbewegung hin zu einer autoritären wenn nicht sogar gewalttätigen Erziehungsmethode gelesen werden kann.
Fazit: "Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ ist ein bemerkenswert kontrollierter und eigenständiger Thriller über Macht, Familie und die dünne Linie zwischen Zuwendung und Zwang, der seine verstörenden Ideen nicht ausstellt, sondern ruhig entfaltet. Auch wenn er nicht frei von problematischen Untertönen ist, ist er gerade in seiner Ambivalenz sehenswert.
"Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes": Die Familie als Käfig Mit seinem neuen Film knüpft Jan Komasa thematisch an Werke wie "The Hater" oder der Oscar-nominierte "Corpus Christi" an: Wieder steht ein junger Mann im Zentrum, der moralisch schwer greifbar ist und in ein System gerät, das ihn formen will. Doch diesmal verlegt Komasa das Geschehen aus digitalen oder religiösen Räumen in das vermeintlich sicherste aller Systeme – die Familie. Der Einstieg ist bewusst überreizt: schnelle Schnitte, aggressive Bilder und eine Hauptfigur, die kaum Sympathien weckt. Tommy so einzuführen ist ein geschickter Schachzug. Denn wenn er später im Keller angekettet ist, wirkt diese plötzliche Ruhe nicht wie Entspannung, sondern wie ein beklemmender Stillstand. Die Inszenierung nutzt Räume klug: Tommys Bewegungsradius erweitert sich vom Keller auf das gesamte Haus – und wird so zur visuellen Skala von vermeintlichem Vertrauen und tatsächlicher Kontrolle.
Dabei erinnert das Szenario lose an Kubiricks "Uhrwerk Orange", allerdings ohne dessen grelle Überzeichnung. Komasa interessiert weniger die spektakuläre Gewalt als die schleichende Verschiebung von Machtverhältnissen. Auch Anklänge an Almodovars "Die Haut, in der ich wohne" sind spürbar, wenn das private Zuhause zum Labor für eine zutiefst fragwürdige "Transformation“ wird.
An die Klasse der oben genannten Filme kommt "Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes" jedoch nicht heran, was aber nicht am grandiosen Schauspielensemble liegt. Stephen Graham spielt Chris nicht als klassischen Bösewicht, sondern als Mann, dessen Fürsorge jederzeit in Dominanz kippen kann. Diese Ambivalenz macht die Figur unberechenbar. Andrea Riseborough verleiht Kathryn eine fragile Intensität, die zwischen Mitgefühl und Komplizenschaft oszilliert. Und Anson Boon gelingt es, Tommy vom abstoßenden Provokateur zu einer Figur zu entwickeln, deren Verletzlichkeit zumindest nachvollziehbar wird – ohne ihn zu entschuldigen.
Formal überzeugt der Film durch seine kontrollierte Bildsprache und das präzise Sounddesign. Alltägliche Geräusche werden zu unterschwelligen Bedrohungssignalen, während die Musik von Abel Korzeniowski eine fast märchenhafte Ebene einzieht, die dem Geschehen eine irritierende Sanftheit verleiht. Gerade diese Mischung aus Härte und emotionaler Nähe sorgt dafür, dass sich der Film nie eindeutig festlegen lässt. Das kulminiert schließlich am Ende des Films mit einer Entscheidung, die eine gewisse gesellschaftspolitische Rückwärtsbewegung hin zu einer autoritären wenn nicht sogar gewalttätigen Erziehungsmethode gelesen werden kann.
Fazit: "Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ ist ein bemerkenswert kontrollierter und eigenständiger Thriller über Macht, Familie und die dünne Linie zwischen Zuwendung und Zwang, der seine verstörenden Ideen nicht ausstellt, sondern ruhig entfaltet. Auch wenn er nicht frei von problematischen Untertönen ist, ist er gerade in seiner Ambivalenz sehenswert.
Markus Solty
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Besetzung & Crew von "GOOD BOY - Wir wollen nur dein Bestes"
Land: Polen, GroßbritannienJahr: 2026
Genre: Thriller, Drama
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 04.06.2026
Regie: Jan Komasa
Darsteller: Anson Boon, Stephen Graham, Andrea Riseborough, Kit Rakusen
Verleih: X Verleih






