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Ein Sommer in Italien (2026)
Deutscher Dokumentarfilm über den deutschen Titelgewinn bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in ItalienKritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Sommer 1990. In Italien findet die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Deutschland startet nach zwei Vize-Weltmeisterschaften in Folge als einer der Mit-Favoriten in das Turnier und bezieht im Castello di Casigglio am Comer See einen Monat lang ihr Quartier - bis zum Finale am 8. Juli 1990 in Rom. Dieser Weg, der schlussendlich zum dritten WM-Titel einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft führte, wird aus einer einer Kombination aus aktuellen Interviews mit ehemaligen Spielern des damaligen Kaders und Mitgliedern des Trainerstabs in chronologischer Reihenfolge gezeigt. Die Gespräche werden durch bislang unveröffentlichte Videoaufnahmen ergänzt, die Torwart Bodo Illgner während des Turniers mit einer eigenen Kamera festhielt. Hinzu kommen zuvor nicht gezeigte Bilder aus dem Archiv des Fußball-Weltverbands. Neben diesen Materialien gibt es natürlich Ausschnitte aus den Spielen der deutschen Mannschaft sowie zeitgenössische Fernsehinterviews und Hintergrundberichte aus dem Jahr 1990 zu sehen.
Bildergalerie zum Film "Ein Sommer in Italien"
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Filmkritik
“Ein Sommer in Italien – WM 1990“: Eine Heldengeschichte
Der Dokumentarfilm “Ein Sommer in Italien – WM 1990“ ist, bei aller Souveränität seiner Machart, vor allem eines: ein Werk der Erinnerung. Genauer gesagt, ein Film für jene Generation, die den deutschen Titelgewinn im Sommer 1990 nicht nur registriert, sondern erlebt hat – jene, die alt genug waren, um vor dem Fernseher mitzufiebern, zu zittern und schließlich zu jubeln. Ein Ü45-Film also, getragen von der suggestiven Kraft des Archivs.
Und dieses Archiv liefert. Wenn Andi Brehme im Finale gegen Argentinien zum Elfmeter anläuft, gegen Sergio Goycochea verwandelt und wenig später von der eigenen Emotion überwältigt wird, dann entfaltet sich jene seltene Mischung aus historischer Gewissheit und gegenwärtiger Ergriffenheit, die den Sport über sich hinaushebt. Selbst das sattsam bekannte Halbfinale gegen England bietet in der erneuten Sichtung des Elfmeterschießen noch einmal dramatische Spannung. Und auch auf die Bilder des Achtelfinals gegen die Niederlande mit Frank Rijkaards Spuckattacken gegen Rudi Völler wirken auch Jahrzehnte lassen den Zuschauer auch 35 Jahre später noch fassungslos zurück.
Wiedersehen macht Freude
Die Interviews mit den Protagonisten von einst setzen ganz auf die leise Melancholie des Wiedersehens. Es ist die Freude darüber, bekannte Gesichter erneut sprechen zu hören – und weniger präsente Figuren wie Paul Steiner, Raimund Aumann oder Hansi Pflügler überhaupt wiederzusehen. Die großen Namen jener Zeit – Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler – nehmen erwartungsgemäß breiten Raum ein. Dass nur vier der noch lebenden Spieler des Kaders fehlen, unterstreicht den Anspruch auf Vollständigkeit, den der Film durchaus einlöst. Aber natürlich fehlen mit Andi Brehme, Frank Mill und Teamchef Franz Beckenbauer drei wichtige Protagonisten. Und die Erinnerung der Mitspieler an die verstobenen Helden sorgt sicherlich für die eine oder andere Träne in den Augen hartgesottener Fußball-Fans.
Doch gerade hier beginnt auch seine Schwäche. Denn für den eingeweihten Fußballfreund bleibt der Erkenntnisgewinn überschaubar. Die ikonischen Bilder sind längst Teil des kollektiven Gedächtnisses, die angekündigten "nie zuvor gezeigten“ Videoaufnahmen von Bodo Illgner und Sepp Maier erweisen sich als randständig, beinahe belanglos. Auch die eingestreuten Archivinterviews aus dem Jahr 1990 bieten kaum Neues – sie sind eher Zitat als Entdeckung. Selbst Anekdoten wie jene, in der die Spieler die Rollen umkehren und Journalisten interviewen, gehören längst zum festen Repertoire der WM-Erzählung.
Die Ränder bleiben zu glatt
Die wenigen frischen Momente entstehen dort, wo Gegenwart und Vergangenheit ineinander greifen. Wenn Kalle Riedle und Andi Möller im Castello di Casiglio über bauliche Veränderungen sprechen, wenn Pierre Littbarski und Thomas Häßler über den Comer See gleiten oder Matthäus und Klinsmann ihr später belastetes Verhältnis vorsichtig streifen, blitzt für einen Augenblick jene Ambivalenz auf, die der Film ansonsten meidet. Matthäus’ Satz, “auf dem Platz passte kein Blatt zwischen uns“, wirkt dabei wie ein Echo aus einer Zeit, in der sportlicher Erfolg Differenzen überlagerte.
Über allem schwebt die Erzählung von Kameradschaft und Gemeinschaft, die letztlich im Titelgewinn kulminierte. Franz Beckenbauer erscheint als integrative Figur, als Architekt eines Teams, das mehr war als die Summe seiner Teile. Das ist stimmig erzählt, aber auch bemerkenswert ungebrochen. Kritische Untertöne bleiben Randerscheinung.
Verschenktes Potential
Und genau hier verschenkt der Film Potenzial. Die Regisseurinnen Vanessa Goll und Nadja Kölling entscheiden sich konsequent für die sichere Route der Heldenverehrung. Themen, die sich geradezu aufdrängen – etwa die Bedeutung des Triumphs für ein Land im Umbruch der Wiedervereinigung oder die Perspektive der Fans im damaligen Deutschland – werden allenfalls gestreift. Der Blick bleibt auf die Protagonisten gerichtet, nicht auf das Umfeld, das diesen Erfolg erst zu einem historischen Moment machte.
Und dass mit Thomas Berthold, der sich während der Coronapandemie durch seine Rolle in der Querdenker-Bewegung selbst ins Abseits manövriert hat, eine der Figuren des Kaders fehlt, mag formal erklärbar sein, wirkt aber symptomatisch: Reibung wird vermieden, Kontroverse ausgeklammert. So entsteht ein Film, der gefallen will – und gerade deshalb an Tiefe einbüßt.
Zuverlässige Gänsehautmomente
Am Ende bleibt “Ein Sommer in Italien – WM 1990“ ein sorgfältig komponiertes Erinnerungsstück. Für jene, die damals dabei waren, ist er ein Wiedersehen mit vertrauten Bildern und Stimmen, das zuverlässig Gänsehaut erzeugt. Für alle anderen bleibt er ein Zugang zu einem großen Moment der Fußballgeschichte – allerdings einer, der sich mehr auf das Nacherzählen als auf das Neuverstehen konzentriert.
Fazit: “Ein Sommer in Italien – WM 1990“ ist ein atmosphärisch dichter, handwerklich solider Dokumentarfilm, der vor allem von der Wucht seiner historischen Bilder und der Nostalgie seiner Protagonisten lebt. Für Zeitzeugen entfaltet er eine beträchtliche emotionale Sogkraft, während er jüngeren Zuschauern einen gefälligen Zugang zu einem der prägendsten Kapitel deutscher Fußballgeschichte bietet. Sein Verzicht auf neue Perspektiven, kritische Einordnung und gesellschaftliche Kontextualisierung verhindert jedoch, dass er über die Rolle eines wohligen Erinnerungsstücks hinauswächst. So bleibt am Ende ein Film, der berührt – aber kaum überrascht.
Der Dokumentarfilm “Ein Sommer in Italien – WM 1990“ ist, bei aller Souveränität seiner Machart, vor allem eines: ein Werk der Erinnerung. Genauer gesagt, ein Film für jene Generation, die den deutschen Titelgewinn im Sommer 1990 nicht nur registriert, sondern erlebt hat – jene, die alt genug waren, um vor dem Fernseher mitzufiebern, zu zittern und schließlich zu jubeln. Ein Ü45-Film also, getragen von der suggestiven Kraft des Archivs.
Und dieses Archiv liefert. Wenn Andi Brehme im Finale gegen Argentinien zum Elfmeter anläuft, gegen Sergio Goycochea verwandelt und wenig später von der eigenen Emotion überwältigt wird, dann entfaltet sich jene seltene Mischung aus historischer Gewissheit und gegenwärtiger Ergriffenheit, die den Sport über sich hinaushebt. Selbst das sattsam bekannte Halbfinale gegen England bietet in der erneuten Sichtung des Elfmeterschießen noch einmal dramatische Spannung. Und auch auf die Bilder des Achtelfinals gegen die Niederlande mit Frank Rijkaards Spuckattacken gegen Rudi Völler wirken auch Jahrzehnte lassen den Zuschauer auch 35 Jahre später noch fassungslos zurück.
Wiedersehen macht Freude
Die Interviews mit den Protagonisten von einst setzen ganz auf die leise Melancholie des Wiedersehens. Es ist die Freude darüber, bekannte Gesichter erneut sprechen zu hören – und weniger präsente Figuren wie Paul Steiner, Raimund Aumann oder Hansi Pflügler überhaupt wiederzusehen. Die großen Namen jener Zeit – Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler – nehmen erwartungsgemäß breiten Raum ein. Dass nur vier der noch lebenden Spieler des Kaders fehlen, unterstreicht den Anspruch auf Vollständigkeit, den der Film durchaus einlöst. Aber natürlich fehlen mit Andi Brehme, Frank Mill und Teamchef Franz Beckenbauer drei wichtige Protagonisten. Und die Erinnerung der Mitspieler an die verstobenen Helden sorgt sicherlich für die eine oder andere Träne in den Augen hartgesottener Fußball-Fans.
Doch gerade hier beginnt auch seine Schwäche. Denn für den eingeweihten Fußballfreund bleibt der Erkenntnisgewinn überschaubar. Die ikonischen Bilder sind längst Teil des kollektiven Gedächtnisses, die angekündigten "nie zuvor gezeigten“ Videoaufnahmen von Bodo Illgner und Sepp Maier erweisen sich als randständig, beinahe belanglos. Auch die eingestreuten Archivinterviews aus dem Jahr 1990 bieten kaum Neues – sie sind eher Zitat als Entdeckung. Selbst Anekdoten wie jene, in der die Spieler die Rollen umkehren und Journalisten interviewen, gehören längst zum festen Repertoire der WM-Erzählung.
Die Ränder bleiben zu glatt
Die wenigen frischen Momente entstehen dort, wo Gegenwart und Vergangenheit ineinander greifen. Wenn Kalle Riedle und Andi Möller im Castello di Casiglio über bauliche Veränderungen sprechen, wenn Pierre Littbarski und Thomas Häßler über den Comer See gleiten oder Matthäus und Klinsmann ihr später belastetes Verhältnis vorsichtig streifen, blitzt für einen Augenblick jene Ambivalenz auf, die der Film ansonsten meidet. Matthäus’ Satz, “auf dem Platz passte kein Blatt zwischen uns“, wirkt dabei wie ein Echo aus einer Zeit, in der sportlicher Erfolg Differenzen überlagerte.
Über allem schwebt die Erzählung von Kameradschaft und Gemeinschaft, die letztlich im Titelgewinn kulminierte. Franz Beckenbauer erscheint als integrative Figur, als Architekt eines Teams, das mehr war als die Summe seiner Teile. Das ist stimmig erzählt, aber auch bemerkenswert ungebrochen. Kritische Untertöne bleiben Randerscheinung.
Verschenktes Potential
Und genau hier verschenkt der Film Potenzial. Die Regisseurinnen Vanessa Goll und Nadja Kölling entscheiden sich konsequent für die sichere Route der Heldenverehrung. Themen, die sich geradezu aufdrängen – etwa die Bedeutung des Triumphs für ein Land im Umbruch der Wiedervereinigung oder die Perspektive der Fans im damaligen Deutschland – werden allenfalls gestreift. Der Blick bleibt auf die Protagonisten gerichtet, nicht auf das Umfeld, das diesen Erfolg erst zu einem historischen Moment machte.
Und dass mit Thomas Berthold, der sich während der Coronapandemie durch seine Rolle in der Querdenker-Bewegung selbst ins Abseits manövriert hat, eine der Figuren des Kaders fehlt, mag formal erklärbar sein, wirkt aber symptomatisch: Reibung wird vermieden, Kontroverse ausgeklammert. So entsteht ein Film, der gefallen will – und gerade deshalb an Tiefe einbüßt.
Zuverlässige Gänsehautmomente
Am Ende bleibt “Ein Sommer in Italien – WM 1990“ ein sorgfältig komponiertes Erinnerungsstück. Für jene, die damals dabei waren, ist er ein Wiedersehen mit vertrauten Bildern und Stimmen, das zuverlässig Gänsehaut erzeugt. Für alle anderen bleibt er ein Zugang zu einem großen Moment der Fußballgeschichte – allerdings einer, der sich mehr auf das Nacherzählen als auf das Neuverstehen konzentriert.
Fazit: “Ein Sommer in Italien – WM 1990“ ist ein atmosphärisch dichter, handwerklich solider Dokumentarfilm, der vor allem von der Wucht seiner historischen Bilder und der Nostalgie seiner Protagonisten lebt. Für Zeitzeugen entfaltet er eine beträchtliche emotionale Sogkraft, während er jüngeren Zuschauern einen gefälligen Zugang zu einem der prägendsten Kapitel deutscher Fußballgeschichte bietet. Sein Verzicht auf neue Perspektiven, kritische Einordnung und gesellschaftliche Kontextualisierung verhindert jedoch, dass er über die Rolle eines wohligen Erinnerungsstücks hinauswächst. So bleibt am Ende ein Film, der berührt – aber kaum überrascht.
Markus Solty
Besetzung & Crew von "Ein Sommer in Italien"
Land: DeutschlandJahr: 2026
Genre: Dokumentation
Länge: 93 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 19.03.2026
Verleih: Tobis Film





