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Ich war ein Zeuge (2025)
Dokumentarfilm über Aussteiger bei den Zeugen Jehovas.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Der Fotograf Andreas Reiner spricht mit Aussteigerinnen und Aussteigern der Zeugen Jehovas über ihre Erfahrungen innerhalb der Glaubensgemeinschaft. Auslöser für seine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema war ein Auftrag der Stuttgarter Zeitung, für die er eine ehemalige Angehörige porträtieren sollte. Die Schilderungen, die er dabei hörte, erschütterten ihn nachhaltig und bewegten ihn dazu, weitere Betroffene zu suchen und ihre Geschichten festzuhalten. Aus diesen Begegnungen entstand zunächst ein Fotoprojekt und schließlich der Film “Ich war ein Zeuge”. Darin berichten vier Personen von ihren Erlebnissen. Ihre Aussagen ähneln sich in vielen Punkten: Sie erzählen von Gewalt und den langfristigen psychischen Folgen – bis hin zu Suizidgedanken –, die ihre Zeit in der Gemeinschaft hinterlassen hat.
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Filmkritik
“Ich war ein Zeuge”: Erschütternde Berichte aus dem Inneren einer Gemeinschaft
Regisseur Günter Müller und Cutterin Monika Agler widmeten sich bereits in ihrem Film “Schattenkind” (2022) dem Fotografen Andreas Reiner. Damals stand vor allem seine Arbeit mit Menschen am Rand der Gesellschaft sowie seine eigene Biografie im Mittelpunkt. In ihrer neuen Zusammenarbeit "Ich war ein Zeuge“ dient erneut ein Projekt Reiners als Ausgangspunkt – diesmal rückt jedoch das Thema selbst stärker in den Fokus als die Person des Fotografen.
Reiner ist nur selten bei seiner fotografischen Arbeit zu sehen. Stattdessen zeigt ihn der Film vor allem im Gespräch mit seinen Protagonistinnen und Protagonisten – allesamt ehemalige oder noch aktive Mitglieder der Zeugen Jehovas. Was sie berichten, lässt kaum unberührt. Die Erzählungen handeln von Gewalt, die oft bereits in der Kindheit beginnt und innerhalb der Gemeinschaft toleriert oder ignoriert wird.
Eine der Betroffenen schildert sexuelle Übergriffe, die trotz Geständnis des Täters vor den Ältesten ohne Konsequenzen blieben. Ein anderer Protagonist berichtet von einer sogenannten Konversionstherapie, die ihn von seiner Homosexualität "heilen“ sollte. Auch die strukturelle Isolation wird thematisiert: Kontakte außerhalb der Gemeinschaft sind unerwünscht, nach einem Austritt folgt häufig der vollständige soziale Bruch. Selbst ein anonymisiertes, noch aktives Mitglied kommt zu Wort und beschreibt, warum ein Ausstieg für ihn derzeit nicht möglich ist.
Das Thema, das der Film behandelt, ist zweifellos von großer gesellschaftlicher Relevanz. Umso bedauerlicher ist es, dass die filmische Umsetzung nicht durchgehend überzeugt. Die Inszenierung wirkt stellenweise überhöht: Symbolische Naturbilder stehen in starkem Kontrast zu den traumatischen Schilderungen und laufen Gefahr, diese zu ästhetisieren oder gar zu verklären. Auch die Interviewführung – mitunter über die Schulter des Interviewers hinweg inszeniert – wirkt bewusst emotionalisierend.
Hinzu kommen wiederholte Einordnungen durch Reiner selbst, die das zuvor Gesagte zusammenfassen, ohne neue Perspektiven zu eröffnen. Diese Dopplungen mindern die Wirkung der eindringlichen Aussagen und erwecken den Eindruck einer unnötigen Selbstinszenierung.
So bleibt ein Film, der ein wichtiges und oft verdrängtes Thema sichtbar macht, sich aber in seiner formalen Gestaltung nicht immer auf die Stärke seiner Inhalte verlässt. Gerade deshalb wäre eine zurückhaltendere Inszenierung wünschenswert gewesen, die den Stimmen der Betroffenen noch mehr Raum gegeben hätte.
Fazit: “Ich war ein Zeuge” behandelt ein wichtiges Thema mit eindringlichen Aussagen der Betroffenen, schwächt seine Wirkung jedoch durch eine teils überinszenierte Form und unnötige Wiederholungen. Weniger Selbstinszenierung und mehr Vertrauen in die Geschichten hätten dem Film größere Kraft verliehen.
Regisseur Günter Müller und Cutterin Monika Agler widmeten sich bereits in ihrem Film “Schattenkind” (2022) dem Fotografen Andreas Reiner. Damals stand vor allem seine Arbeit mit Menschen am Rand der Gesellschaft sowie seine eigene Biografie im Mittelpunkt. In ihrer neuen Zusammenarbeit "Ich war ein Zeuge“ dient erneut ein Projekt Reiners als Ausgangspunkt – diesmal rückt jedoch das Thema selbst stärker in den Fokus als die Person des Fotografen.
Reiner ist nur selten bei seiner fotografischen Arbeit zu sehen. Stattdessen zeigt ihn der Film vor allem im Gespräch mit seinen Protagonistinnen und Protagonisten – allesamt ehemalige oder noch aktive Mitglieder der Zeugen Jehovas. Was sie berichten, lässt kaum unberührt. Die Erzählungen handeln von Gewalt, die oft bereits in der Kindheit beginnt und innerhalb der Gemeinschaft toleriert oder ignoriert wird.
Eine der Betroffenen schildert sexuelle Übergriffe, die trotz Geständnis des Täters vor den Ältesten ohne Konsequenzen blieben. Ein anderer Protagonist berichtet von einer sogenannten Konversionstherapie, die ihn von seiner Homosexualität "heilen“ sollte. Auch die strukturelle Isolation wird thematisiert: Kontakte außerhalb der Gemeinschaft sind unerwünscht, nach einem Austritt folgt häufig der vollständige soziale Bruch. Selbst ein anonymisiertes, noch aktives Mitglied kommt zu Wort und beschreibt, warum ein Ausstieg für ihn derzeit nicht möglich ist.
Das Thema, das der Film behandelt, ist zweifellos von großer gesellschaftlicher Relevanz. Umso bedauerlicher ist es, dass die filmische Umsetzung nicht durchgehend überzeugt. Die Inszenierung wirkt stellenweise überhöht: Symbolische Naturbilder stehen in starkem Kontrast zu den traumatischen Schilderungen und laufen Gefahr, diese zu ästhetisieren oder gar zu verklären. Auch die Interviewführung – mitunter über die Schulter des Interviewers hinweg inszeniert – wirkt bewusst emotionalisierend.
Hinzu kommen wiederholte Einordnungen durch Reiner selbst, die das zuvor Gesagte zusammenfassen, ohne neue Perspektiven zu eröffnen. Diese Dopplungen mindern die Wirkung der eindringlichen Aussagen und erwecken den Eindruck einer unnötigen Selbstinszenierung.
So bleibt ein Film, der ein wichtiges und oft verdrängtes Thema sichtbar macht, sich aber in seiner formalen Gestaltung nicht immer auf die Stärke seiner Inhalte verlässt. Gerade deshalb wäre eine zurückhaltendere Inszenierung wünschenswert gewesen, die den Stimmen der Betroffenen noch mehr Raum gegeben hätte.
Fazit: “Ich war ein Zeuge” behandelt ein wichtiges Thema mit eindringlichen Aussagen der Betroffenen, schwächt seine Wirkung jedoch durch eine teils überinszenierte Form und unnötige Wiederholungen. Weniger Selbstinszenierung und mehr Vertrauen in die Geschichten hätten dem Film größere Kraft verliehen.
Markus Solty
Besetzung & Crew von "Ich war ein Zeuge"
Land: DeutschlandJahr: 2025
Genre: Dokumentation
Kinostart: 26.03.2026
Regie: Günter Moritz
Darsteller: Andreas Reiner
Verleih: Der Filmverleih GmbH