oder

Die andere Seite (2026)

The Other Side

In diesem dystopischen Drama aus Deutschland schlägt sich Nina Hoss zunächst als ausgegrenzte Einzelkämpferin durch.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.5 / 5

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Hanna (Nina Hoss) ist krank, hat durch ihre Krankheit ihre Familie verloren und ist damit nicht die einzige. Ein tödliches Virus grassiert. Im Radio ist davon die Rede, dass die Lage im Süden Europas besser sei. Um keine weiteren Menschen mit dem tödlichen Virus anzustecken, hat sich Hanna in eine Waldhütte in den Alpen zurückgezogen. Doch selbst dort ist sie nicht vor dem Militär sicher, das alle Infizierten in Lager stecken will.

Von alten Bekannten verraten, macht sich Hanna notgedrungen auf den Weg nach Süden. Nahe eines abgeriegelten Grenzübergangs begegnet sie einer Person aus ihrer Vergangenheit. Die schwangere Lila (Precious Mariam Sanusi) arbeitete im Kindergarten, den Hannas Sohn vor seinem Tod besuchte. Hanna nimmt sich der Schwangeren an. Gemeinsam versuchen sie, an den Grenzposten vorbei über die Alpen zu gelangen.

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"Die andere Seite": Die Solidarität der Ausgegrenzten

Mariko Minoguchi liebt das Kino. "Kino ist wie die Chance, zwei Stunden Urlaub vom Leben zu nehmen", sagt die 1988 in München geborene Regisseurin. Witzigerweise sind die Drehbücher ihrer ersten zwei Kinofilme ausgerechnet im Urlaub entstanden. Das Skript zu ihrem sehenswerten Langfilmdebüt "Mein Ende. Dein Anfang." (2019) hat sie in Taiwan, das zu ihrem neuen Drama "Die andere Seite" auf Lanzarote geschrieben.

Spannend ist ihr Schreibprozess, denn Minoguchi beginnt nie mit der Handlung oder dem Thema eines Films, sondern mit Ideen für Szenen, aus denen sich erst im Nachhinein eine Handlung und ein übergeordnetes Thema ergeben. "Schreiben ist für mich wie Träumen", sagt sie. Vielleicht fühlen sich viele Szenen ihrer Filme gerade deshalb so an, als seien sie nur geträumt.

Eine Reise ins Ungewisse

"Ich begann mit Szene 1, ohne zu wissen, wo mich die Reise hinführt", beschreibt die Regisseurin die Arbeit am Drehbuch ihres jüngsten Films. Und so wie ihr ergeht es auch dem Publikum. Denn Minoguchi wirft die Zuschauenden mitten in die Handlung. Die von Nina Hoss gespielte Hanna häutet einen frisch erlegten Hasen, als sie ein herannahender Hund verscheucht. Dessen Herrchen ist nicht zu sehen, bedeutet aber offensichtlich eine Gefahr. Bei ihrer Flucht bergauf durch den Wald opfert Hanna ihre Beute, um den Hund loszuwerden, und verletzt sich am Bein. Zurück in ihrer Hütte näht sie die klaffende Fleischwunde schmerzverzerrt, aber versiert. Anscheinend hat sie das nicht zum ersten Mal gemacht.

Wer diese Frau ist, warum sie in einer Hütte im Wald ohne Strom und fließendes Wasser lebt und was ihre Ziele sind, erschließt sich erst sukzessive. Die post-pandemische Welt, in die Mariko Minoguchi das Kinopublikum entführt, ist glaubwürdig, weil sie nicht allzu weit von unserer eigenen Welt entfernt scheint. Obwohl Minoguchi durchaus für den Genrefilm empfänglich ist, was sie unter anderem als Co-Autorin von Tim Fehlbaums Science-Fiction-Thriller "Tides" (2021) bewiesen hat, ist sie in "Die andere Seite" mehr an den zwischenmenschlichen als an den genrespezifischen Aspekten einer Dystopie interessiert.

Aus sicherer Distanz

Im Kern geht es um die Frage, was eine (unfreiwillige) Isolation mit Menschen macht. Auf einer übergeordneten Ebene erzählt der Film von der Angst der Menschen vor dem Fremden und von der Solidarität unter Ausgegrenzten. Auf ihrer Reise auf die andere Seite der Alpen begegnet die von Nina Hoss gewohnt einnehmend gespielte Hanna nicht nur gesunden Menschen, die auf der anderen Seite stehen, sondern auch Infizierten wie ihr, die im selben Boot sitzen. In einer greisen Bergbäuerin (Barbara Petritsch), die die Welt mit pragmatischem Witz betrachtet, findet sie nach langer Zeit des Schweigens eine Gesprächspartnerin und in der schwangeren Lila (Precious Mariam Sanusi) eine Weggefährtin, bevor Hanna die irdische Welt verlässt und somit, wenn man so will, auch spirituell auf die andere Seite wechselt.

Dass Mariko Minoguchi ihren Film nicht nur konsequent aus Hannas Perspektive, sondern auch in den entscheidenden Nebenrollen aus rein weiblicher Sicht erzählt, ist eine große Stärke. Und die Bilder des Kameramanns Felix Pflieger (zuletzt: "Allegro Pastell") sind rau und atemberaubend, vor allem dann, wenn er Nina Hoss vor gewaltigen Naturkulissen in Szene setzt. Enttäuschend ist indessen, dass die Beziehungen der Frauen mit den grandiosen Landschaftsaufnahmen nicht mithalten können. Zwar ist es erfrischend zu sehen, dass sich die Ausgegrenzten in dieser Dystopie ausnahmsweise einmal nicht gegenseitig zerfleischen, sondern miteinander solidarisieren. In dieser von Paranoia durchzogenen Welt wahren Hanna und Co. aber stets einen gewissen Sicherheitsabstand, der es letzten Endes verhindert, dass aus den kühlen Figuren eine Wärme entspringt, die auch die Herzen des Kinopublikums erwärmt.

Fazit: In ihrem zweiten abendfüllenden Spielfilm wagt Mariko Minoguchi eine Spur mehr Genre als in ihrem gefeierten Debüt. Zwar ist das dystopische Drama "Die andere Seite" nicht ganz so gut wie das mit den Zeitebenen spielende Drama "Mein Ende. Dein Anfang." (2019), aber ebenfalls sehenswert. Die Bilder sind atemberaubend und Nina Hoss ist großartig. Auf diese Drehbuchautorin und Regisseurin sollte man auch in Zukunft achten.




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Besetzung & Crew von "Die andere Seite"

Land: Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Thriller, Drama, Abenteuer
Originaltitel: The Other Side
Länge: 106 Minuten
Kinostart: 22.10.2026
Darsteller: Nina Hoss, Barbara Petritsch, Mariam Sanusi
Verleih: X Verleih

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