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Gentle Monster (2026)

In ihrem neuen Drama setzt sich die Österreicherin Marie Kreutzer mit einem schwierigen Thema auseinander und konnte vor der Kamera dafür Léa Seydoux, Jella Haase, Laurence Rupp und Catherine Deneuve gewinnen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
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Die gefeierte Konzertpianistin Lucie (Léa Seydoux), die bei ihren Auftritten von Männern geschriebene Popsongs dekonstruiert, träumt seit Langem von einem ruhigen Leben auf dem Land. Als sie mit ihrem Mann Philip (Laurence Rupp), einem freischaffenden Filmemacher, und dem gemeinsamen Sohn schließlich in ein altes Haus mit großem Garten ins Münchner Umland zieht, wärt die Idylle nur kurz. Denn eines Morgens steht die Polizei in Gestalt der Sonderermittlerin Elsa (Jella Haase) vor der Tür. Der Verdacht gegen Philip lautet auf Besitz und Weitergabe von Kinderpornografie.

Die Erklärung die Philip und der von ihm engagierte, befreundete Anwalt präsentieren, wirkt wenig überzeugend. Lucie, die vorübergehend bei ihrer Mutter Eloise (Catherine Deneuve) unterkommt, weiß nicht, ob und was sie ihrem Mann glauben soll und ringt damit, die Fassade im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis aufrechterhalten. Derweil hat die Polizistin Elsa mit eigenen familiären Problemen zu kämpfen: Ihr dementer Vater (Sylvester Groth) wird gegenüber seiner Pflegerin sexuell übergriffig.

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"Gentle Monster": Der Feind in meinem Bett?

Marie Kreutzer, im Kino zuletzt mit "Corsage" (2022) zu sehen, einer erfrischenden Neuinterpretation der Nationalikone Elisabeth von Österreich (1837–1898), die den Sissi-Mythos entkitscht, packt in ihrem nächsten Film ein Tabuthema an. Denn ungeachtet der gesellschaftlichen Dimension und politischen Dringlichkeit fristen Filme über Pädokriminalität nach wie vor ein Nischendasein. Angesichts des heiklen Themas, dessen filmische Umsetzung besonders viel Fingerspitzengefühl verlangt, ist das aber auch nicht verwunderlich.

Auffällig ist: Die im deutschen Sprachraum bzw. mit deutschem und österreichischem Fördergeld entstandenen Filme aus der jüngeren Vergangenheit wie "Die Hände meiner Mutter" (2016), "Kopfplatzen" (2019), "Nicht dein Mädchen" (2019) oder "Sparta" (2023) von Kreutzers Landsmann Ulrich Seidl nehmen (vornehmlich) die Perspektiven der Täter und/oder der Opfer ein. Kreutzer hat sich in "Gentle Monster" hingegen für zwei andere und zudem weibliche Perspektiven entschieden. Im Zentrum ihres Dramas stehen eine von Léa Seydoux gespielte Mutter und eine von Jella Haase verkörperte Kriminalpolizistin.

Perspektivwechsel mit persönlichem Hintergrund

Dieser Perspektivwechsel ist ein echter Zugewinn. Auf der Handlungsebene des von Kreutzer selbst verfassten Drehbuchs wird er von einer clever angelegten Parallele im Leben der beiden Frauen begleitet: Während Seydoux' Musikerin Lucie mit dem Verhalten ihres Ehemanns hadert und sich die Frage stellen muss, wie weit ihre unfreiwillige Komplizenschaft reicht, übertritt Haases Sonderermittlerin Elsa im Umgang mit ihrem übergriffigen Vater selbst Grenzen und wird durch die Verharmlosung seines Verhaltens quasi zur Mittäterin. In seiner Komplexität der Figuren ist das überzeugend geschrieben und von Léa Seydoux und Jella Haase umwerfend gespielt.

Der Ausgangspunkt für "Gentle Monster" war eine Reportage in der Wochenzeitung Die Zeit über einen von der Polizei gesprengten Ring von Pädokriminellen, der in Kreutzer das Gefühl auslöste, etwas unternehmen zu müssen. "Und was kann ich tun?", hat sich die österreichische Filmemacherin daraufhin gefragt. Die Antwort: "Ich kann eine Geschichte erzählen, weil ich das beruflich mache." Das erste Treatment und eine daraus erfolgte Drehbuchförderung standen bereits, als "Corsage" gerade erst fertiggestellt wurde. Rund um die Premiere ihres modernisierten Historiendramas wurde Marie Kreutzer dann von der Realität eingeholt. Florian Teichtmeister, der Kaiser Franz Joseph I. spielt, wurde im Jahr 2023 wegen des Besitzes und der Herstellung pornografischer Darstellungen Minderjähriger verurteilt. Marie Kreutzer dachte zunächst daran, "Gentle Monster" zu begraben, bis sich bei ihr die Erkenntnis durchsetzte, "dass ich gerade deswegen diesen Film erst recht machen muss und will".

Viel Grau statt Schwarz-Weiß

Wie bereits "Corsage" feierte auch "Gentle Monster" bei den Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Weltpremiere – und schaffte es sogar in den Wettbewerb um die Goldene Palme (die Christian Mungius "Fjord" gewann). Was der Film gut macht, ist, dass er es sich und seinem Publikum nicht leicht macht. Eine klare Unterteilung in Gut und Böse, die angesichts des Themas naheläge, liegt Marie Kreutzer fern. Denn die Realität ist viel komplizierter. Wie im wahren Leben und in echten Kriminalfällen auf diesem Gebiet, die Kreutzer akribisch recherchiert hat, sind die Grenzen fließend, ist das menschliche Verhalten von Herkunft, Sozialisation, Umständen, Abhängigkeiten und nicht zuletzt den eigenen Gefühlen geprägt, die viele Handlungen nicht rational erscheinen lassen. Statt eines für das Kinopublikum einfach zu unterscheidenden Schwarz-Weiß-Kontrasts liefert "Gentle Monster" viele Graustufen.

Dieser Realismus bzw. "Naturalismus", als den Kreutzer den Inszenierungsstil ihres Dramas bezeichnet, geht allerdings auf Kosten der Dramaturgie. Denn an einigen Stellen hätte die Handlung mehr Zuspitzung vertragen; hätte eine Forcierung der Dilemmata, in die sich die Figuren teils unverschuldet, teils sehenden Auges manövrieren, den Film noch wuchtiger gemacht.

Fazit: Der fünfte abendfüllende Spielfilm von Marie Kreutzer ("Die Vaterlosen", "Corsage") wagt sich an ein Tabuthema. "Gentle Monster" ist ein komplex geschriebenes, ruhig erzähltes und realistisch inszeniertes Drama, in dem die brillant aufspielende Léa Seydoux in ihrer Rolle als Musikerin von der Sorge um ihren Sohn und der Ungewissheit über die Schuld oder Unschuld ihres Ehemanns umgetrieben wird. Ein stiller Film, der an der inneren Verfasstheit seines Publikums nagt.




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Besetzung & Crew von "Gentle Monster"

Land: Österreich, Deutschland, Frankreich, Schweden
Jahr: 2026
Genre: Thriller, Drama
Länge: 114 Minuten
Kinostart: 17.09.2026
Darsteller: Léa Seydoux, Catherine Deneuve, Jella Haase, Sylvester Groth, Laurence Rupp
Verleih: Alamode Film

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