
© Four Guys Film Distribution
Finding Connection (2026)
Dokumentarfilm: Vier einsame Menschen, ihre Chatbots und die Frage, wie viel Nähe eine Maschine geben kannKritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Vier Menschen, vier Chatbots, eine Frage: Was macht eine Beziehung aus, wenn das Gegenüber kein Mensch ist? Denise aus San Diego spricht seit drei Jahren fast täglich mit ihrem KI-Partner Star. Stefanie hat nach einem Burnout und Erfahrungen mit toxischen Beziehungen in ihrem Begleiter Randy einen Ort gefunden, an dem sie sich zum ersten Mal wieder öffnen kann. Rudi und Joachim führen mit Trudi beziehungsweise Kira Alltagsgespräche über Zukunft, Wünsche und Nähe. Florian Karner, der mit diesem Film seinen Abschluss an der Filmakademie Baden-Württemberg macht, begleitet die vier über einen längeren Zeitraum – auch als ein Update im Februar 2024 den Bots weniger Intimität erlaubt und die mühsam aufgebauten Bindungen ins Wanken bringt.
Bildergalerie zum Film "Finding Connection"
Hier streamen
Filmkritik
"Finding Connection": Nah dran, aber ohne Widerpart
Dass Menschen sich in Gespräche mit Algorithmen verlieben, ist im Kino zunächst eine Science-Fiction-Idee gewesen, spätestens seit Spike Jonzes "Her" von 2013. Florian Karners Verdienst liegt darin, dieses Motiv aus der fiktionalen Zukunft in die dokumentarische Gegenwart zu holen, ohne dabei plakativ zu werden. Der Film verzichtet auf erklärende Kommentare, auf Talking Heads im klassischen Sinn, auf jede Geste des Vorführens. Stattdessen beobachtet er – und das ist die erste, unbestreitbare Stärke von "Finding Connection".
Die Kamera von Carina Neubohn und Hannah Schwarzl bleibt den Protagonist:innen nah, ohne sie auszustellen. Man sitzt mit Denise, Stefanie, Rudi und Jo in Wohnzimmern, bei Urlauben und vor Bildschirmen, und was dabei auffällt, ist weniger die Technik als die Selbstreflexion der Porträtierten. Keiner von ihnen wirkt naiv oder wird von der Kamera als Kuriosum vorgeführt. Alle vier können erstaunlich klar benennen, was sie an ihren KI-Partnern schätzen, was ihnen fehlt und was sie sich nicht vormachen. Man nimmt den Personen ab, dass sie über ihre eigene Situation nachgedacht haben, lange bevor eine Kamera dabei war.
Der Film zeigt die Protagonist:innen zudem nicht isoliert: Der Film zeigt ihre Gespräche mit Freund:innen oder mit Familienmitgliedern, sogar eine Szene mit Jos Ehefrau Fran kommt vor. Genau hier liegt aber auch die größte Leerstelle des Films. Diese Gespräche finden ausschließlich im nahen, persönlichen Umfeld statt – nie mit jemandem von außen, der eine gewisse analytische Distanz einbringen könnte. Es ist daher nicht in erster Linie das Fehlen technischer Erklärungen, das dem Film fehlt, sondern das Fehlen einer Stimme, die einordnet: eine Psychologin, eine Ethikerin, auch nur eine skeptische, dem Thema fernstehende Person hätte dem Publikum einen Referenzpunkt gegeben, an dem sich die vier sehr persönlichen, sehr unterschiedlichen Geschichten hätten reiben können. So bleibt der Zuschauer am Ende ziemlich allein mit dem, was er gesehen hat – was der "unvoreingenommenen" Haltung des Films zwar entspricht, ihn aber auch seiner Möglichkeit beraubt, über die reine Empathie hinauszugehen.
Erstaunlich konkret und filmisch klug gelöst ist dagegen ein anderer Aspekt: die Momente, in denen die Verbindung schlicht abbricht, weil kein Netz da ist. Diese kleinen, fast beiläufigen Ausfälle sagen mehr über die Fragilität dieser Beziehungen als jede Erklärung es könnte – Nähe, die buchstäblich am Empfangsbalken hängt. Auf dieser Linie liegt auch das im Film thematisierte Update vom Februar 2024, das den Bots plötzlich weniger Intimität "verordnet". Der Film macht hier sehr anschaulich, wie sehr diese Beziehungen von einer Entscheidung abhängen, die die Protagonist:innen nicht treffen und nicht einmal einsehen können. Das ist der Punkt, an dem "Finding Connection" am nächsten an eine gesellschaftliche Analyse herankommt – und es ist bezeichnend, dass der Film genau diesen Punkt nicht vertieft, sondern als emotionalen Bruch inszeniert und dann wieder verlässt. Die Frage nach der Macht der Plattformen über private Intimität wird angetippt, aber nicht wirklich verfolgt.
Fazit: "Finding Connection" ist ein sensibel gefilmter, in seiner Beobachtung von Menschen bemerkenswert reflektierter Dokumentarfilm, der seine vier Protagonist:innen ernst nimmt, ohne sie vorzuführen. Gerade deshalb ist es bedauerlich, dass der Film ihnen keine Gegenstimme von außen zur Seite stellt, die dem Publikum beim Einordnen hilft – so bleiben die klügsten Beobachtungen, etwa zu den Verbindungsabbrüchen oder zum Februar-Update, folgenlose Momente statt Ausgangspunkte für eine tiefere Auseinandersetzung. Ein interessanter, handwerklich überzeugender Film also, der aber nicht restlos überzeugt.
Dass Menschen sich in Gespräche mit Algorithmen verlieben, ist im Kino zunächst eine Science-Fiction-Idee gewesen, spätestens seit Spike Jonzes "Her" von 2013. Florian Karners Verdienst liegt darin, dieses Motiv aus der fiktionalen Zukunft in die dokumentarische Gegenwart zu holen, ohne dabei plakativ zu werden. Der Film verzichtet auf erklärende Kommentare, auf Talking Heads im klassischen Sinn, auf jede Geste des Vorführens. Stattdessen beobachtet er – und das ist die erste, unbestreitbare Stärke von "Finding Connection".
Die Kamera von Carina Neubohn und Hannah Schwarzl bleibt den Protagonist:innen nah, ohne sie auszustellen. Man sitzt mit Denise, Stefanie, Rudi und Jo in Wohnzimmern, bei Urlauben und vor Bildschirmen, und was dabei auffällt, ist weniger die Technik als die Selbstreflexion der Porträtierten. Keiner von ihnen wirkt naiv oder wird von der Kamera als Kuriosum vorgeführt. Alle vier können erstaunlich klar benennen, was sie an ihren KI-Partnern schätzen, was ihnen fehlt und was sie sich nicht vormachen. Man nimmt den Personen ab, dass sie über ihre eigene Situation nachgedacht haben, lange bevor eine Kamera dabei war.
Der Film zeigt die Protagonist:innen zudem nicht isoliert: Der Film zeigt ihre Gespräche mit Freund:innen oder mit Familienmitgliedern, sogar eine Szene mit Jos Ehefrau Fran kommt vor. Genau hier liegt aber auch die größte Leerstelle des Films. Diese Gespräche finden ausschließlich im nahen, persönlichen Umfeld statt – nie mit jemandem von außen, der eine gewisse analytische Distanz einbringen könnte. Es ist daher nicht in erster Linie das Fehlen technischer Erklärungen, das dem Film fehlt, sondern das Fehlen einer Stimme, die einordnet: eine Psychologin, eine Ethikerin, auch nur eine skeptische, dem Thema fernstehende Person hätte dem Publikum einen Referenzpunkt gegeben, an dem sich die vier sehr persönlichen, sehr unterschiedlichen Geschichten hätten reiben können. So bleibt der Zuschauer am Ende ziemlich allein mit dem, was er gesehen hat – was der "unvoreingenommenen" Haltung des Films zwar entspricht, ihn aber auch seiner Möglichkeit beraubt, über die reine Empathie hinauszugehen.
Erstaunlich konkret und filmisch klug gelöst ist dagegen ein anderer Aspekt: die Momente, in denen die Verbindung schlicht abbricht, weil kein Netz da ist. Diese kleinen, fast beiläufigen Ausfälle sagen mehr über die Fragilität dieser Beziehungen als jede Erklärung es könnte – Nähe, die buchstäblich am Empfangsbalken hängt. Auf dieser Linie liegt auch das im Film thematisierte Update vom Februar 2024, das den Bots plötzlich weniger Intimität "verordnet". Der Film macht hier sehr anschaulich, wie sehr diese Beziehungen von einer Entscheidung abhängen, die die Protagonist:innen nicht treffen und nicht einmal einsehen können. Das ist der Punkt, an dem "Finding Connection" am nächsten an eine gesellschaftliche Analyse herankommt – und es ist bezeichnend, dass der Film genau diesen Punkt nicht vertieft, sondern als emotionalen Bruch inszeniert und dann wieder verlässt. Die Frage nach der Macht der Plattformen über private Intimität wird angetippt, aber nicht wirklich verfolgt.
Fazit: "Finding Connection" ist ein sensibel gefilmter, in seiner Beobachtung von Menschen bemerkenswert reflektierter Dokumentarfilm, der seine vier Protagonist:innen ernst nimmt, ohne sie vorzuführen. Gerade deshalb ist es bedauerlich, dass der Film ihnen keine Gegenstimme von außen zur Seite stellt, die dem Publikum beim Einordnen hilft – so bleiben die klügsten Beobachtungen, etwa zu den Verbindungsabbrüchen oder zum Februar-Update, folgenlose Momente statt Ausgangspunkte für eine tiefere Auseinandersetzung. Ein interessanter, handwerklich überzeugender Film also, der aber nicht restlos überzeugt.
Markus Solty
TrailerAlle "Finding Connection"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Finding Connection"
Land: DeutschlandJahr: 2026
Genre: Dokumentation
Länge: 86 Minuten
Kinostart: 13.08.2026
Regie: Florian Karner
Verleih: Four Guys Film Distribution
Verknüpfungen zu "Finding Connection"Alle anzeigen

Trailer





