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Hirten (2024)

Bergers

Kanadisch-französische Adaption: Die Frankokanadierin Sophie Deraspe hat den Debütroman ihres Landsmanns Mathyas Lefebure verfilmt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.0 / 5

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Mathyas (Félix-Antoine Duval) steigt aus. Er hängt seinen Job im kanadischen Montreal an den Nagel, um Schäfer in der Provence zu werden und mehr Zeit fürs Schreiben zu haben. Doch die Realität erweist sich als härter, als es die romantische Vorstellung versprach, die sich Mathyas aus Büchern angelesen hat.

Mathyas geht beim Schafzüchter Gérard Tellier (Bruno Raffaelli) und dessen Frau Agnès (Véronique Ruggia) in die Lehre, auf deren heruntergewirtschaftetem Hof er in einer abbruchreifen Baracke haust. Der bei Tellier beschäftigte Schafhirte Ahmed (Michel Benizri) ist sein einziger Ansprechpartner. Eine Brieffreundschaft mit der Zufallsbekanntschaft Elise (Solène Rigot) hält seine Stimmung aufrecht.

Als Elise ihren Job als Verwaltungsbeamtin hinschmeißt, um sich an Mathyas' Seite als Hirtin zu versuchen, wird das ungleiche Paar vor neue Herausforderungen gestellt. Im Auftrag der Züchterin Cécile Espriroux (Guilaine Londez) sollen sie eine Herde von 800 Schafen den Sommer über auf einer Alm in den Provenzalischen Alpen hüten.

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"Hirten": Ausstieg mit Hindernissen

Mathyas (Félix-Antoine Duval) fällt auf. Schon sein fremder Akzent sticht heraus; selbst in der tiefsten Provence, deren eigener, dicker und schwerer Zungenschlag kaum weiter von dem in Paris gesprochenen Französisch entfernt sein könnte. Durch die Welt der Landwirte, Schafzüchter und Hirten, in die der Frankokanadier eintauchen möchte, bewegt sich der schlanke, feingliedrige Mann stets eine Nuance zu elegant. Sein Gesicht wirkt zu zart und zerbrechlich für den harten Alltag, in den er sich dennoch unerschrocken stürzt.

Dem Bruch mit seinem alten Leben war ein Absturz vorausgegangen. Von seiner Tätigkeit als Werbetexter in Montreal ausgebrannt, war Mathyas in der Hoffnung nach Südfrankreich gereist, ein naturverbundenes Leben abseits der Hektik der Großstadt führen zu können. Während er dem Kinopublikum seine Beweggründe über eine Voice-over-Erzählung vermittelt, setzt ihn die Regisseurin Sophie Deraspe rund um das Amphitheater in Arles im warmen Sonnenlicht poetisch in Szene. Doch bereits in diesen ersten Filmminuten mischt sich ein Schockmoment in die vermeintliche Idylle, als Mathyas, von der Situation überfordert und von seinen Gefühlen überwältigt, ohnmächtig vom Stuhl eines Straßencafés sinkt. Diese Szene ist exemplarisch, denn Deraspe blickt nicht durch eine rosarote Brille, sondern realistisch auf das Leben eines Hirten.

Landschaftsbild mit Schafen

"Hirten" basiert auf dem Roman "D'où viens tu, berger ?" (deutsch: "Woher kommst du, Hirte?"). Mathyas Lefebure, der 2004 von Kanada in die Provence zog, um Schäfer zu werden, hat diese fiktionalisierte Lebensgeschichte 2007 veröffentlicht. "Ich habe Mathyas' Erzählung in einem Zug gelesen", zeigt sich Sophie Deraspe von der Vorlage für ihren Film begeistert. "Es ist der Werdegang eines Intellektuellen, der mit Worten und Bruchteilen von Gelehrsamkeit umgeht und dabei enorm viel Selbstironie an den Tag legt – sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber der Welt, die ihn umgibt." Zwar habe sie versucht, so viel wie möglich davon in ihrem Film umzusetzen, sagt Deraspe, aber je weiter die Arbeit vorangeschritten sei, desto mehr habe das Drehbuch eine eigene Richtung eingeschlagen.

Dazu zählt eine Liebesgeschichte, die der Film dem Protagonisten andichtet. In einem der witzigsten und zugleich charmantesten Flirts, die man seit langer Zeit auf der großen Leinwand gesehen hat, lernt der von Félix-Antoine Duval verkörperte Mathyas die von Solène Rigot gespielte Verwaltungsbeamtin Elise kennen, die wenig später ihre sichere Stelle an den Nagel hängt und gegen die Ungewissheit des Lebens als Schäferin eintauscht. Doch auch in diesem Fall bleibt die Geschichte geerdet. Trotz aller eingestreuter Romantik verklärt Sophie Deraspe das Dasein als Schafhirte nicht. Die Bilder des Kameramanns Vincent Gonneville mögen noch so betörend, die symphonische Musik des Komponisten Philippe Brault mag noch so erhaben sein, "Hirten" gerät dennoch nie zur filmischen Schäferromantik.

Keine Schäferromantik

Das liegt zum einen an der Handlung selbst und zum anderen daran, dass Sophie Deraspe neben einer Handvoll professioneller Schauspieler mit vielen Laien gedreht hat, die vom Fach sind und sich mehr oder minder selbst spielen. Wodurch das ohnehin schon entbehrungsreiche Leben als Schafhirte einen weiteren realistischen Anstrich erhält. Die Sehnsucht, aus der Hektik unseres Alltags auszubrechen, bedient das Drama seltsamerweise trotzdem.

Nach "Antigone" (2019) ist "Hirten" bereits zweite Film der 1973 geborenen Regisseurin, der beim Toronto International Film Festival als bester kanadischer Film ausgezeichnet wurde. Es ist ein Film über zwei Aussteiger, die es auch dann noch ernst meinen, als sich ihre Flucht in die Natur völlig anders gestaltet als erhofft. Und gerade das macht ihn so sehenswert.

Fazit: Die Kanadierin Sophie Deraspe hat den autofiktionalen Debütroman ihres Landsmanns Mathyas Lefebure verfilmt. Herausgekommen ist ein überzeugendes Drama über zwei von ihrer Sache überzeugte Aussteiger, das die Sehnsucht nach der Naturverbundenheit der Menschen bedient und dennoch keine bukolische Verklärung liefert.




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Besetzung & Crew von "Hirten"

Land: Kanada, Frankreich
Weitere Titel: Shepherds
Jahr: 2024
Genre: Drama
Originaltitel: Bergers
Länge: 113 Minuten
Kinostart: 10.09.2026
Darsteller: Félix-Antoine Duval, Jean-Claude Baudracco, Luc Palun, Patrice Deguilhem, Younes Boucif
Verleih: Film Kino Text

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