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Iván & Hadoum (2026)
Spanisches Drama über eine vermeintlich unmögliche Liebe.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Die südspanische Provinz Almería gilt als Zentrum des europäischen Gemüseanbaus. Hier arbeitet Iván (Silver Chicón) in einem Betrieb, den sein verstorbener Vater einst mit dem jetzigen Besitzer Manuel (Nico Montoya) gegründet hatte. Iván lebt mit seiner Mutter, seiner Schwester Carmen (Esperanza Guardado), die in der Pflege arbeitet, und deren zwei Kindern unter einem Dach. Um ihnen ein besseres Leben und eine größere Wohnung zu ermöglichen, hofft Iván auf eine Beförderung. Doch Manuel hält ihn hin. Nicht zuletzt deshalb, weil der Verkauf einer Lagerhalle ansteht und ein Teil des Personals entlassen werden muss, um den Betrieb am Leben zu erhalten.
Als Hadoum (Herminia Loh), mit der Iván die Schule besuchte, nach Jahren der Wanderschaft als Saisonarbeiterin in ihren Heimatort zurückkehrt und im selben Betrieb anheuert, gerät Iváns Leben durcheinander. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie, obwohl er weiß, dass sie nur so lange bleiben will, bis sie genug Geld gespart hat, um weiterzureisen. Ihr kurzes Intermezzo hält Hadoum wiederum nicht davon ab, aktiv in den Arbeitskampf einzusteigen. Als sie beginnt, die Arbeiterinnen in Manuels Fabrik zu organisieren, geraten ihre und Iváns Interessen in Konflikt.
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Filmkritik
"Iván & Hadoum": In den (Über-)Gängen
Dass die Liebe an den scheinbar unromantischsten Orten sprießen und wie poetisch eine Fahrt mit dem Gabelstapler sein kann, das hat der deutsche Regisseur Thomas Stuber vor ein paar Jahren mit seinem Drama "In den Gängen" (2018) bewiesen. Der Schauplatz war ein Großmarkt mit seinen meterhohen Regalen. Zwischen diesen kamen sich Franz Rogowski und Sandra Hüller näher, was das Publikum und die internationale Presse der 68. Berlinale verzückte, wo der Film im Wettbewerb um einen Goldenen Bären konkurrierte.
Die Welt, in die der spanische Regisseur Ian de la Rosa sein Publikum entführt, ist dem nicht unähnlich: zwar kein ostdeutscher Großmarkt, aber eine südspanische Gemüseplantage mit meterhohen Lager- und Verpackungshallen. Hier kommen sich Silver Chicón und Herminia Loh näher und auch sie, die das titelgebende Paar spielen, wagen eine gemeinsame Fahrt auf einem Gabelstapler. Was das Publikum und die internationale Presse der 76. Berlinale verzückte. Zwar schaffte es das Liebesdrama nicht in den Wettbewerb um den Goldenen Bären, dafür nahm es den Teddy Award für den besten Spielfilm mit nach Hause.
Trügerische erste Blicke
Der Teddy Award ist der queere Filmpreis der Berlinale und wird seit 1987 verliehen, was ihn zum ersten offiziellen LGBTIQ-Filmpreis eines A-Filmfestivals macht. Und hier wird es interessant, denn auf den ersten Blick sieht die Beziehung zwischen Iván (Silver Chicón) und Hadoum (Herminia Loh) heteronormativ aus. Er ist ein spanischer Mann, der nach dem frühen Tod seines Vaters gemeinsam mit seiner Schwester einen Großteil dazu beitrug, die Familie über Wasser zu halten. Sie ist eine spanische Frau mit marokkanischen Wurzeln, die nach Jahren der Wanderschaft in ihren Heimatort zurückkehrt und in dem Großbetrieb anheuert, in dem Iván aufzusteigen versucht. Die beiden kennen sich von früher, besuchten als Kinder die Parallelklasse. Zwischen Tomaten-, Gurken- und Auberginenkisten tauschen sie vorsichtige erste Blicke.
Besagter erster Blick auf das angehende Paar lässt also zunächst andere Konflikte vermuten: familiäre, berufliche, religiöse. Und tatsächlich spielen all diese Minenfelder in der fortschreitenden Handlung ebenfalls eine Rolle. Iváns intimster Konflikt ist jedoch ein anderer, innerer, der offenbar wird, als ihn ein Kneipenwirt, der sich zuvor schon gegenüber Hadoum abfällig äußerte, als "Zwitter" beschimpft. Als Iván Hadoums Parallelklasse besuchte, war er noch ein Mädchen. Heute ist er ein selbstbewusster trans Mann, dessen Transition – wie sich später in der Handlung herausstellt – noch nicht abgeschlossen ist. Weil dieser Umstand aber weder zu Hause im Familienkreis noch am Arbeitsplatz oder auf dem Fußballfeld eine Rolle spielt, bleibt er zunächst auch dem Kinopublikum verborgen.
Gute Zeiten, schlechte Seiten
Ian de la Rosa ist selbst ein trans Mann und war erst in der Lage, diesen Film zu schreiben und zu drehen, als er seine Transition abgeschlossen hatte. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Handlung konfliktgeladen beginnen zu lassen mit einem Protagonisten im Zentrum, der aufgrund seiner Geschlechtlichkeit von der eigenen Familie bis ins Berufsleben hinein abgelehnt und angefeindet wird. Der Regisseur wollte stattdessen "eine Liebesgeschichte erzählen, mit der ich mich selbst identifizieren kann und die zugleich das Publikum dazu einlädt, sich wieder zu verlieben." Das ist ihm meisterhaft gelungen.
"Iván & Hadoum" zeigt, dass unsere Gesellschaft weiter ist, als wir oft selbst befürchten, blendet die Kehrseite aber nicht aus. Denn dieses Liebesdrama zeigt auch, dass sich die Diskriminierung, dort wo sie weiterhin leise, still und heimlich gedeiht, einfach nur anders kleidet: Statt körperlicher oder verbaler Gewalt schlagen Iván (und Hadoum) hinter vorgehaltener Hand oder durch die Blume geäußerte Mikroaggressionen entgegen. Dadurch dass sich der Regisseur aber nicht auf die Transidentität seines Protagonisten versteift, bleibt ihm die Möglichkeit, seinen Blick auf eines der wichtigsten Problemfelder unserer Gegenwart zu richten: Klassenunterschiede und die damit einhergehenden prekären Arbeitsverhältnisse.
Nonkonformismus als großes Glück
Letzten Endes ist es also weder Iváns Transition noch Hadoums Herkunft, sondern der Klassenkampf, an dem ihre noch frische Beziehung zu scheitern droht. Doch zu Iváns großem Glück – und zu dem des Kinopublikums – begegnet ihm mit Hadoum eine ebenso unkonventionelle Person. Wie toll diese beiden Hauptfiguren geschrieben sind! Und wie umwerfend die zwei Novizen Silver Chicón und Herminia Loh sie in ihrem allerersten Kinoauftritt auf die Leinwand werfen!
Unter der brennenden Sonne Andalusiens, deren schroffe Schönheit die Kamera von Beatriz Sastre perfekt einfängt, entfaltet sich so ganz gemächlich, zärtlich und zwischendurch auch mal ungestüm einer der besten Liebesfilme des Jahres.
Fazit: Einer der schönsten und ungewöhnlichsten Liebesfilme des Jahres stammt aus Spanien. In "Iván & Hadoum" reicht der Klassenkampf bis in die Beziehung hinein. Unter der brennenden Sonne Andalusiens gefilmt, kommen unter der Regie von Ian de la Rosa zum kalten Jahresausklang noch einmal ordentlich Feuer und Wärme in den Kinosaal.
Dass die Liebe an den scheinbar unromantischsten Orten sprießen und wie poetisch eine Fahrt mit dem Gabelstapler sein kann, das hat der deutsche Regisseur Thomas Stuber vor ein paar Jahren mit seinem Drama "In den Gängen" (2018) bewiesen. Der Schauplatz war ein Großmarkt mit seinen meterhohen Regalen. Zwischen diesen kamen sich Franz Rogowski und Sandra Hüller näher, was das Publikum und die internationale Presse der 68. Berlinale verzückte, wo der Film im Wettbewerb um einen Goldenen Bären konkurrierte.
Die Welt, in die der spanische Regisseur Ian de la Rosa sein Publikum entführt, ist dem nicht unähnlich: zwar kein ostdeutscher Großmarkt, aber eine südspanische Gemüseplantage mit meterhohen Lager- und Verpackungshallen. Hier kommen sich Silver Chicón und Herminia Loh näher und auch sie, die das titelgebende Paar spielen, wagen eine gemeinsame Fahrt auf einem Gabelstapler. Was das Publikum und die internationale Presse der 76. Berlinale verzückte. Zwar schaffte es das Liebesdrama nicht in den Wettbewerb um den Goldenen Bären, dafür nahm es den Teddy Award für den besten Spielfilm mit nach Hause.
Trügerische erste Blicke
Der Teddy Award ist der queere Filmpreis der Berlinale und wird seit 1987 verliehen, was ihn zum ersten offiziellen LGBTIQ-Filmpreis eines A-Filmfestivals macht. Und hier wird es interessant, denn auf den ersten Blick sieht die Beziehung zwischen Iván (Silver Chicón) und Hadoum (Herminia Loh) heteronormativ aus. Er ist ein spanischer Mann, der nach dem frühen Tod seines Vaters gemeinsam mit seiner Schwester einen Großteil dazu beitrug, die Familie über Wasser zu halten. Sie ist eine spanische Frau mit marokkanischen Wurzeln, die nach Jahren der Wanderschaft in ihren Heimatort zurückkehrt und in dem Großbetrieb anheuert, in dem Iván aufzusteigen versucht. Die beiden kennen sich von früher, besuchten als Kinder die Parallelklasse. Zwischen Tomaten-, Gurken- und Auberginenkisten tauschen sie vorsichtige erste Blicke.
Besagter erster Blick auf das angehende Paar lässt also zunächst andere Konflikte vermuten: familiäre, berufliche, religiöse. Und tatsächlich spielen all diese Minenfelder in der fortschreitenden Handlung ebenfalls eine Rolle. Iváns intimster Konflikt ist jedoch ein anderer, innerer, der offenbar wird, als ihn ein Kneipenwirt, der sich zuvor schon gegenüber Hadoum abfällig äußerte, als "Zwitter" beschimpft. Als Iván Hadoums Parallelklasse besuchte, war er noch ein Mädchen. Heute ist er ein selbstbewusster trans Mann, dessen Transition – wie sich später in der Handlung herausstellt – noch nicht abgeschlossen ist. Weil dieser Umstand aber weder zu Hause im Familienkreis noch am Arbeitsplatz oder auf dem Fußballfeld eine Rolle spielt, bleibt er zunächst auch dem Kinopublikum verborgen.
Gute Zeiten, schlechte Seiten
Ian de la Rosa ist selbst ein trans Mann und war erst in der Lage, diesen Film zu schreiben und zu drehen, als er seine Transition abgeschlossen hatte. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Handlung konfliktgeladen beginnen zu lassen mit einem Protagonisten im Zentrum, der aufgrund seiner Geschlechtlichkeit von der eigenen Familie bis ins Berufsleben hinein abgelehnt und angefeindet wird. Der Regisseur wollte stattdessen "eine Liebesgeschichte erzählen, mit der ich mich selbst identifizieren kann und die zugleich das Publikum dazu einlädt, sich wieder zu verlieben." Das ist ihm meisterhaft gelungen.
"Iván & Hadoum" zeigt, dass unsere Gesellschaft weiter ist, als wir oft selbst befürchten, blendet die Kehrseite aber nicht aus. Denn dieses Liebesdrama zeigt auch, dass sich die Diskriminierung, dort wo sie weiterhin leise, still und heimlich gedeiht, einfach nur anders kleidet: Statt körperlicher oder verbaler Gewalt schlagen Iván (und Hadoum) hinter vorgehaltener Hand oder durch die Blume geäußerte Mikroaggressionen entgegen. Dadurch dass sich der Regisseur aber nicht auf die Transidentität seines Protagonisten versteift, bleibt ihm die Möglichkeit, seinen Blick auf eines der wichtigsten Problemfelder unserer Gegenwart zu richten: Klassenunterschiede und die damit einhergehenden prekären Arbeitsverhältnisse.
Nonkonformismus als großes Glück
Letzten Endes ist es also weder Iváns Transition noch Hadoums Herkunft, sondern der Klassenkampf, an dem ihre noch frische Beziehung zu scheitern droht. Doch zu Iváns großem Glück – und zu dem des Kinopublikums – begegnet ihm mit Hadoum eine ebenso unkonventionelle Person. Wie toll diese beiden Hauptfiguren geschrieben sind! Und wie umwerfend die zwei Novizen Silver Chicón und Herminia Loh sie in ihrem allerersten Kinoauftritt auf die Leinwand werfen!
Unter der brennenden Sonne Andalusiens, deren schroffe Schönheit die Kamera von Beatriz Sastre perfekt einfängt, entfaltet sich so ganz gemächlich, zärtlich und zwischendurch auch mal ungestüm einer der besten Liebesfilme des Jahres.
Fazit: Einer der schönsten und ungewöhnlichsten Liebesfilme des Jahres stammt aus Spanien. In "Iván & Hadoum" reicht der Klassenkampf bis in die Beziehung hinein. Unter der brennenden Sonne Andalusiens gefilmt, kommen unter der Regie von Ian de la Rosa zum kalten Jahresausklang noch einmal ordentlich Feuer und Wärme in den Kinosaal.
Falk Straub
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Besetzung & Crew von "Iván & Hadoum"
Land: Spanien, Deutschland, BelgienJahr: 2026
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 05.11.2026
Regie: Ian de la Rosa
Darsteller: Silver Chicón, Úrsula Díaz Manzano, Esperanza Guardado, Cisco Lara, Herminia Loh Moreno
Verleih: Port au Prince Pictures GmbH






