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Sternbrücke Forever (2026)

Dokumentarfilm über die Hamburger Sternbrücke erzählt vom Ende eines gewachsenen subkulturellen Lebensraums und den Menschen, die dort über Jahrzehnte ihren Platz gefunden hatten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.0 / 5

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Unter und neben der Hamburger Sternbrücke hatte sich über Jahrzehnte ein ganz eigenes kleines Universum entwickelt. Zwischen Bahngleisen und Wohnhäusern gab es Kioske, Imbisse, eine Autowerkstatt, Kneipen und Clubs wie die Astra Stube oder die Beat Boutique. Doch als die Deutsche Bahn beschließt, die denkmalgeschützte Brücke von 1925/26 abzureißen und durch eine neue, 108 Meter lange Konstruktion zu ersetzen, steht dieses gewachsene Viertel vor dem Aus. In seinem Dokumentarfilm "Sternbrücke Forever“ begleitet Christian Hornung über mehrere Jahre hinweg diejenigen, die hier leben und arbeiten. Dazu gehören die Kioskmitarbeiterin Martina, der Kfz-Mechaniker Stefan, der die Werkstatt seines Vaters übernommen hat, und das Imbiss-Paar Aslı und Haydar. Auch Clubbetreiber und Mitglieder einer Bürgerinitiative, die sich gegen den Abriss engagiert, kommen zu Wort. Während Mietverträge auslaufen, Geschäfte schließen und die vertrauten Räume verschwinden, rückt das Ende der alten Sternbrücke immer näher.

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"Sternbrücke Forever“: Wenn mit einer Brücke ein Stück Stadt verschwindet

Städte verändern sich ständig. Gebäude werden abgerissen, Straßen neu angelegt, alte Geschäfte verschwinden und neue kommen hinzu. Doch was in den Plänen von Stadtentwicklern und Verkehrsunternehmen nach einem gewöhnlichen Bauprojekt aussieht, kann für die Menschen vor Ort einen tiefen Einschnitt bedeuten. Genau dafür interessiert sich Christian Hornung in "Sternbrücke Forever“. Sein Film ist ein Porträt eines sozialen Gefüges, das über Jahrzehnte gewachsen ist und nun unwiederbringlich verschwindet.

Dabei profitiert Hornung vor allem davon, dass er seine Protagonisten über einen längeren Zeitraum begleiten konnte. Die Veränderungen vollziehen sich nicht über Nacht. Erst kündigt sich das Ende an, dann laufen Verträge aus, Geschäfte werden aufgegeben und schließlich stehen die Räume leer. Der Regisseur beobachtet diesen Prozess mit Geduld und gibt den Menschen genügend Gelegenheit, ihre Geschichten zu erzählen. Und denen hört man gerne zu.

Besonders interessant ist Martina, die im Kiosk arbeitet und mit der viel beschworenen Subkultur rund um die Sternbrücke wenig anfangen kann. Die Clubs sind ihr zu laut, zu schmutzig, und dass sie verschwinden sollen, bedauert sie kaum. Dass mit dem Abriss auch ihr eigener Arbeitsplatz verloren geht, beschäftigt sie dagegen sehr. Ähnlich konkret werden die Folgen bei Stefan, der die Autowerkstatt seines Vaters übernommen hat. Weil seine Mietverträge stets nur befristet waren, lohnten sich größere Investitionen in den Betrieb kaum. Nun steht er mit Anfang sechzig vor der Frage, wie es beruflich weitergehen soll.

Solche Geschichten bewahren den Film davor, sich in nostalgischer Kiezromantik zu verlieren. Hier geht es nicht allein um das Ende einer alternativen Clubszene, sondern ebenso um wirtschaftliche Existenzen, Arbeitsplätze und Lebensentwürfe. Hornung macht sichtbar, was sich hinter dem abstrakten Begriff Verdrängung verbirgt. Dafür braucht er weder dramatische Zuspitzungen noch einen anklagenden Kommentar. Die Geschichten seiner Protagonisten sprechen weitgehend für sich.

Allerdings hat dieser Ansatz auch seine Grenzen. So bleiben gerade die Clubs, die wesentlich zur Bekanntheit der Sternbrücke beigetragen haben, erstaunlich wenig erfahrbar. Hornung verzichtet weitgehend darauf, das nächtliche Treiben zu filmen, und konzentriert sich stattdessen auf Betreiber und Beschäftigte. Das ist nachvollziehbar, schließlich waren diese Orte für viele Besucher auch geschützte Räume. Dennoch fehlt dem Film dadurch etwas Entscheidendes: die Musik, das Publikum, die Atmosphäre jener Nächte, die aus gewöhnlichen Räumen besondere Orte machten. Man erfährt, was die Clubs ihren Betreibern bedeuteten, bekommt aber nur bedingt vermittelt, weshalb sie für so viele andere wichtig waren.

Noch schwerer wiegt, dass die Gegenseite praktisch nicht vorkommt. Hornung steht erkennbar aufseiten derjenigen, die ihren angestammten Platz verlieren. Das ist legitim, zumal sein Film in erster Linie ein Abschiedsporträt sein will. Wer allerdings verstehen möchte, weshalb der Abriss trotz Denkmalschutz beschlossen wurde, welche Argumente die Bahn vorbrachte und ob tatsächlich keine Alternativen bestanden, erhält kaum Antworten. Behörden, Gerichte und Bahn bleiben weitgehend abstrakte Instanzen, deren Entscheidungen das Leben der Protagonisten bestimmen. Hier hätte eine stärkere Auseinandersetzung mit den Hintergründen dem Film zusätzliche Tiefe verliehen, ohne seine grundsätzliche Perspektive infrage zu stellen.

Andererseits liegt gerade in der Beschränkung auf die Menschen auch die Stärke von "Sternbrücke Forever“. Hornung wollte einen Ort dokumentieren, den es irgendwann nicht mehr geben würde. Das gelingt ihm insbesondere in jenen Momenten, in denen die Veränderungen ganz beiläufig sichtbar werden: wenn eine Werkstatt ausgeräumt wird, ein Geschäft zum letzten Mal öffnet oder ein zuvor belebter Raum plötzlich verlassen daliegt. Das sind unspektakuläre, aber wirkungsvolle Bilder des Verschwindens.

Am Ende ist die alte Sternbrücke Geschichte, während die neue Konstruktion bereits durch das Wohngebiet an ihren vorgesehenen Platz transportiert wird. Damit schließt sich der Kreis eines Films, dessen Titel auch als Versprechen verstanden werden kann. Denn selbst wenn die Brücke und das Leben darunter nicht für immer bestehen bleiben konnten, sind sie zumindest auf der Leinwand vor dem Vergessen bewahrt.

Fazit: Als Milieustudie und Abschiedsporträt überzeugt "Sternbrücke Forever“ durch seine Nähe zu den Menschen. Über die politischen und baulichen Hintergründe des Abrisses erfährt man dagegen zu wenig. Dennoch ein sehenswerter Dokumentarfilm, der zeigt, dass mit einem Bauwerk manchmal sehr viel mehr verschwindet als nur Stein und Stahl.




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Zum Video: Sternbrücke Forever

Besetzung & Crew von "Sternbrücke Forever"

Land: Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Dokumentation
Kinostart: 08.10.2026
Regie: Christian Hornung
Kamera: Marvin Hesse
Verleih: JIP Film und Verleih

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