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The Killer (1989)

John Woo schickt Chow Yun-fat durch ein Kugelgewitter, das zugleich eine Geschichte über Liebe, Schuld und verlorene Ehre erzählt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 5 / 5
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Jeff (Chow Yun-fat) ist Auftragskiller und versteht sein Handwerk. Doch bei einer Schießerei in einem Nachtclub verletzt er versehentlich die Sängerin Jenny (Sally Yeh), die nach und nach ihr Augenlicht verliert. Aus Schuldgefühlen sucht er ihre Nähe, ohne ihr seine wahre Identität zu verraten. Bald verlieben sich die beiden. Um Jennys dringend benötigte Augenoperation zu finanzieren, übernimmt Jeff einen letzten Auftrag. Danach will er aussteigen. Allerdings haben seine Auftraggeber andere Pläne und setzen ihrerseits Killer auf den Killer an. Gleichzeitig ist Polizeiinspektor Li (Danny Lee) Jeff auf den Fersen. Je länger er ihn verfolgt, desto deutlicher erkennt er, wie viel die beiden verbindet. Auch Jeffs alter Freund Sidney (Chu Kong) wird in die Auseinandersetzung hineingezogen. Am Ende bleibt kaum jemandem eine Wahl.

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"The Killer“: Wenn Kugeln Geschichten erzählen

Es wird geschossen, als gäbe es für jede verbrauchte Patrone eine Prämie. In "The Killer“ fliegen die Kugeln gleich dutzendweise, Menschen hechten durch Räume, stürzen in Zeitlupe zu Boden oder schießen mit einer Pistole in jeder Hand zurück. Das könnte leicht lächerlich wirken. Tut es aber nicht. Denn John Woo weiß genau, wann er seine Figuren in Bewegung setzt, wann er sie für einen Augenblick einfriert und wann er das nächste Feuerwerk zündet. Aus Schießereien macht er regelrechte Choreografien. Und Chow Yun-fat besitzt jene lässige Leinwandpräsenz, die dafür sorgt, dass man ihm auch die verrücktesten Aktionen abnimmt.

Dass Woo dabei nicht einfach nur wild drauflosfilmt, zeigt sich in der Inszenierung. Er lässt den Bewegungen Raum, zerlegt sie durch geschickte Montage in verschiedene Perspektiven und nutzt Zeitlupen nicht als bloße Effekthascherei. Jede Konfrontation ist sorgfältig aufgebaut. Was heute vertraut aussieht, war 1989 stilprägend. Schon mit "A Better Tomorrow“ hatte Woo den Gangsterfilm aus Hongkong erneuert, "The Killer“ wurde zu einem seiner einflussreichsten Werke. Ohne ihn sähen die Schießereien in "Desperado“, "Matrix“ oder den "John Wick“-Filmen wohl anders aus.

Dabei beschränkt sich Woo keineswegs auf das Spektakel. Seine Geschichte folgt wie in Jean-Pierre Melvilles "Der eiskalte Engel“ einem einsamen Profikiller, verlegt dessen Ehrenkodex jedoch in eine Welt, in der er längst keinen Wert mehr hat. Jeff fühlt sich für Jenny verantwortlich, verliebt sich in sie und beginnt, an seinem Beruf zu zweifeln. Die Gangster, für die er arbeitet, kennen solche Skrupel nicht. Auch die Beziehung zu seinem alten Freund Sidney wird auf die Probe gestellt. Und ausgerechnet sein Verfolger Li erweist sich als eine Art Seelenverwandter: Beide gehen bis zum Äußersten, weil sie von ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit überzeugt sind. Aus einem Polizisten, der zunächst nur einen Mörder dingfest machen will, wird ein Mann, der zunehmend seine eigenen Überzeugungen infrage stellen muss.

Das alles greift erstaunlich gut ineinander. Jennys drohende Erblindung, die Liebe, der Verrat und die Annäherung zwischen Killer und Polizist treiben die Handlung immer weiter voran. Die Schießereien sind deshalb nicht bloß Pausenfüller, sondern Höhepunkte eines Spannungsbogens, der konsequent auf das gewaltige Finale zuläuft.

Ganz ohne Schwächen ist das nicht. Jenny darf vor allem leiden und darauf warten, gerettet zu werden. Dass Sally Yeh der Figur Wärme verleiht, ändert wenig an diesem ziemlich überholten Frauenbild. Und natürlich ist das alles hoffnungslos pathetisch: Musik schwillt an, Männer reden über Ehre und Freundschaft, Kerzen flackern, weiße Tauben flattern durch eine Kirche. Subtil geht anders. Nur will Woo gar nicht subtil sein. Er erzählt ein Melodram, das seine Gefühle ebenso ernst nimmt wie seine Action. Die christlichen Erlösungsbilder sind plakativ, passen aber zum Schicksal eines Mannes, der seine Schuld wiedergutmachen möchte. Gerade weil der Regisseur nicht mit ironischer Distanz auf seine Figuren blickt, trifft das tragische Ende umso härter.

Fazit: "The Killer“ ist weit mehr als ein Meilenstein des Actionkinos. John Woo verbindet atemberaubende Schießereien, große Gefühle und eine tragische Geschichte über Freundschaft und Loyalität. Manches ist sichtbar gealtert, doch die Wucht dieses Films hat nach 37 Jahren kaum nachgelassen.




Besetzung & Crew von "The Killer"

Land: HongKong
Jahr: 1989
Genre: Action, Thriller, Drama
Länge: 110 Minuten
FSK: 18
Kinostart: 13.02.1997
Regie: John Woo
Darsteller: Yun-Fat Chow, Danny Lee, Sally Yeh, Kong Chu, Kenneth Tsang
Verleih: Rapid Eye Movies



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