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Hanami (2024)
Auf einer kapverdischen Vulkaninsel wächst ein Mädchen ohne seine Mutter auf und muss sich Jahre später mit deren Rückkehr auseinandersetzen.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Auf der kapverdischen Insel Fogo ist das Leben beschwerlich. Der Boden ist karg, der Regen selten und die Aussicht auf eine bessere Zukunft für viele Menschen mit dem Weggehen verbunden. Auch Nia (Alice Da Luz) verlässt die Insel kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Nana (Daílma Mendes) wächst bei den Verwandten ihres Vaters auf, liebevoll umsorgt, aber ohne ihre Mutter. Als sie schwer erkrankt, bringt man sie zu einer Heilerin ins Innere der Vulkaninsel, wo merkwürdige Dinge geschehen. Die Jahre vergehen, Menschen kommen und gehen. Nana (Sanaya Andrade) wird erwachsen und entwickelt ihren eigenen Blick auf die Welt. Als ihre Mutter eines Tages zurückkehrt, stehen sich zwei Frauen gegenüber, die einander kaum kennen und dennoch untrennbar miteinander verbunden sind.
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Filmkritik
"Hanami“ – Wunderschöne Bilder, aber nicht immer eine Geschichte
Manchmal genügt ein Blick auf die Leinwand, um zu wissen, dass man diesen Film gern sehen wird. Schwarzer Sand, karge Vulkanhänge, das Meer, das scheinbar endlos gegen die Küste schlägt. "Hanami“ ist voller solcher Bilder. Kamerafrau Alana Mejía González hat ein außergewöhnliches Gespür für Bildkompositionen. Da stimmt jede Kleinigkeit, ohne dass die Aufnahmen künstlich wirken. Dazu rauscht der Wind, schlagen die Wellen an den Strand. Man könnte sich das stundenlang anschauen. Allerdings möchte man zwischendurch vielleicht auch wissen, wie es mit der Geschichte weitergeht.
Die erzählt Autorin und Regisseurin Denise Fernandes ausgesprochen gemächlich. Im Mittelpunkt steht Nana, die auf der kapverdischen Insel Fogo ohne ihre Mutter aufwächst. Zunächst wird sie von Daílma Mendes gespielt, später von Sanaya Andrade. Der Wechsel funktioniert wunderbar. Während das kleine Mädchen vor allem beobachtet und vieles wortlos hinnimmt, begegnet uns später eine junge Frau, die längst ihren eigenen Weg gefunden hat. Aus dem Verlust, der ihre Kindheit geprägt hat, ist keine lebenslange Hilflosigkeit geworden.
Überhaupt sind es die leisen Momente, in denen "Hanami“ am meisten überzeugt. Besonders die Begegnung zwischen Nana und ihrer zurückgekehrten Mutter hat Fernandes bemerkenswert zurückhaltend inszeniert. Da gibt es keine großen Vorwürfe, keine tränenreiche Aussprache, in der plötzlich alles geklärt wird. Ein Blick, ein kurzes Zögern, eine unangenehme Stille erzählen genug. Die beiden Frauen können schließlich nicht einfach dort weitermachen, wo sie vor vielen Jahren aufgehört haben.
Viele schöne Einfälle, wenig Zusammenhang
Leider besitzt nicht der gesamte Film diese Klarheit. Fernandes lässt sich reichlich Zeit, um den Alltag auf der Insel zu beobachten. Da geht es um die Familie, die Pläne eines Onkels, eine geheimnisvolle Heilerin, Schildkröten und einen japanischen Vulkanforscher. Das ist durchaus interessant, bisweilen sogar faszinierend. Nur entsteht daraus nicht unbedingt eine zusammenhängende Geschichte. Vielmehr reiht sich eine Episode an die nächste, ohne dass immer deutlich würde, was Nana aus den Begegnungen mitnimmt.
Ähnlich verhält es sich mit den fantastischen Elementen. Wenn die Realität plötzlich märchenhafte Züge annimmt, entstehen weitere wunderbare Bilder. Doch nicht selten wirken diese Einschübe wie hübsche Verzierungen, auf die der Film ebenso gut verzichten könnte. Auch die Verbindung zu Japan, die sich bereits im Titel andeutet, bleibt eher eine interessante Idee als ein wesentlicher Bestandteil der Handlung.
Dabei hätte "Hanami“ durchaus Stoff für größere Konflikte. Schließlich verlassen die Menschen Fogo nicht grundlos. Die Lebensbedingungen sind schwierig, wirtschaftliche Perspektiven begrenzt. Warum also ging Nia und ließ ihre Tochter zurück? Und was bedeutet es für Nana, sich später bewusst für ihre Heimat zu entscheiden?
Fernandes beschäftigt sich mit diesen Fragen, ohne wirklich tief in sie einzudringen. Die Dorfgemeinschaft erscheint manchmal beinahe zu harmonisch, als könnten Zusammenhalt und gegenseitige Fürsorge sämtliche Probleme auffangen. Gerade der Widerspruch zwischen der Liebe zur Heimat und der Notwendigkeit, sie möglicherweise verlassen zu müssen, hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. In seinem ebenfalls auf Fogo spielenden "Casa de Lava“ hat Pedro Costa gezeigt, dass diese Landschaft weit mehr sein kann als eine eindrucksvolle Kulisse.
Nun muss Fernandes natürlich keinen zweiten Costa drehen. Ihr Film hat seine eigenen Qualitäten, vor allem seine große Zuneigung zu den Menschen und diesem besonderen Ort. Nur hätte man sich gewünscht, dass sie den durchaus reizvollen Gedanken auch erzählerisch etwas konsequenter folgt.
Fazit: "Hanami“ ist ein visuell außergewöhnlicher, fein gespielter Film über Familie, Heimat und Zugehörigkeit. Seine stillen Momente berühren, die Bilder bleiben im Gedächtnis. Doch die lose verbundenen Episoden und manche fantastischen Umwege verhindern, dass die Geschichte dieselbe Kraft entwickelt wie ihre Bilder.
Manchmal genügt ein Blick auf die Leinwand, um zu wissen, dass man diesen Film gern sehen wird. Schwarzer Sand, karge Vulkanhänge, das Meer, das scheinbar endlos gegen die Küste schlägt. "Hanami“ ist voller solcher Bilder. Kamerafrau Alana Mejía González hat ein außergewöhnliches Gespür für Bildkompositionen. Da stimmt jede Kleinigkeit, ohne dass die Aufnahmen künstlich wirken. Dazu rauscht der Wind, schlagen die Wellen an den Strand. Man könnte sich das stundenlang anschauen. Allerdings möchte man zwischendurch vielleicht auch wissen, wie es mit der Geschichte weitergeht.
Die erzählt Autorin und Regisseurin Denise Fernandes ausgesprochen gemächlich. Im Mittelpunkt steht Nana, die auf der kapverdischen Insel Fogo ohne ihre Mutter aufwächst. Zunächst wird sie von Daílma Mendes gespielt, später von Sanaya Andrade. Der Wechsel funktioniert wunderbar. Während das kleine Mädchen vor allem beobachtet und vieles wortlos hinnimmt, begegnet uns später eine junge Frau, die längst ihren eigenen Weg gefunden hat. Aus dem Verlust, der ihre Kindheit geprägt hat, ist keine lebenslange Hilflosigkeit geworden.
Überhaupt sind es die leisen Momente, in denen "Hanami“ am meisten überzeugt. Besonders die Begegnung zwischen Nana und ihrer zurückgekehrten Mutter hat Fernandes bemerkenswert zurückhaltend inszeniert. Da gibt es keine großen Vorwürfe, keine tränenreiche Aussprache, in der plötzlich alles geklärt wird. Ein Blick, ein kurzes Zögern, eine unangenehme Stille erzählen genug. Die beiden Frauen können schließlich nicht einfach dort weitermachen, wo sie vor vielen Jahren aufgehört haben.
Viele schöne Einfälle, wenig Zusammenhang
Leider besitzt nicht der gesamte Film diese Klarheit. Fernandes lässt sich reichlich Zeit, um den Alltag auf der Insel zu beobachten. Da geht es um die Familie, die Pläne eines Onkels, eine geheimnisvolle Heilerin, Schildkröten und einen japanischen Vulkanforscher. Das ist durchaus interessant, bisweilen sogar faszinierend. Nur entsteht daraus nicht unbedingt eine zusammenhängende Geschichte. Vielmehr reiht sich eine Episode an die nächste, ohne dass immer deutlich würde, was Nana aus den Begegnungen mitnimmt.
Ähnlich verhält es sich mit den fantastischen Elementen. Wenn die Realität plötzlich märchenhafte Züge annimmt, entstehen weitere wunderbare Bilder. Doch nicht selten wirken diese Einschübe wie hübsche Verzierungen, auf die der Film ebenso gut verzichten könnte. Auch die Verbindung zu Japan, die sich bereits im Titel andeutet, bleibt eher eine interessante Idee als ein wesentlicher Bestandteil der Handlung.
Dabei hätte "Hanami“ durchaus Stoff für größere Konflikte. Schließlich verlassen die Menschen Fogo nicht grundlos. Die Lebensbedingungen sind schwierig, wirtschaftliche Perspektiven begrenzt. Warum also ging Nia und ließ ihre Tochter zurück? Und was bedeutet es für Nana, sich später bewusst für ihre Heimat zu entscheiden?
Fernandes beschäftigt sich mit diesen Fragen, ohne wirklich tief in sie einzudringen. Die Dorfgemeinschaft erscheint manchmal beinahe zu harmonisch, als könnten Zusammenhalt und gegenseitige Fürsorge sämtliche Probleme auffangen. Gerade der Widerspruch zwischen der Liebe zur Heimat und der Notwendigkeit, sie möglicherweise verlassen zu müssen, hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. In seinem ebenfalls auf Fogo spielenden "Casa de Lava“ hat Pedro Costa gezeigt, dass diese Landschaft weit mehr sein kann als eine eindrucksvolle Kulisse.
Nun muss Fernandes natürlich keinen zweiten Costa drehen. Ihr Film hat seine eigenen Qualitäten, vor allem seine große Zuneigung zu den Menschen und diesem besonderen Ort. Nur hätte man sich gewünscht, dass sie den durchaus reizvollen Gedanken auch erzählerisch etwas konsequenter folgt.
Fazit: "Hanami“ ist ein visuell außergewöhnlicher, fein gespielter Film über Familie, Heimat und Zugehörigkeit. Seine stillen Momente berühren, die Bilder bleiben im Gedächtnis. Doch die lose verbundenen Episoden und manche fantastischen Umwege verhindern, dass die Geschichte dieselbe Kraft entwickelt wie ihre Bilder.
Markus Solty
Besetzung & Crew von "Hanami"
Land: Schweiz, Portugal, Kap-VerdeJahr: 2024
Genre: Drama
Länge: 96 Minuten
Kinostart: 05.11.2026
Regie: Denise Fernandes
Darsteller: Sanaya Andrade, Daílma Mendes, Alice Da Luz, Nha Nha Rodrigues, Joao 'Galinha' Mendes
Verleih: JIP Film und Verleih




