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Mitte Ende August
Mitte Ende August
© Wild Bunch

Kritik: Mitte Ende August (2009)


Nach dem 1999 veröffentlichten "Absolute Giganten" und "Ein Freund von mir" aus dem Jahr 2006 legt der ausgebildete Schauspieler Sebastian Schippe mit "Mitte Ende August" seine dritte Drehbuch- und Regiearbeit vor - ein von Goethes "Wahlverwandtschaften" inspiriertes, aber auf alle Tragik der Vorlage verzichtendes, eher leichtfüßiges Beziehungsdrama rund um Irrungen und Wirrungen eines ungleichen Paars Mitte 30, gespielt von Marie Bäumer und Milan Peschel.

So sehr "Mitte, Ende August" thematisch an Maren Ades vor wenigen Wochen gestartete "Alle anderen" erinnert, so sehr unterscheidet sich die Herangehensweise: Während Ade eine präzise beobachtete Charakterstudie mit bis ins kleinste Details ausgefeilten Dialogen inszenierte, hat Schipper seinen Darstellern erkennbar mehr Freiheiten gelassen und im Gegenzug auf optische Metaphern gesetzt - da wird dann, um dem Zuschauer klar zu machen dass eine Krise im Anmarsch ist, nicht etwa gestritten, sondern eine tragende Wand eingerissen oder eine Partnerfichte gefällt. Und während Ade der fantastischen Leistung ihrer Hauptdarstellerin Birgit Minichmayer viel zu verdanken hat, profitiert Schipper entsprechend von der ruhig-fließenden, niemals zappeligen Kameraführung von Frank Blau, dem mit weitgehend natürlichem Licht vor allem auch wunderbare Landschaftsaufnahmen gelingen.

An der schauspielerischen Leistung insgesamt ist nichts auszusetzen - doch gerade weil Peschel und Bäumer die ihnen zugedachten Rollen gut erfüllen, entwickelt der von Peschel gespielte unbedachte Kindskopf Thomas recht schnell ein ausgeprägtes Nervpotenzial,während Bäumers bedachtere und erwachsenere, aber eben auch sehr zurückhaltende, introvertierte Hanna unterzugehen droht. Und so fragt man sich denn auch bald, was diese beiden ungleichen Charaktere überhaupt verbindet? Leider nicht die einzige merkwürdige Paarung: Die introvertierte Hanna hat neben ihrem kindsköpfigen Freund auch noch einen extrovertierten Blender als Vater (mit dem sie sich fantastisch versteht), Thomas Bruder Friedrich hingegen ist etwa so introvertiert wie Hanna, die ihn dennoch anfangs nicht leiden kann. Dies ist denn auch der größte Minuspunnkt: So glaubwürdig die Protagonisten im einzelnen auch sind, so unglaubwürdig sind sie im Zusammenspiel.

Bleibt noch zweierlei zu erwähnen: 1. Dass es trotz aller Leichtfüßigkeit und Unterhaltsamkeit durchaus auch einige (wenige) Längen gibt, und 2. Dass das Ganze von einem recht netten, ruhigen, eigens von Songwriter Vic Chestnutt komponierten soundtrack untermalt wird.

Fazit: Recht gut gespieltes, leichtfüßiges Beziehungsdrama, mit nettem Soundtrack und schönen Bildern, dass sich wohl vor allem an jene (weiblichen?) Zuschauer richtet, die etwa im Alter der Protagonisten - also 30+ - sind.




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