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13 Semester
13 Semester
© 20th Century Fox

Kritik: 13 Semester (2008)


In Zeiten von nivellierten Turbostudiengängen und bachelorgetrimmten Fließbandabsolventen erscheint bereits alles über acht Semester als weit jenseits der Regelstudiendauer. Die Ära bohemer Berufsstudenten scheint damit passé. Doch das Geschrei ist groß; vor Überlastung jammert das Universitätsvolk: zuviel Stoff in zu wenig Zeit. Damit die Hochschulen also nicht bereits vor dem Berufseinstieg psychisch Ausgebrannte produzieren, sondern auf Erfolg programmierte Bachelors und Bachelorettes wird bereits an Nachbesserungen der Lehrpläne gefeilt. Dann wäre auch wieder mehr Raum für die wahren Kerninhalte des Studiums: Sex, Drugs und Rock´n Roll.

Da erscheint es vielleicht sogar als nur konsequent sich des Themas Universitätsleben aus "urtypisch deutscher Sicht" anzunehmen. Nur recht gelungen waren die wenigen Elaborate aus den hiesigen Filmwerkstätten, die den Ort der Handlung an und um eine Uni herum verlegten (waren zudem ohnehin in der Regel TV-Produktionen) bisher nicht wirklich. Obendrein scheinen diese Motive in Übersee oder aus dem unmittelbaren europäischen Nachbarland, wie beispielsweise Frankreich, ohnehin schon vollends entmarkt und zu jedweder erdenklichen Plotsuppe bereits verkocht worden zu sein.

Anders aber als viele Vorgänger, die sich großstädtische Universitäten aus den Metropolen suchten, verlagert "13 Semester" das Geschehen an die TU Darmstadt. Einer Stadt, in der beinahe jeder fünfte Einwohner ein Student ist; und somit das kulturelle Leben des Städtchens dementsprechend geprägt ist. Für manch Provinzlinge mag Darmstadt aber bereits das Flair der großen weiten Welt erahnen lassen: Die beiden Freunde Momo (Max Riemelt) und Dirk (Robert Gwisdek) ziehen jedenfalls aus Brandenburg dorthin, um Wirtschaftsinformatik zu studieren. Schnell hält aber sowohl Unialltag als auch das pralle außeruniversitäre Leben Einzug. Und jeder der beiden muss seinen eigenen Rhythmus und Tempo für seine Studienambitionen finden.

Während Dirk bald auf der Überholspur unterwegs ist; in Vorlesungen wie Hausarbeiten glänzt und in den Tutorien aufgeht, gelingt es Momo kurz vor dem anstehenden Vordiplom sogar aus der gemeinsamen Lerngruppe zu fliegen. "Wer bremst verliert" scheint auch hier die Devise; Momos persönliches Credo lautet hingegen "Der frühe Vogel kann mich mal!" Er verlegt sich lieber aufs Blaumachen, Abhängen und seine Traumfrau Kerstin (Claudia Eisinger) anhimmeln. So wundert es nicht, wenn sein Weg an der Uni noch manche kuriose Wendung beinhaltet und er den Weg zum Ziel bestenfalls im Serpentinen-Kriechgang schafft.

Eines muss man dieser Coming-of-Age Soft-Dramödie lassen: Sie geht das Thema auf authentische Weise an, legt Wert auf den Einbau ortstypischen Lokalkolorits und verzichtet auf unnatürliche Überzeichnungen. Ansonsten aber passieren halt die Dinge, die eben den Studentenalltag kennzeichnen: außer Studieren natürlich sich selbst finden und möglichst viel Spaß haben. Und natürlich werden auch die üblichen Klischees und Stereotypen letzten Endes bedient und Charaktere skizziert, die nach Schema X aus diversen Vorlagen entlehnt sind: Es gibt Streber, Faulenzer, Frauenhelden und Sonderlinge.

An diesem Punkt erschöpft sich scheinbar kollektiv Originalität wie Kreativität der Filmemacher, denn letzten Endes wurde alles schon mal in ähnlicher Form gesichtet. Dementsprechend hangelt sich der Erstling von Regisseur und Drehbuchautor Frieder Wittich von einem mittelprächtigen Gag und Kalauer zum nächsten und entwickelt in den Phasen dazwischen manche Länge. Vor allem diejenigen, welche das Unileben nie kennen gelernt haben oder bei denen es einfach zu lange zurückliegt, werden sich somit kaum mit diesem Streifen anfreunden können. Tatsächlich kann "13 Semester" guten Gewissens wohl nur Erstsemestern zur Mahnung empfohlen oder Langzeitstudenten zur Selbsterkenntnis ans Herz gelegt werden.





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