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Kritik: Auge in Auge - Eine deutsche Filmgeschichte (2008)


Der Marktanteil deutscher Filme dümpelt seit Jahren irgendwo zwischen 20% in schlechten und rund 35% in wirklich guten Jahren. Dass das deutsche Kino eine ganze Reihe echter Klassiker hervorgebracht hat, gerät da gerne mal in Vergessenheit. Dem wirken nun Filmkritiker Michael Althen und Filmhistoriker Hans Helmut Prinzen mit ihrer Dokumentation „Auge in Auge“ entgegen.

Eine, nicht die, deutsche Filmgeschichte wollen die beiden Cineasten präsentieren, wird zu Beginn des Films erklärt. Die beiden folgen also weniger einem objektiven, wissenschaftlichen Ansatz, sondern einem rein subjektiven: Insgesamt 10 deutsche  Filmschaffende haben sie nach ihren deutschen Lieblingsfilmen befragt. Und die Interviewpartner geben in bewunderndem, mitunter gar schwärmerischen Berichten gerne Auskunft, erzählen, was sie an den genannten Filmen so fasziniert und welche Erinnerungen sie damit verbinden  -  von Tom Tykwer, der über Murnaus 1921 entstandenen „Nosferatu“ spricht, über Wenders  (Lieblingsfilm: „M -  eine Stadt sucht einen Mörder“, inszeniert 1931 von Fritz Lang), bis hin zu Andreas Dresen mit seinem  1979 entstandenen Lieblingsfilm „Solo Sunny“ (inszeniert von Wolfgang Kohlhaas, der in einem vorangegangenen Interview schon „Menschen am Sonntag“ als seinen eigenen Lieblingsfilm präsentierte) und schließlich Caroline Link, die mit Edgar Reitz’ „Heimat“ (1984)  den jüngsten Lieblingsfilm beisteuert.

In diesen chronologisch nach dem Entstehungsjahr der Lieblingsfilme montierten Interviews gehen die Filmemacher auch der Frage nach, was  genau für den jeweiligen Interviewpartner eigentlich einen Film zu einem deutschen Film macht –  was also für die Befragten typisch für das deutsche Kino ist. Typisch deutsch sind dann inbesondere auch die Antworten: Von „Enge“ und „Beklemmung“ spricht Tom Tykwer, von „Schwere“ Wim Wenders, von „Sexualität als einzige Quälerei“ Dominik Graf. Ein kleiner Kritikpunkt: An dieser Stelle durchaus auch mal interessant gewesen zu hören, was ausländische Filmschaffende dazu zu sagen haben, ist der Blick von Außen doch oft präziser als die Innenansicht.

Rund wird der Ausflug in deutsche Filmgeschichte(n) schließlich durch einige schöne Montagesequenzen bestehend aus unzähligen kleinen Filmschnipseln. Aus Szenen rund um die Themen „Der männliche Blick“, „Der weibliche Blick“, „Telefonieren“, „Küssen“, „Rauchen“, „Schreien“  haben Michael Althen und Hans Helmut Prinzen da eine Entdeckungsreise quer durch das deutsche Filmschaffen zusammenmontiert. Eine Reise die einem manche vergessene Filme wieder in Erinnerung ruft und Lust darauf macht, so manchen Film wieder, oder zum ersten Mal zu sehen.

Fazit: Eine spannende, deutsche Filmgeschichte von, mit und für Filmfans.





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