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Jimmy Page, The Edge und Jack White in 'It Might Get Loud'
Jimmy Page, The Edge und Jack White in 'It Might Get Loud'

Kritik: It Might Get Loud (2008)


Eigentlich hat sich Regisseur David Guggenheim auf die Inszenierung von TV-Serien (u.a. gehen Episoden von "Deadwood", "Num3rs", "24" und "Alias" auf sein Konto) spezialisiert. Daneben aber inszenierte und produzierte er immer mal wieder eine Dokumentation - darunter auch den 2007 mit dem Oscar ausgezeichneten "Eine unbequeme Wahrheit", der weltweit immerhin 50 Mio. Dollar einspielte. So ist es denn auch kein großes Wunder, dass sich Produzent Thomas Tull mit seiner Idee für eine Doku über die E-Gitarre an Guggenheim wandte.
Das Grundkonzept für diese Doku hatte Musikfan Tull bereits im Kopf: Um die historische Entwicklung und eine große stilistische Bandbreite zeigen zu können, sollten drei möglichst prominente Gitarristen aus drei Generationen vor die Kamera treten und von ihrem Weg zur und mit der Gitarre erzählen.
Es versteht sich von selbst, dass bei der Umsetzung dieses Konzepts die Auswahl der Gitarristen das A und O ist - und es ist anzunehmen, dass Tull bereits einige Ideen hatte, wer sich für die Doku eignen würden. Die endgültige Auswahl aber erfolgte, nach dessen Zusage, in Zusammenarbeit mit Guggenheim. Ihre Wahl fiel schließlich auf Led Zeppelin-Gitarren-Legende Jimmy Page, The Edge von U2 und White Stripes-Gitarrist Jack White - drei Gitarristen, die wie gewünscht nicht nur unterschiedliche Generationen repräsentieren, sondern sich auch stilistisch deutlich unterscheiden: Jimmi Page, 66, der Könner, dessen Karriere (während seines Kunststudiums) als Studiomusiker begann und wohl alles, insklusive pfeilschneller, ellenlanger Soli, mit der Präzision eines Uhrwerks spielen kann. Dann der 48-jährige Soundtüftler The Edge, der einfachste Gitarrenakkorde virtuos mit einer ganzen Armada an Effektgeräten bearbeitet um den typischen U2-Sound zu kreieren. Und schließlich der 34-jährige Jack White, dessen minimalistisch-rhythmischem Gitarrenspiel man anhören kann, dass nicht die Gitarre, sondern das Schlagzeug sein erstes Instrument war. Jeder von ihnen erzählt, offen und ungekünstelt, zunächst im Einzelinterview von seinem Werdegang, seinen musikalischen Einflüssen, den Tricks und Kniffen und führt das Filmteam an Orte, die für seine Karriere von besonderer Bedeutung waren. Im großen Finale schließlich treffen sich alle drei - mit kindlicher Freude - zu einer gemeinsamen Jam-Session. Und, was soll ich sagen: Das Konzept geht auf. Selbst für jemanden, der wie ich, kein übermäßig gesteigertes Interesse und Null Talent an der Gitarre hat, gibt es einiges zu entdecken - z.B. dass man sich eine (Proto-) E-Gitarre aus einfachsen Mitteln in wenigen Minuten selbst zusammenbasteln kann, oder dass auch 66-Jährige beim Jammen noch so glücklich aussehen können wie kleine Jungs beim Eisverkäufer.
Fazit: Sehenswerte Musikdoku und Liebeserklärung an die E-Gitarre, natürlich besonders, aber nicht nur, für Gitarrenfans allen Alters.




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