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Die Wunderbare Reise des Nils Holgersson mit den Wildgänsen
Die Wunderbare Reise des Nils Holgersson mit den Wildgänsen
© Universum Film

Kritik: Die Wunderbare Reise des Nils Holgersson mit den Wildgänsen (1981)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer in den 1970er und 1980er Jahren regelmäßig Kinderfernsehen geschaut hat, kann sie alle mitsingen: Die Titelsongs der damals ausgestrahlten Zeichentrickserien von "Wickie und die starken Männer" (1974-1975) über "Heidi" (1974) bis hin zur "Biene Maja" (1975-1980) haben sich ins Gedächtnis ganzer Generationen eingebrannt. Aus Kostengründen entstanden diese Serien allesamt in Japan, so auch die "Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen" nach dem bekannten Roman von Selma Lagerlöf. Man braucht nur das hoch gesungene "Nils Holgersson ..." der Titelmelodie anzustimmen und flugs werden unzählige Erwachsene "... flieg mit den Gänsen davon" ergänzen. Aus vielen dieser Serien entstanden auch Filme, die sich aus einzelnen Episoden zusammensetzten. Die Filmvariante von "Nils Holgersson" kommt nun als Wiederaufführung in die Kinos.

Es ist nicht die erste Wiederaufführung, die der Berliner Verleih Croco Film möglich macht. Dieses Wiedersehen mit einem liebgewonnenen Klassiker bietet in erster Linie Eltern, die selbst mit diesen Filmen und Serien aufgewachsen sind, die Gelegenheit, ihre eigenen Kindheitserinnerungen mit ihren Kindern zu teilen. Das funktioniert auch bei "Nils Holgersson" ausgezeichnet, auch wenn der Film an sich wesentlich schlechter als andere vom Serienformat zum Film umfunktionierte Filme geglückt ist.

Die Zeichnungen hielten schon zum Zeitpunkt ihrer Erstausstrahlung nicht mit hochwertigen Kinoproduktionen mit, waren aber auch für ein ganz anderes Medium gedacht. Die besonders aus heutiger Sicht reichlich angestaubte Optik ist also zu verschmerzen. Stärker ins Gewicht fällt hingegen die elliptische Erzählweise. Zwischen den einzelnen Episoden klaffen arge Lücken, wodurch die Handlung stets ein wenig zu sprunghaft und unzusammenhängend gerät. Bei anderen Filmversionen von Zeichentrickserien (etwa bei "Wickie und die starken Männer") war das entschieden besser gelöst.

Alles in allem ist aber auch die wunderbare Reise des kleinen Nils ein gelungener Familienfilm, wobei der Witz und Spaß hier immer ein wenig hinter dem pädagogischen Anliegen zurückstehen. Selma Lagerlöf, die 1909 als erste Frau überhaupt den Nobelpreis für Literatur erhielt, hat ihren 1906 erstveröffentlichten Roman geschrieben, um Schüler:innen Schwedens Landschaft und Leute aus der Vogelperspektive nahezubringen. Dieser Ansatz geht durch die Verkürzung zu einem eineinhalbstündigen Spielfilm nicht nur ein wenig verloren, das Lehrhafte der Geschichte rückt auch immer ein wenig zu sehr in den Vordergrund.

Fazit: Anfang der 1980er Jahre wurde Selma Lagerlöfs bekannter Roman als 52-teilige Zeichentrickserie umgesetzt. Aus einigen der Episoden entstand ein Film, der jetzt als Wiederaufführung in die Kinos kommt. Als kurzweilige Familienunterhaltung funktioniert das auch heute noch. Durch die Verkürzung leiden jedoch der Erzählfluss und die Erzähllogik.




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