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Kritik: Georgia (1995)


Streichen Sie "GEORGIA" aus Ihrem Gedächtnis!

"Manipulativ" und "berechnend" sind die ersten beiden Worte, die sich dem Betrachter nach dem "Genuß" des Filmes nahezu aufdrängen. Ein anderes ist "Enttäuschung".

"GEORGIA", ein Musikerdrama, erzählt von zwei ungleichen Schwestern und ihren konträren Talenten und Sehnsüchten. Jennifer Jason Leigh in der Rolle der in jeder Hinsicht erfolglosen "Sadie" und Mare Winnigham als erfolgreiche Countryrock-Sängerin "Georgia".

Manche behaupten, hier würde Jennifer Jason Leigh's beste schauspielerische Leistung präsentiert und das dies wohl der wichtigste Film der "Generation-X" sei - nichts von dem trifft zu.

Der Film läuft in diesen Tagen in den Kinos an, aber wenn Sie eine Frau sehen möchten, die versucht, sich einen Namen in der hart umkämpften Musikbranche zu machen und eine andere, die damit beschäftigt ist ihre geistige Gesundheit zu behalten, dann sollten Sie davon ablassen. Sie werden auf den Talent-Shows in Ihrer Umgebung besser bedient. Dort können Sie das fieberhafte Bemühen junger Musiker um Erfolg mit Ihren eigenen Augen beobachten - zudem fördern Sie damit die Künstler, für die jeder öffentliche Auftritt zählt, und nicht die Schauspieler, deren einziges ehrgeiziges Ziel der begehrte OSCAR ist.
"GEORGIA" ist das Produkt einer Zusammenarbeit von Jennifer Jason Leigh (Schauspielerin und Produzentin) und ihrer Mutter Barbara Turner (Drehbuchautorin und Produzentin). Jemand hätte sie aber darauf hinweisen sollen, daß die treibende Kraft dieser Geschichte, die Suche nach Wahrheit und Tiefe, in ihrer Interpretation zu einer narzistischen Übung degradiert.
Hollywood geht wohl davon aus, daß wir, die "Generation-X" und Zielgruppe des Filmes, unendlich viel Zeit haben - aber keiner sollte den Produzenten gestatten, uns zwei wertvolle Stunden (oder die 12 DM Eintrittsgeld, die wir uns vielleicht für den Besuch geborgt haben) unseres Lebens zu verschwenden.
Das einzige Highlight in diesem Werk ist Mare Winnigham, die als "Georgia" die erfolgreiche, hart für ihr "normales", bürgerliches Leben arbeitende, Sängerin spielt. Winnigham hat eine imposante Gesangsstimme (sie schrieb mindestens ein Stück auf dem Soundtrack) und ist eine starke Schauspielerin. Sie stellt bei weitem alle anderen Figuren in diesem Film in den Schatten.

Die 13 Musiktitel werden wohl einen sehr guten Soundtrack abgeben aber warum werden wir dem schwindelerregenden Schreien, Kreischen, Hauchen und Stöhnen der Leigh ausgesetzt? Da ist z.B. diese scheinbar nicht mehr enden wollende Cover-Version von Van Morrison's Song "Take Me Back" den die Leigh auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung "singt"... Der Regisseur Ulu Grosbard setzt uns Jennifer Jason Leigh's Interpretation volle 8 Minuten aus. Die Folge ist unweigerlich die totale Zerstörung ihres Charakters. Die Figur "Sadie" ist zwar völlig unbegabt, trotz ihrer bedingungslosen Hingabe, aber am Ende der Szene hat man nur noch den Wunsch die Leinwand wie folgt anzuschreien: ICH HAB'S KAPIERT! ICH KANN'S NICHT MEHR ERTRAGEN!

"GEORGIA" wird Sie unbefriedigt, müde und gelangweilt zurücklassen. Es ist seit langer Zeit die beste Idee, die auf einer Leinwand verschwendet wurde.




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