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Kritik: Last Supper - Die Henkersmahlzeit (1995)


Der Mord zum Sonntag:

Die Welt verändern, ja, wer wollte das nicht! Einen nicht unbedingt nachempfehlenswerten Weg, radikale Meinungsvertreter unschädlich zu machen, liefert die makabre Komödie "The Last Supper - Die Henkersmahlzeit".
Ihr Rezept zur Weltverbesserung allerdings entwickeln fünf studierte Hobbyköche weniger aus Kalkül denn aus einer Notsituation heraus. Einer ihrer regelmäßigen
Gäste beim Sonntagsmahl nutzt sein Eßbesteck zu anderen Zwecken als jenem der Nahrungsaufnahme.

Ihr nettes Häuschen mit dem kleinem Garten hat was von trautem Heim. Gastfreundlich sind sie zudem, ladensich wie einst Werner Höfer für seinen Frühschoppen Diskussionspartner für politische oder weltanschauliche Debatten
an den Mittagstisch. Toleranz aber scheinen die fünf jungen Hausbewohner (u.a. Cameron Diaz, Courtney B.Vance, Annabeth Gish, Ron Eldard) nicht gerade ausreichend gelöffelt zu haben. Radikale Ansichten ihrer Gäste bringen sie vollends auf die Palme. Nachdem es erstmals mit dem den Holocaust leugnenden Zack (Bill Paxton so explosiv wie "Apollo 13") zu einem Handgemenge
mit tödlichem Ausgang kommt, dienen künftige Einladungen der gezielten Beseitigung erzkonservativer Meinungsvertreter.Bis zum Nachtisch dürfen sich die Kandidaten bei von den Gastgebern geheucheltem Verständnis quasi "auskotzen", ein giftiger Schlußtrunk sorgt dann dafür, daß
der Geschichte die Möglichkeit eines zweiten "Hitler" erspart bleibt. Ihre These: Wäre Hitler als junger Mann gestorben (oder umgebracht worden), was wäre der Welt erspart geblieben. Entsprechend legitimieren die teuflischen Köche ihren Vorgriff auf noch nicht geschriebene Geschichte.

Mit der Zahl der Opfer wächst im Garten auch die Zahl der Tomatenbeete, im Küchenschrank häufen sich Gläser mit Tomatenmus. Doch auch die Zweifel im Haus
der Gastgeber nehmen zu. Zudem bricht leichte Panik aus, nachdem ein in einer anderen Angelegenheit ermittelnder Sheriff (Nora Dunn) wiederholt anklopft. Eine Einladung wird in diesem Fall erst gar nicht ausgesprochen. Womit nicht nur die Protagonisten in der Klemme sitzen, sondern auch Regiedebütantin Stacy
Title. Einen befriedigenden Schlußstrich unter das Schlamassel bekommt sie nämlich nicht hin. Den Karren in den Dreck setzt sie dabei schon weit früher, indem sie die Handlung durch Wiederholung des Henkerrituals zu eindimensional verlaufen läßt. Nicht die Anzahl der Gäste und deren unterschiedliche Anschauungen sind entscheidend, sondern die Bereitschaft, Gespräche auch
konstruktiv zu führen. Diese Erkenntnis freilich kommt bei "Last Supper" trotz seiner guten, stark an "Kleine Morde unter Freunden" erinnernden Struktur zu spät.






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