VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Zwei Tage L.A. (1996)


Verleih-Info: "Eine rabenschwarze Komödie zwischen 'Pulp Fiction' und 'Short Cuts"'. Ist das ein Lob oder eine Beleidigung? In diesem Fall wohl letzteres, spricht man mit einer solchen Beschreibung einem Film doch jegliche Eigenständigkeit ab. "Zwei Tage LA" ist nämlich bei weitem kein Abfallprodukt zweier Kultfilme, kein mittelmäßiges "Zwischending", sondern das erfrischende Leinwandcomeback des Fernsehregisseurs John Herzfeld.

Zwei Tage im Frust- und Depressionstal von Los Angeles, Großstadtmoloch unter der Dunstglocke. In dieser anonymen und kriminellen Stadt treffen Menschen aufeinander, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben. Und jeder ist bepackt mit seinen ureigenen größeren oder kleineren Bösartigkeiten und Verzweiflungstaten. Aber diese nur allzu persönlichen menschlichen Schattenseiten ziehen unverhofft größere Kreise, ufern aus und greifen
in die privaten Sphären scheinbar Unbeteiligter und Unschuldiger ein.

Ein eiskalter Profikiller entledigt sich nach erfolgreich ausgeführtem Auftrag seines alternden Partners. Doch wie sehr eine kugelsichere Weste für spätere Komplikationen sorgen kann, soll sich bald herausstellen. Ein gestreßter Kunsthändler mit Nierensteinleiden läßt seine Launen hemmungslos an der eingeschüchterten Ehefrau aus. Doch schnell soll sich das Blatt wenden, denn nichts bleibt, wie es ist.

Veränderungen und Umstürze: Suizidgedanken frustrierter Altregisseure verwandeln sich in strotzenden Lebenswillen. Mauerblümchen erblühen in selbstbewußter Pracht. Unbesiegbare erleiden bittere Niederlagen. Und das alles, weil der Faktor Zufall rücksichtslos sein Unwesen treibt.

John Herzfeld ist es mit bemerkenswerter Virtuosiät gelungen, all jene kleinen Zufälligkeiten zu einem großen, augenzwinkernden Filmfall zu verarbeiten. Die anfangs unabhängig voneinander scheinenden Personenkreise schieben sich mehr und mehr übereinander, die Schnittmenge, die Gemeinsamkeiten werden immer deutlicher, bis daß sich zum Schluß ein einziges Handlungsrund herausbildet.

Rund und stimmig ist die Story, denn je mehr man sich in den Beziehungsfäden verfängt, desto eher beginnt man das Auftauchen einer Person im fremden Handlungsrevier zu erahnen. Man hofft es, erwartet, daß schließlich alle Figuren im gleichen Netz zappeln.

Und das macht Spaß, nicht zuletzt aufgrund eines James Spader ("Sex, Lügen und Videos", "Stargate"), dessen sonst so bubenhaftes Gesicht sich in die bizarre bebrillte Visage eines Stoppuhr-verliebten Auftragsmörders verwandelt hat. Man glaubt ihn kaum wiederzuerkennen. Auch der schauspielerische Rest bewegt sich auf konsequenten Image-Abwegen. Danny Aiello mit Haartoupet kann man sich noch vorstellen, doch Jeff Daniels als Cop im Jesus-Look und Eric Stolz als eifriger, naiver Polizeikollege sind so grotesk, daß sich der Film allein schon wegen dieser Typen lohnt. So ist der Film gänzlich gegen den Strich besetzt, und diese Besetzung sitzt: unberechenbar, markant und die Lachmuskeln fesselnd.

Diese abgedrehten Gestalten sowie blutspritzende Schußverletzungen mögen zwar an "Pulp Fiction" erinnern, das Geschichtenkonstrukt vielleicht auch an "Short Cuts". Doch "Zwei Tage LA" ist wie gesagt kein billiger, mittelmäßiger Abklatsch, sondern ein sehenswertes, unterhaltsames Einzelstück.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.