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Kritik: Female Perversions (1996)


Die Vielzahl (langatmiger) literarischer Traumsequenzen und philosophischer
Aphorismen über “Sex auf Klospruch-Niveau” wurde derart mäßig in Szene gesetzt, daß sich der Gedanke aufdrängt, man würde das naive Erstlingswerk eines Filmstudenten betrachten.
Ein Grund für dieses “Versagen” ist die unglückliche Wahl der Schauspieler. Tilda Swinton spielt Eve, eine Neuzeit-Power-und-Kariere-Frau, erfolgreiche Anwältin und Anwärterin auf das Amt eines Richters. Ihre Schwester Madelyn, gespielt von Amy Madigan, ist eine Doktorandin die kurz vor ihrem Abschluß steht. Beide Figuren sind unglücklicherweise völlig unglaubhaft. Eve zeigt bei ihrem einzigen Auftritt in einem Gerichtssaal ihre Unfähigkeit zu Kommunizieren und reagiert derart überspannt emotional, daß sie eher einen guten Psychopaten abgeben würde. Madelyn steht kurz vor ihrer Promotion. Sie zieht aber den Ladendiebstahl ihrer Vorbereitung zum Rigorosum vor und wird unversehens festgenommen. Sie ist derart resolut und aufbrausend, daß einem ihre zukünftigen Studenten nur leid tun können.
Susan Streitfeld präsentiert das zentrale Thema des Films, das ver(w)irrte Sexualleben moderner Frauen, zu eindeutig - zu geradlinig - zu algorithmisch. Ähnlich einem Ablaufdiagramm präsentiert sich die Handlung - ohne überraschene Wendungen. Alles in diesem Film stellt irgend etwas dar, ist mit einer bestimmten Bedeutung behaftet - unnötig zu sagen, daß es sich dabei immer um das “Austauschen von Körperflüssigkeiten” dreht.
Gefährlich nahe kommt “Female Perversions” an Filme aus dem Soft-Porno-Lager heran. Ähnlich der “Wilden Orchidee” trieft “Female Perversions” vor sexueller
Selbstbefriedigung - was nicht unbedingt wundert, denn schließlich ist der Produzent von “Wilde Orchidee” der Co-Produzent in diesem Streifen...
Ausgehend von der eher sachlichen Vorlage spielt in “Female Perversions” nicht die Figur - der Charakter - die Hauptrolle sondern ein stereotyper Abklatsch des gleichen. Die Schauspieler, sei es aufgrund mangelnder Erfahrung oder des inkonsequenten Drehbuchs, kommen zu keiner Zeit glaubwürdig mit Ihrem Spiel rüber und all das kann man nicht mit einigen “freizügigen” Szenen ausgleichen.
“Female Perversions” ist in gewisser Weise faszinierend und gleichzeitig übertrieben tendenziös. Eine verschrobene Idee die man getrost in einem alten Sachbuch hätte lassen sollen.






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