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Kritik: Crash (1996)


Crash ist kurz gesagt ein schnellebiger Thriller eines respektierten und provokativen Regisseurs. Basierend auf dem Roman von J.G. Ballard scheint "Crash" eine Präsentation der verschiedensten Sexpraktiken zu sein.
Der Film beginnt mit Sex im Flugzeug und endet mit Sex im Auto. Dazwischen wird der Zuschauer mit allerlei absonderlichen sexuellen Obsessionen und, wahrscheinlich zum ersten Mal, mit dem Wort "anus" konfrontiert. Hätte man "Crash" als Soft-Porno eines unbekannten Regisseurs vermarktet, so wäre es höchstwahrscheinlich als Genrenprimus mit exzellenten Produktionswerten gelobt worden. Glücklicherweise ist das Schauspiel der Protagonisten, speziell das der Deborah Unger als Ehefrau des Unfallopfers James Ballard, äußerst frisch und erstaunlich vielfältig. Nun, das Element, das all diese Menschen in derart exzentrische Situationen führt, ist ein sehr erstaunliches: Alle Beteiligten sind Unfallopfer. Diese Erfahrung in den Randbezirken zwischen Leben und Tod bildet für die Überlebenden eine ganz spezielle Art von Freiheit, DIE Erfüllung aller Sehnsüchte und Wünsche. Der Unfall entwickelt sich zur Sucht und wird entsprechend zelebriert - oder wie es der Führer der Gruppe Vaughan ausdrückt: Der Unfall vermengt die sexuelle Energie der Toten mit der der Lebenden und kreiert eine Intensität gleich der des ultimativen Orgasmus.

Vaughan wiederholt berühmte Autounfälle wie zum Beispiel den des James Dean und versucht so, ganz ohne Polster und Stuntleute, das spezielle "feeling" nachzuleben. Die Verbindung zwischen Sinnlichkeit und Behinderung wird in "Crash" nicht zum ersten Mal thematisiert - man denke z.B. an die Bilder von Helmut Newton. Cronenberg bringt diese Verbindung durch die Figur der Gabrielle (Rosanna Arquette) erfolgreich ins Bild - ein Krüppel im schwarzen Minirock und Stützkorsett - inklusive Aschenbecher. Cronenberg hat einen, die Zeit fortschreitender Technisierung all unser Lebensbereiche charakterisierenden Film geschaffen. Ein wenig abstrakt und undurchsichtig, aber aufgrund seiner genialen Idee und guten Umsetzung nicht minder interessant.





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