VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Tin Cup (1996)


Regisseur Ron Shelton ("Weiße Jungs bringen's nicht) und Kevin Kostner ("Waterworld") haben 1988 am Baseball-basierten Kinoerfolg "Annies' Männer" zusammengearbeitet. Nun könnte man annehmen, daß wenn sich die beiden erfolgsverwöhnten Männer erneut zusammentun, um einen weiteren Sportstreifen
zu drehen, sie frischen Wind in den trüben Kinospätsommer bringen würden.

Um Golf, eine Sportart bei der wenig bis gar nichts passiert, als Thema für eine Komödie interessant zu machen, muß man entweder unheimlich erfinderisch vorgehen oder eine ganz besondere Geschichte haben. Leider ist "Tin-Cup" nur
unwesentlich weniger langweilig als für einem durchschnittlichen nicht Golf-interessierten Zuschauer das Beobachten eines Golfturniers im Fernsehen.

Costner spielt Roy "Tin Cup" McAvoy, einen brillianten aber undisziplinierten Golfer, dessen Einstellung ihn um eine potentiell lukrative Kariere gebracht hat. Statt dessen vegetiert er in einem beengten Wohnwagen am Rande eines texanischen Kaffs und gibt in einer Bruchbude von Golfschule unbedarften aber lebenslustigen Anfängern Trainingsstunden.

Als Dr. Molly Griswold (Rene Russo) eines Tages hereinspaziert, um ihren "Swing" zu verbessern, brennt bei Roy, trotz ihrer zickigen und humorlosen Art, eine Sicherung durch. Wie auch immer kommt schließlich heraus, daß sie mit Roys langjährigem Rivalen, dem selbstsüchtigen David Simms (Don Johnson) leiert ist. Diese Tatsache gibt Roy genügend Triebkraft, sein Leben und sein Spiel, um bildlich zu sprechen, auf "par" zu bringen, seinen ewigen Konkurrenten zu konfrontieren und Mollys' (kaltes) Herz zu erobern. Roy, der aufbrausende und ständig angetrunkener Verlierer und Molly, die Personifizierung eines Eimers eiskalten Wassers, bilden zusammen ein eher unattraktives Paar Protagonisten.

Obwohl einige durchaus witzige Stellen vorhanden sind, die wahrscheinlich
in jedem anderen Film einen Lacher wert wären, verkümmern sie jedoch vor dem trostlosen und apathischen Hintergrund der Charaktere und ihrer Handlungen. Molly mutiert im Laufe der Geschichte aufgrund aufkommender (romantischer) Gefühle für den verwahrlosten Roy vom menschlichen Eisblock in eine Art "bekloppten", einfältigen Trottel, aber selbst in dieser Rolle ist sie
nur schwer zu ertragen.

Während sich die Handlung ihrem Höhepunkt nähert - der Konfrontation von Ray und David bei den U.S. Open - versucht unerträglich laute Musik, die vermeintlich begeisternden Momente hervorzuheben - vergeblich!

Es ist einfach nichts spannendes und herzerwärmendes an einem kleinen weißen Ball, der zum x-ten Mal durch die Luft fliegt; daran können auch die Handvoll Golf-Prommis nichts ändern.

Am Ende weiß man nicht, ob die Moral der Geschichte nun das "Spielen auf Sicherheit" oder "Alles oder Nichts" ist. "Tin Cup" hätte trotzdem eine durchschnittliche Komödie werden können, wäre ihre Laufzeit nur näher an der 90-Minuten-Barriere angesiedelt gewesen. Aber 2 Stunden und 14 Minuten purer Langeweile und abgedroschener Rocky-Klischees rauben dem Film selbst den letzten Funken Sympathie.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.