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Alaska - Die Spur des Polarbären
Alaska - Die Spur des Polarbären

Kritik: Alaska - Die Spur des Polarbären (1996)


Mit einem Titel wie er gut zu einem Roman von James Michner passen würde präsentiert ALASKA den neuesten "Kinder-und-ein-niedliches-Tier"-Streifen. So entpuppt sich ALASKA als eine Anhäufung von wohlbekannten Bausteinen und Elementen. Nichts was man nicht schon in einem anderen Film gesehen hätte: Die Kinder sind schlauer und mutiger als die Erwachsenen, ein riesiges natürliches Hindernis, das es zu bewältigen gilt und, wahrlich unvermeidlich, wilde Tiere, die sich im Verlauf der Handlung als ausgesprochen nützlich erweisen (Keiner hat bei der vergnüglichen Musik von Reg Powell Angst vor einem Polarbären). Erinnern Sie sich an "Malen nach Zahlen?". Das Problem bei einem nach diesem Prinzip gestrickten Drehbuch ist unweigerlich der Verlust an Tiefgründigkeit und Individualitdt der Charaktere - seien sie noch so prominent! ALASKA offeriert uns somit ein paar "Marionetten", die sich auf niedrigsten Niveau redlich bemühen unsere Sympathie auf sich zu ziehen. "Heute schon" die Tränendrüse aktiviert?
Auf einer ganz anderen Warte steht dagegen DAS Charakteristikum dieses Filmes: Die Kameraführung! Tony Westman, in ALASKA für die Aufnahmen zuständig, zeigt uns ein Feuerwerk an phantastischen und atemberaubenden Bildern. Es ist zugegebenermaßen schwer vorstellbar, daß man mit solchen wunderschönen örtlichen Gegebenheiten einen Film versauen könnte, aber Tony Westman nutzt alle Vorteile der Lokalitdten und läßt uns staunend an der Schönheit und natürlichen Vielfalt der Umgebung teilnehmen. Ich gehe sogar soweit und sage, daß ALASKA als Reisefilm wahrscheinlich erfolgreicher wäre als als Abenteuer - Zu oft ertappte ich mich dabei, wie ich dem Panorama im Hintergrund mehr Beachtung als der eigentlichen Handlung schenkte. Vergessen wir die nur mäßig entwickelten Charaktere, die dummen Ungereimtheiten im Handlungsablauf und drehen wir diesen Film im IMAX-Verfahren - das Resultat wäre wahrscheinlich ein Knüller. Die gesamte Geschichte, so sie denn eine ist, dreht sich um bekannte Situationen und schwer zu verdauenden Ungereimtheiten.Wahrscheinlich werden Kinder unter 10 Jahren beeindruckt sein, aber jeder, der auch nur den geringsten Grad an Komplexitdt von seiner filmischen Unterhaltung erwartet, wird hier bitter enttäuscht! Ein paar eingestreute Aktion-Szenen mögen dem Zuschauer, zumindest zeitweilig, vergessen lassen, was die Darsteller in diese verzwickten Situationen gebracht hat. Unglücklicherweise sind solche Szenen wie der Kampf mit den Stromschnellen oder das Besteigen eines Berges nicht einnehmend genug, um einem scharfsinnigen Zuschauer die Schwäche des zugrunde liegenden Materials zu verheimlichen.
Alles fängt damit an, daß der Pilot Jake Barnes (Dirk Benedict) nach dem Tode seiner Frau mit seinen beiden Kindern Jessie (Thora Birch) und Sean (Vincent Kartheiser) von Chicago nach Alaska zieht.Jake und Jessie scheinbar leicht über den Tod der Ehefrau und Mutter hinweg kommen , einzig und allein Sean hat große Mühe sich an sein "neues" Leben zu gewöhnen. Er vermißt seine Mutter und geht sogar soweit, daß er sich wünscht, sein Vater wäre anstelle seiner Mutter gestorben. Eines Nachts auf dem Heimflug gerät Jake in einen Sturm und stürzt irgendwo nahe einem Gipfel namens "Devil's Thumb" ab. Als die eingeleitete Rettungsaktion ergebnislos verläuft, machen sich die zwei unerschrockenen Kinder, begleitet von einem Polar-Bären-Jungen, den sie von den Klauen eines Wilderers (Charlton Heston) befreit haben, auf den Weg Jake zu finden. Manch einer mag sich wundern, warum ein Schauspieler mit Rang und Namen eines Charlton Heston sich auf solch eine Rolle herabläßt; bedenkt man, daß der einzig weitere bekannte Name in diesem Streifen Dirk Benedict ist - eine drittklassige Persönlichkeit aus TV-Serien wie "A-Team" und "Kampfstern Galaktika". Das Geheimnis ist, wie dem auch sei, schließlich doch nicht so mysteriös: Der Star aus Helden-Epen wie "Ben Hur" und "Die 10 Gebote" ist Regisseur Fraser C. - Heston's Vater!
Die Zwei Kinder, Vincent Kartheiser und Thora Birch sind erfreulicherweise "frische" Gesichter die sich bereits einiger Auftritte rühmen können.Keiner von beiden spielt seine Rolle besonders gut oder besonders schlecht obgleich das Drehbuch mehr ihre physischen denn ihre schauspielerischen Qualitdten fordert. Zudem werden sie unglücklicherweise (oder glücklicherweise, je nachdem welchen Standpunkt man vertritt) von ihrem vierbeinigen Gefährten permanent in den Schatten gestellt. ALASKA wäre ohne die starke Dosis Ur-Amerikanischen-Mystizismus,
die in das Drehbuch injiziert wurde, geringfügig besser ausgefallen. Ein weiteres unglückliches Element dieses Filmes sind die Wilderer. Als ob das Terrain nicht schon Gefahr genug wäre, bringt man noch die Bösartigkeit des Menschen hinzu. Aber, so wird schließlich doch deutlich, gesetzt dem Fall die Autoren hätten diese Elemente um ein gehöriges Maß estutzt, so wäre der Film trotzdem an seine durch das "Malen-nach-Zahlen"-Genre gesetzten Grenzen gestoßen. Es wäre wirklich eine willkommene Abwechslung, ein Werk dieser Konzeption von jemanden zu sehen, der es darauf ankommen läßt und diese Grenzen endlich sprengt! Als solches ist ALASKA eine vergebene Gelegenheit. Dieser Film geht auf Nummer sicher und wird als Resultat daraus dem Weg seiner (besseren) Vorgänger folgen: "Das phantastische Abenteuer mit Kindern und Tieren" - auf dem Schnellweg in die Familien-Abteilung der Videothek.




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