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Kondom des Grauens - Udo Samel
Kondom des Grauens - Udo Samel
© Ascot

Kritik: Kondom des Grauens (1996)


Die Rache der Moralhüter

In der Bibel steht's geschrieben, der Mann soll nicht beim Manne liegen. Hört sich stark nach Wilhelm Busch an. Ist er aber nicht. Ralf König, erfolgreicher deutscher Zeichner und Erfinder von Schulencomics, spricht diesen Gedanken sinngemäß aus. Nach der Verfilmung seines "Bewegten Mannes" ist nun das phallenbeißende "Kondom des Grauens" drauf und dran, zum Kassenrenner zu werden. Das Drehbuch der phantastischen "Splash-and-Crime"-Komödie orientiert sich dabei an den beiden erfolgreichen Comics "Das Kondom des Grauens" und "Bis auf die Knochen". Die Nähe zur Originalvorlage hat König durch tägliche Anwesenheit am Set strengstens überwacht, was sich neben der Story selbst auch in der trefflichen Besetzung positiv wiederspiegelt. Udo Samel ("Kaspar Hauser") als kettenrauchender Komissar Luigi Mackeroni schlurft und bewegt sich so stilecht durch den Film, als sei er eben erst dem Comicband entstiegen. Die Jagd des schwulen Bullen nach dem in einem New Yorker Quickiehotel wütenden Kondom wirkt auf Leinwand indes noch absurder und überzogener als gezeichnet oder - wie in Stuttgart bereits zu sehen war - mit Puppen gespielt.
Das gefrässige Gummi zum Leben erweckt hat Jörg Buttgereit, dem der Umgang mit Schleim und Blut schon in den eigenen Filmen "Schramm" oder "Nekromantik" sichtliches Vergnügen bereitet hatten. Sein Killerkondom, daß selbst vor schnüffelnden Nasen nicht Halt macht, erinnert dabei stark an jene Perspektive, die man beim Blick ins Maul des weißen Hais haben könnte: scharfe Zähne vor glibbrigem Schlund. Im unausgerollten Zustand
wiederum erscheint das gefährliche Objekt für den Schutz bei der Begierde als niedliches Gespenst Ö la "Casper". Die durchaus nicht appetitlichen Szenen nimmt man in Anbetracht der ohnehin verrückten, mit bierernster Miene erzählten Handlung gerne in Kauf. Gegenüber dem "Bewegten Mann"
gefällt das "Kondom des Grauens" durch die Elemente des Phantastischen, durch die näher am Comic liegende Schrille. Daß am Ende wieder eine Bekehrung im Sinne 'Akzeptanz von Homosexualität' eintritt, überrascht keineswegs. Überraschend dafür die Riege hochklassiger Schauspieler, die Regisseur Martin Walz verpflichten konnte: Peter Lohmeyer ("Bunte Hunde"), Iris Berben ("Peanuts"), Hella von Sinnen, Otto Sander, last not least Ralf Wolters als Rote Grütze liebende Schlüsselfigur. Bibel hin, Bibel her: diese erste "Kondomödie" lohnt wirklich.




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