VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Unter Brüdern (1996)


Seinen Abschied vom Knast feiert der kahlrasierte Joey (Tim Roth) mit sichtbar innerer Zufriedenheit. Was wird das Leben "draußen" für ihn bringen? Wird er es schaffen? Vor allem der amerikanische Originaltitel läßt schlimmes befürchten: "No Way Home". Doch Joey ist nicht der Killertyp, als der er hingestellt wird und weswegen er einsaß. Das merkt auch die Frau seines Bruders, die der Heimkehr des Schwagers zunächst eher skeptisch gegenüber steht. Mit der Zeit lernt sie Joey kennen - und erst recht ihren Mann.

Lange hält Regisseur Buddy Giovinazzo mit den Hintergründen für Joeys sechsjährige Haftstrafe hinterm Berg. Ein Mord soll es gewesen sein, aber so recht will man das nicht glauben. Da genügt der Blick in das kindliche Antlitz des eben Entlassenen der als erste Aktion in der Freiheit einen Süßigkeitenladen betritt. Noch mal will er nicht mehr hinter Gitter, ist schon zufrieden mit unterbezahlten Fensterputzerjobs. Trotzdem gerät er immer wieder in Situationen, wo ihm die Faust auszurutschen droht. An seinem Bruder Tommy (James Russo), ein "tough guy" wie er im Buche steht, hängt er wie eine Klette. Der Vergangenheit wegen. Doch die brüderlichen Bande und das Vertrauen beginnen zu bröckeln.

Nach über zehn Jahren Abstinenz ist Buddy Giovinazzo nach einer Reihe von Musikvideos und dem Schreiben von Drehbüchern wieder zum Spielfilm zurückgekehrt. In den USA gilt er als Erbe von Tarantino und Rodriguez. Dem vorliegenden Werk ist das nicht anzusehen, auch wenn zwischendurch ein wenig und am Ende reichlich Blut fließt. Die Staerke von "Unter Brüdern" ist zunächst der undurchschaubare Thrill, der nach und nach gewährte Einblick in die Psyche der drei Hauptfiguren. Deborah Kara Unger (zuletzt in "Crash") als blonder Engel ist eine atemberaubende Wucht, den Engländer Tim Roth im breiten Staten-Island-Slang reden zu hören sowie ihn als schicksalsergebenen Langsamdenker spielen zu sehen ein Genuß.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.