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Kritik: Convent (2000)


Es passiert nicht oft, aber gelegentlich halt doch, dass sich unter dem üblichen Ramsch der Videopremieren eine Perle befindet, die aus einer Verkettung unglücklicher Umstände nicht den Weg ins Kino gefunden hat. Und deshalb lohnt es sich für Cinéasten auch nach wie vor, die entsprechenden Rubriken mit Hinweisen auf neue Videos der diversen Fachblätter nicht völlig zu ignorieren. Mehrfach wurde vor ca. zwei Jahren dem erwachsenen und eher hartgesottenen Publikum ein Film nahegelegt, der mit seinem unscheinbaren Titel "Killers" in der Videothek nicht unbedingt das Interesse auf sich gezogen hätte. Wer dem Tip seinerzeit gefolgt ist und das Werk gesehen hat, wird es so schnell nicht vergessen. "Killers" von Mike Mendez ist ein höchst originelles und verblüffend moralfreies Füsilierfilmchen, in dem ungemein lustvoll die heiligen amerikanischen Familienwerte verhöhnt werden. Prädikat: besonders gemein und unbedingt sehenswert. Leider gilt dies für Mendez’ neuesten Film nicht. Bei "Convent" wurde zwar das Genre gewechselt, geblieben ist der unbedingte Wille zur Tabuverletzung. Nun mag es ja durchaus als schwarzhumorig süffisant durchgehen, wenn z. B. genussvoll Nonnen gequält werden, aber dies sollte bitteschön filmhandwerklich sauber im Rahmen einer zumindest leidlich entwickelten Geschichte geschehen. Davon ist Mendez’ grelle Splatterkomödie, die zurecht beim diesjährigen Fantasy-Film-Festival keine Beachtung fand, meilenweit entfernt. Seit 40 Jahren steht die St. Francis Klosterschule für Mädchen leer. Der blutige Amoklauf der Schülerin Christine sorgte seinerzeit für die abrupte Einstellung des Lehrbetriebs. Ihren Angriff mit Baseballschläger und Pumpgun überlebte kaum eine der Nonnen der Anstalt. Heute sind die schrecklichen Ereignisse Legende. Und die wird immer wieder von Jugendlichen herausgefordert. In dem verfallenden Gemäuer soll es nämlich spuken. Die dämonischen Geister der toten Nonnen sinnen nach Rache...heißt es. Gerade bricht wieder eine Gruppe Collegestudenten in das alte Kloster ein, um eine gruftige Party mit Whiskey und Marihuana zu feiern. Doch das fröhliche Beisammensein entwickelt sich gänzlich anders als geplant, und als die Schüler schließlich merken, was für einen Tanz der Teufel sie da heraufbeschworen haben, ist es fast zu spät. Ausgerechnet Clarissa, der Angsthase der Gruppe, kann dem Inferno entkommen. Sie flieht direkt in die Arme der nunmehr 55jährigen Christine. Die Amokläuferin von einst lebt mittlerweile zurückgezogen in einem abgelegenen Haus. Als Clarissa atemlos von den Vorgängen im alten Kloster berichtet, sind ihr die Zusammenhänge schnell klar. Wenig später machen sich die beiden ungleichen Frauen – bis an die Zähne bewaffnet – noch einmal auf an den Ort des Schreckens. Klingt für Fans gar nicht so schlecht und hätte auch das Zeug zu einem vergnüglich trashigen Gore-Happening. Leider funktioniert das Ganze aber an keiner Stelle. Zu lausig die Machart, zu öde die Story, zu schlecht die Tricks, zu hahnebüchen die Dialoge ("Ich puste dich weg Dämonenschlampe"). Damit ist Mike Mendez, vor kurzem noch zum neuen Tarantino hochgejubelt, bereits mit seinem zweiten Film böse abgestürzt. Einen Versuch hat er noch !




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