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Kritik: Mörderischer Tausch (1996)


An amerikanischen High Schools gibt es eine Menge Probleme. Das wissen wir spätestens, seitdem die Welle amerikanischer High-School-Filme auch nach Europa herüberschwappte. Filme wie "Der Prinzipal" mit James Belushi oder "Dangerous Minds" mit Michelle Pfeiffer zeigten, wie Gewalt, Drogen und Kriminalität an innerstädtischen High Schools um sich greifen.
Dieses Mini-Genre der High-School-Filme wurde in "The Substitute" nun mit den Zutaten des Action- und Söldnerfilms sowie des Drogenthrillers verquirlt. Herausgekommen ist ein leicht verdaulicher, bunter Film, der sich, oft mit Rap-Musik unterlegt, vor allem an ein jüngeres Publikum richtet, der die Probleme, die er aufgreift, aber nur an wenigen Stellen wirklich ernst nimmt. Trotz seiner lockeren Verpackung strotzt der Film nur so vor Gewalt. Diese Gewalt wird dem Zuschauer als einfachste Lösung der vielen Probleme angeboten. Es ist der Söldner Shale (Tom Berenger), der, nachdem ihn das CIA ausgemustert hat, an der High School des korrupten Schulleiters Rolle (Ernie Hudson) ein neues Schlachtfeld gefunden hat. Gemeinsam mit seinem Team deckt er den illegalen Drogenhandel auf, den Rolle mit Hilfe der Schülergang K.O.D. (Kings of Destruction) betreibt. Der Film setzt auf einen psychologischen Effekt, der, obwohl oft benützt, immer wieder greift: Einige Bösewichte nutzen ihre unschuldigen Opfer gar grausam aus und wiegen sich in Sicherheit. Da werden sie plötzlich mit einem Gegner konfrontiert, der ihnen überlegen ist und ihnen kräftig eins auf die Mütze gibt. Der Zuschauer sieht sein Bedürfnis nach Gerechtigkeit in der Welt befriedigt und lehnt sich wohlig im Kinosessel zurück. Ungemein wichtig für einen Film wie "The Substitute" ist natürlich, daß die "böse" und die "gute" Seite einfach und plakativ voneinander zu unterscheiden sind: Der Zuschauer soll schon wissen, wer wen erschießen darf.
Auffällig ist in diesem Film - typisch für amerikanische Action - eine ausgeprägte Faszination für Waffen und Technik. Es sind eben vor allem diese beiden Komponenten, die es den Söldnern ermöglichen, die Geschichte, wenn schon nicht zu einem Happy End, so doch wenigstens zur Erfüllung ihres Auftrags zu führen. In einem blutigen Showdown bewegen sich schwarz gekleidete, mit Tarnfarbe geschminkte Männer durch dunkle Gänge, schwer bewaffnet und in strenger Choreographie, bis alle außer Shale und dessen Freund Joey das Spiel verloren haben.
So weit nichts Neues. Langweilig wärís, würden nicht Schauspielveteran Tom Berenger und seine Kollegin Diane Venora dem Film unter der Regie von Robert Mandel ein wenig Leben einflößen. Berenger spielt die Figur des Söldners Shale als einen robusten, lebenserfahrenen Mann, der aber das Herz am rechten Fleck hat. Problemlos wandelt er sich vom Soldaten zum Lehrer und findet Gefallen an seinem neuen Job. Es gelingt ihm tatsächlich, eine Verbindung zu den vorher scheinbar unzugänglichen Schülern aufzubauen, denn er hat eines mit ihnen gemeinsam: Sowohl er als auch die Kids haben die Schlachtfelder des Lebens schon oft gesehen. Diane Venora spielt die Lehrerin Jane Hetzka, die Frau in Shales Leben, als einen übermütigen, temperamentvollen Charakter - engagiert, aber auch ein wenig kindlich. Ihr gelingt es dabei, dem Film eine Prise Komik zu verleihen.

"The Substitute" hat durchaus witzige und spannende Momente. Doch wirkt die Story arg konstruiert und die Action stereotyp, so daß man den Streifen nicht unbedingt gesehen haben muß.





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