VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Fallen Angels (1995)


FALLEN ANGELS - Unter der Sonne des Neonlichts
Wieder schwinden die Sinne. Schon mit seinem Film Chungking Express hatte Hongkong-Mann Wong Kar-wei eine eher unwichtig Story mit wilden, faszinierenden Bildern vorgestellt. Bilder, die selbst MTV-erfahrenen Konsumenten Äußerstes abverlangten. Mit rasender Kamera, extremen Weitwinkeleinstellungen und einem Faible für die Sorgen vereinsamter, perspektiveloser Stadtmenschen hinterläßt der Regie-Punk Verwirrung und Verstörung. Auch Fallen Angels schlägt wieder in diese Kerbe.

Diesmal hat der 1958 in Shanghai geborene Wong Kar-wei die drei Haupthandlungsstränge allerdings so miteinander verbunden, daß sich hier und da Berührungspunkte ergeben. Dies mitzubekommen erfordert hohe Aufmerksamkeit. Den Helden der Episoden - ein Killer, seine Agentin, ein stummer Irrer sowie eine aufgedrehte blondgelockte Asiatin - gemeinsam ist die Suche nach einem Lebenssin
und nach Partnern. Beides zu finden scheint in der offenbar nur neonbeleuchteten Kunstwelt Hongkongs unmöglich zu sein. Eine rasende, haltlose Kamera (als ob Kameramann Christopher Doyle mit ihr tanzen würde), verwischte Bilder, Einfälle wie der zum Eisessen gezwungene Eisverkäufer oder nächtliche
Ritte auf toten Schweinehälften zeigen den Wahnsinn, die Sinn- und Ausweglosigkeit dieses unbegreifbaren Universums. Nouvelle Vague meets MTV-Chaos meets Hongkong-Action.

Die Figuren, in ihrer Verrücktheit einzigartig, erscheinen wie von einem anderen Stern, Kometen auf einer eigenen Umlaufbahn, die sich durch nichts von ihren undefinierbaren Zielen abhalten lassen. Keiner kann sagen, was passiert. Man muß sich mit ihnen treiben lassen, sich dem Rhythmus hingeben, zwischendurch
auch mal bei grobkörnigen Schwarzweißaufnahmen in Slow Motion verweilen, sich rückbesinnen, die Hektik der letzten Bilder verdauen. Kommentiert wird zumeist aus dem Off, Kommunikation der Figuren untereinander findet kaum statt. Auch dies ein Aspekt der Trostlosigkeit dieser von der Neonsonne bestrahlten Schattenwelt. Genial gestylt ist sie, aber vielleicht eben eine Spur zu modern.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.