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Kritik: Michael (1996)


Nachdem uns vor kurzem Denzel Washington ("Rendezvous mit einem Engel") als Himmelsbote beglückte, darf nun John Travolta auf die Erde herabsteigen. So weit hergeholt ist das gar nicht, zumal wir ja bestens seine überaus religiöse Ader kennen. Und Johnnyboy als Engel Michael ist wahrlich ein sehenswerter Anblick, wenn er morgens mit verkatertem Gesicht und diversen Handgriffen zwischen den Beinen die Treppe herunterstolziert. Michael hat anscheinend das göttliche Erziehungsprogramm versäumt, denn er rülpst, schlürft und kleckert sich durch das Angebot seiner irdischen Gastgeberin, einer älteren Dame, die ihr kleines Geheimnis natürlich nicht für sich behalten kann und flugs ein Boulevardblatt verständigt.

Für das Skandalblättchen und seinen Herausgeber Vertan Malt (Bob Hoskins) ist diese Story ein gefundenes Fressen, und natürlich werden sofort zwei Topjournalisten (William Hurt und Robert Pastorelli) sowie eine angebliche "Engelsexpertin" (Andie McDowell) auf die heiße Geschichte angesetzt. Und so nimmt das gottgewollte Schicksal seinen Lauf, denn Michaels
Mission auf der Erde ist nicht ganz ohne Sinn.

Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron lieferte uns in der Vergangenheit schon einmal zwei himmlische Werke, zwar ohne Engel, aber ebenfalls mit Geschichten zwischen komödiantischem Geschick und triefendem Kitsch. In "Harry & Sally" führte Gottes Hand zwei umherirrende Schäfchen auf den rechten Weg, und auch Tom Hanks mußte sich in Seattle um seinen Schlaf bringen lassen.

"Michael" scheint auf den ersten Blick diese Tradition fortzusetzen, doch bleibt der Film weit hinter den über den Wolken schwebenden Erwartungen zurück. Das Feingefühl, das "Schlaflos in Seattle" zum mitreißenden Rührstück werden ließ, und der rücksichtslos beobachtete Geschlechterkampf zwischen Harry und Sally weichen in "Michael" einer platten und plumpen Aneinanderreihung von Gags, die selten witzig sind, meistens am Zuschauer vorbeigehen und oft genug mit ihrer Aufdringlichkeit nerven.

Einzig und allein auf der Seite des Engeldarstellers verbleiben einige Lacher, denn John Travoltas Auftritte sind so grotesk, daß einem nichts anderes übrig bleibt, als sich schmunzelnd im Kinosessel zurückzulehnen. Die aphrodisierende Wirkung himmlischen Achselschweißes, die zerrupften Flügel auf Michaels Rücken und ein Stierkampf auf offener Wiese: an diesen Stellen wird deutlich, welches Potential in der Geschichte gelegen hätte. Doch leider sind solche Passagen mehr als rar gesät und "Michael" wandelt knapp an der Peinlichkeitsgrenze. Ob er diese Grenze nun schmerzhaft übertritt, bleibt wohl letztendlich der Belastungsfähigkeit des Zuschauers überlassen.





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