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Kritik: Die Mutter des Killers (1996)


'Die Mutter des Killers'
... heißt das geniale, aber von sämtlichen Buchverlagen verkannte Werk,
das Krimiautor Theo Bono (Peter Lohmeyer) gerade vollendet hat. Was tun,
wenn einem nun an allen Ecken und Kanten die Kohle fehlt? Nun, man
täuscht mal eben kurz den eigenen Tod vor, läßt eine kopflose Leiche als
die eigene ausgeben und hat nun das perfekte Alibi, um den Vater der
Freundin ins Jenseits zu befördern, ohne daß irgend jemand dem
Schwindel auf die Schliche kommt. Denn Vati hat ein paar Kröten, und ohne
Vatis Tod kommt man halt nicht an das testamentarisch verfügte Erbe. So
einfach ist das oder so einfach sollte es eigentlich sein. Doch leider
passieren Pannen und ufern unvorhergesehene Ereignisse immer dann aus,
wenn man sie nicht erwartet. Killer können sich nicht entschließen zu
killen, abgewiesene Manuskripte erweisen sich als Bestsellermaterial,
und Beziehungskisten werden unerwartet geöffnet, geschlossen,
abgestellt.

Volker Einrauchs Kino-Regiedebut ist eine abgrundtief schwarze
Komödie, in der die locker gewickelte Geschichte nur der
Bindfaden zwischen skurrilen Situationen, grotesken Gestalten
und abgefahrenen Atmosphären ist. Kanarienvögel werden ehrvoll
zu Grabe getragen, Warzen erleben unter Alkoholeinfluß eine ungeahnte
Glorifizierung und wir bekommen endlich einmal den tieferen Sinn einer
"Fickbeziehung" erklärt. Solche komödiantischen Einfälle hatte man dem
Beziehungsstreß-geplagten deutschen Kino eigentlich gar nicht mehr
zugetraut. Doch Volker Einrauch gelang mit einem grandiosen
Schauspielerensemble der Schritt auf unentdecktes, vielversprechendes
Terrain. In nur 15 Tagen drehte er mit Minimalmitteln eine Farce in
Schwarzweiß, die für ihre Originalität auf dem Münchner Filmfest mit
dem Regie-Förderpreis ausgezeichnet wurde. Einzige Knackpunkte: Der
unglücklicherweise in den Mittelpunkt des Interesses gerückte
Hauptdarsteller Dieter Landurius als Säufer Eddie wirkt neben den
göttlich-abgedrehten Auftritten von "Weichei" Peter Lohmeyer und
Killermutti Brigitte Janner wie ein fehlbesetzter Yuppie, der auch gerne
einmal für ein paar Momente cool und kaputt sein möchte. Und an
sich ganz gute Soundtracks (die Punkband Big Balls rackerte sich
kräftig ab) verkommen leider auch zu Störfaktoren, wenn sie
mehr kommerziell-marketingtechnischen als filmisch-atmosphärischen Gesetzen gehorchen.

Doch all dies soll der Mutter des Killers nicht die anziehenden Vorzüge
nehmen, denn in welchem Film bekommt man heutzutage schon statt der
üblichen tausendfach kopierten Eierköpfe mal ein paar neue Weicheier
geliefert, und wo setzen sich kriminelle Psychopathen mal zur
Abwechslung die Goldene Kanone. Nirgendwo als in Volker Einrauchs
Killerkomödie! - Also reingehen, reinziehen und die kultigen Dialoge so oft
wie möglich rezitieren.




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