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Kritik: Zoom (2000)


"Zoom" erzählt die Geschichte einer Obsession - und der Erfüllung eines Lebenstraums. Der Einzelgänger Tom möchte mit seiner Nachbarin Wanda, einer rumänischen Edelprostituierten, sein Leben verbringen. Vorerst aber unterstützt er sie nur anonym mit dem Geld, das er ihren Freiern ohne ihr Wissen abpresst. Als sie ihm auf die Schliche kommt, macht er ihr ein Angebot: Er verhilft ihr zu dem Geld, mit dem sie ihren ekligen Gatten auszahlen kann, um ihren kleinen Sohn auszulösen, dafür nimmt sie ihn als Freund an. Die beiden beginnen, nochmals bei Wandas Berliner Freiern abzukassieren.

Dass Regisseur und Drehbuchautor Otto Alexander Jahrreiss mit diesem Thriller nicht sein Erstlingswerk vorlegt, sondern bereits zahlreiche Filme für das Kino und das Fernsehen inszeniert hat, merkt man "Zoom" an. Die geschliffene Kühle des Films, das Tempo und die filmischen Mittel greifen wie ein Rad ins andere. Dabei nimmt "Zoom" fast völlig die Betrachtungsweise der Hauptfigur Tom - mit Florian Lukas mit einem bekannteren Gesicht besetzt - ein und verlässt nur für wenige Szenen seinen Standpunkt.

Die Chuzpe, mit der Tom die Freier von Wanda ausnimmt, ist ebenso erstaunlich wie amüsant, und der Film zelebriert diesen Automatismus, welcher der ersten Hälfte des Films ihre Form und ihren Rhythmus gibt. Dies wird in der zweiten Hälfte des Films teilweise wiederholt, wenn Wanda und Tom die Freier noch mal gemeinsam abklappern. "Zoom" nimmt hier Züge eines "Bonnie und Clyde"-Charakters an und verlässt das Motiv des Voyeurismus, das die erste Hälfte dominierte, und zu Gunsten der Form auch ein wenig die Realität. Dass ein Pärchen eine Familie überfällt und reihenweise Einzelpersonen beraubt, ohne dass man auch nur ein Polizeiauto zu sehen bekommt, scheint, gelinde gesagt, unwahrscheinlich. Doch um Realität geht es Jahrreiss gar nicht, wie er mit seinem angedeuteten Happy End zeigt, das einer Wunscherfüllung gleich kommt.

Bei aller technischen Perfektion lässt einen "Zoom" allerdings relativ kalt, da die Hauptfigur des Tom nicht besonders sympathisch ist und wenig Identifikationsmöglichkeiten zulässt. Er selbst sieht sich als Wandas Schutzengel, aber man kann es der Rumänin nachfühlen, wenn sie sich eher belästigt und hintergangen fühlt. So fühlt man sich von dieser Geschichte oberflächlich unterhalten, aber nicht wirklich bewegt.






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