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Legion
Legion
© 2009 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Legion (2008)


Das Ende aller Tage kommt (filmisch) mit schöner Regelmäßigkeit. Manchmal hat es metaphysische Gründe, ein andermal stürzt ganz banal ein Sternenbruchstück auf die Erde oder wie zuletzt, geht die Menschheit dank aufgeheiztem Erdkern in einer (neuerlichen) Sintflut unter. Ein weiteres immer wiederkehrendes Motiv ist das des Erlösers: Auch hierbei geht es im Grunde um die Errettung der Welt; vielleicht weniger in unmittelbar physischer Form, also in der Erhaltung des Planeten als Ganzes, sondern mehr in der Bewahrung der Menschheit als biologische Art, im Erhalt als funktionierende freiheitliche Gesellschaft oder eben letzten Endes in der spirituellen Errettung.

Selbstverständlich vermischen sich die Motive auch oft. Der jüngste Film aus diesen Kategorien war "The Book of Eli". In diesem Endzeitthriller kämpfte die Menschheit nach einem nuklearen Holocaust ums Überleben. Nebst diesem vordergründigen Element trug der Film aber auch eine Botschaft über das in sich, was als unverzichtbar erschien, um die Menschheit auch als Gesellschaft sowie im spirituellen Sinne zu erhalten. Das Motiv des Messias oder des Auserwählten wurde zudem auch immer wieder gerne aus dem Zylinder gezaubert, um im Sci-Fi-Genre vergleichbare Geschichten zu erzählen. So findet es sich in "Star Wars", wie in "Matrix", der "Terminator"-Saga und auch in "I am Legend".

Im aktuellen Apokalypsederivat "Legion" hat die Menschheit ordentlich die Arschkarte gezogen. Nachdem sie sich in einem 3,9 Milliarden Jahre währenden Selektionskampf als dominante Spezies durchsetzen konnte, ist sie wegen ihrer beharrlichen Lernresistenz im Umgang miteinander beim obersten Boss in Ungnade gefallen. Nachdem er sich nun solange unser mitleidloses und frevlerisches Treiben angesehen hat, kam er zum endgültigen Entschluss, dass der Mensch seine Liebe nicht mehr verdient und die Erde von seiner Präsenz gereinigt werden muss.

Als Cleaner schickt er Heerscharen von Engeln, die in die Körper willensschwacher Menschen schlüpfen und anschließend Hatz auf die Übriggebliebenen machen. Der General der himmlischen Truppen, der Erzengel Michael (Paul Bettany) hat seinen Glauben an die Menschheit aber noch nicht verloren. Ganz im Gegenteil, möchte er ihr sogar beistehen; und das sogar gegen den Willen seines Herrn. Als erstes muss er sich dazu eigenhändig seiner Flügel entledigen und gleich danach ordentlich Bleispritzen und Munition besorgen, um die Armee der Besessenen umzupusten. Er weiß auch schon, wo er hin muss: Mitten in der Wüste ist in einem kleinen Diner eine Gruppe von Menschen gestrandet, die noch nicht ahnt, dass in diesem Restaurant bald die Schlacht aller Schlachten geschlagen werden wird.

"Legion" preist sich selbst als knallharter apokalyptischer Thriller mit atemberaubenden Effekten. In Punkto Effekte muss man grundsätzlich nicht widersprechen. Es ist zwar nicht gerade State-of-the-Art, aber allemal schön anzuschauen. So etwas wie Atmosphäre oder Spannung will aber nicht aufkommen. Schon der Beginn lässt an den geistigen Vorlagen dieser Apokalypselight-Bleiorgie nicht zweifeln: Ein Soldat ist gekommen, um der Menschheit beizustehen und ein übermächtiger Gegner ist ihm bereits auf den Fersen. "Terminator" lässt grüßen, sogar bis zum eingängigen Score. Die Anleihe wird in der Folge sogar mehr als einmal bemüht; selbst ein Sarah-Connor-look-alike-Double findet sich im Film. Diese junge Frau ist obendrein schwanger von einem namenlosen Fremden. Und genau sie muss der gefallene Engel beschützen. Zufälligerweise ist es auch noch der 24. Dezember, damit das Messiasmotiv auch noch bis zum Letzten ausgepresst werden kann.

Bei solch hanebüchen-religiösem Endzeit-Trash möchte man gar nicht glauben, dass die Macher diese Show ernst meinten. Leider ist dem aber so. Und um dieser Last-Standing-Angel-Nummer noch etwas darstellerischen Glanz zu verleihen, wurde mit Dennis Quaid sogar etwas Hollywood-Prominenz bemüht. Doch der Mime, der vor einigen Jahren ein beachtliches Comeback hinlegte, scheint derzeit kein besonders gutes Händchen bei der Wahl seiner Rollen zu beweisen. Schon der reichlich bizarre "Pandorum" letztes Jahr, brachte ihm nicht gerade Ruhm ein und bei "Legion" dürfte es vermutlich nicht anders werden.

Fazit: Extrem bleihaltiges Spektakel, dass an eine wenig gelungene Mischung aus "God's Army" und "Terminator" erinnert. Die eklatanten Schwächen zeigen sich vor allem im Mangel an erzählerische Dichte. Die Action allein vermag das nicht rauszureißen. Insbesondere, da die Grundgeschichte vor Logikfehlern nur so wimmelt und immer wieder ins unfreiwillig Komische abdriftet. Obendrein wird eigentlich nie wirklich verständlich, warum das alles passiert (oder ist Gott doch ein launisches Kind?); und auch die finale Auflösung wird von reihenweise Fragezeichen begleitet.




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