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Kick-Ass
Kick-Ass
© Universal Pictures Germany

Kritik: Kick-Ass (2010)


Manche Filme schreien dermaßen nach Trash, dass man sich kaum dazu hinreißen lassen kann, darüber nachzudenken, ob sich nicht womöglich noch etwas anderes dahinter verbergen könnte. "Kick-Ass" fällt genau in diese Kategorie. Auf den ersten Blick nichts weiter, als die Geschichte eines Comic-Nerds der augenscheinlich viel zu tief in die Seiten seiner Bilderheftchen abtauchte. Soweit sogar, dass die Geschichten und die enthaltenen Helden (gemäß dem Motto: "Wen du zu lange in den Abgrund schaust, blickt der Abgrund auch in dich!") in ihm einen deutlichen Widerhall hinterließen.

Dave (Aaron Johnson) ist der Meinung, dass es im Prinzip beim Superheld-Dasein gar nicht auf außergewöhnliche Fähigkeiten ankommt. Es wäre vielmehr die innere Einstellung, die den wahren Helden ausmacht. Somit könnte eigentlich jeder einer sein. Kurzerhand bestellt er sich daraufhin aus dem Internet einen merkwürdigen grünen Anzug samt zugehöriger Maske und zieht mit einem Knüppel als einzige Offensivausstattung los, Wehrlose zu verteidigen. Das geht so furchtbar schief, wie etwas nur schief gehen kann: Zusammengeflickt erwacht er im Krankenhaus und erfährt, dass man sein Skelett fast vollständig mit Metallplatten rekonstruiert und er zudem einen Teil seiner Schmerzempfindlichkeit eingebüsst hat.

Kaum einigermaßen genesen, stürzt sich Dave wieder ins Abenteuer. Während einer Klopperei vor einem Dinner mit ein paar Gangmitgliedern, bei der er deutlich mehr einsteckt, als er auszuteilen in der Lage ist, überträgt eine johlende Menge den Fight via Smartphone direkt ins Internet, wo der Clip alsbald alle YouToube-Statistiken sprengt. Über Nacht wird Kick-Ass zum gefeierten Helden. Dort draußen gibt es aber auch ein paar Figuren, die tatsächlich dem, was man als Superheld bezeichnet, nahe kommen. Und die sind gerade dabei das organisierte Verbrechen tüchtig aufzumischen; der Boss der Organisation hält indes Kick-Ass für den gnadenlosen Rächer.

Bei Filmen, wie "Kick-Ass" ist die Befürchtung grundsätzlich groß, dass er genau wegen den Aspekten, die er satirisch aufs Korn zu nehmen sucht, zum Kultfilm für eine eigentlich nicht gewollte Klientel avanciert. Es ist ein wenig, den Teufel mit dem Belzebub austreiben, was die Macher probieren. Der Reihe nach werden sich die seltsamen Blüten des aktuellen Zeitgeistes vorgenommen: mitleidloser Voyeurismus, die Abgabe persönlicher Verantwortung an Idole, das Abdriften in selbst geschaffene Welten oder den inzwischen omnipräsenten Hang zur Flucht aus der wenig geliebten Realität. Das alles ist aber gut verpackt in einer vordergründigen Superheldenpersiflage, so dass nicht jeder ohne weiteres auch die Gesellschaftskritik zu erkennen vermag.

"Kick-Ass" besitzt somit das Potenzial sogar die Gemüter zu spalten, die ihn für gelungen halten: Für manche wird er als Satire glatt eine Offenbarung sein, andere werden in ihm lediglich einen großen makaberen Spaß sehen, und schlussendlich wird es sogar welche geben, die die offensichtlichen Anleihen bei großen Genreklassikern, wie "Matrix", "Kill Bill", "Leon der Profi" sowie natürlich auch Superheldenstreifen wie "Spider-Man" und "Batman", für ultracool und stylisch erachten; damit vielleicht sogar der Meinung sind, dass dies alles als filmisches Ganzes irgendwie ernst gemeint sein könnte.

In Verbindung mit seiner Optik, die zwischen Trash und feinstem Blockbuster pendelt und einem Bombast-Score in ausgesprochener Hans-Zimmer-Manier manipuliert "Kick-Ass" eben auf die gleiche Weise das Empfinden und die Emotionen, wie es auch die Streifen der Bruckheimer-Filmschmiede in ihrer infantilen Weise tun. Nur ist das hier nicht Mittel zum Zweck, sondern eine überspitzte, karikierende Aneignung dieser Mittel, zur Veranschaulichung, wie mit diesen die menschliche Psyche steuerbar ist.

Fazit: Ein bitter-böser makaberer Spaß sowie vordergründig eine Superheldenpersiflage.Unter der Camouflage verbirgt sich aber eine der bissigsten Zeitgeist-, Gesellschafts- und Mediensatiren seit langem. Das Geniale daran, das sich im Grunde aller Mittel bedient wird, die auch an den Pranger sollen. Das fordert vom Zuschauer die Bereitschaft ab, hinter den Schein schauen zu wollen.




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