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TOPJOB - Showdown im Supermarkt
TOPJOB - Showdown im Supermarkt
© Senator Film

Kritik: Topjob - Showdown im Supermarkt (2008)


Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kann jeder seines eigenen Glückes Schmied sein. Der American Dream, der schnelle und direkte soziale Aufstieg, scheinbar über Nacht vom Tellerwäscher zum Millionär, ist für jeden jederzeit und an jedem Ort dieser Nation der ökonomischen Glückseeligkeit möglich – will man uns glauben machen. "Topjob" nimmt sich dieses "Fata-Morgana-Prinzips" und der kollektiven amerikanischen Autosuggestion an und versucht dieses Märchen in stillen, ironisch-satirischen Tönen zu entlarven. Doug (Seann William Scott) arbeitet in einem Supermarkt in Chicago, träumt aber von einer Karriere als Storemanager (Filialleiter), einer bald eröffnenden Zweigstelle. Nach seinem Dafürhalten ist er nicht nur die bestmögliche Besetzung für diesen Posten, es gibt auch keinen nennenswerten Mitbewerber – fast. Eines Tages wird ein Neuer eingestellt: der aus Kanada stammende Richard (John C. Reilly). Und der entwickelt schnell einen guten Draht zur Chefetage. Der greifbar geglaubte Posten, als zukünftiger Storemanager rückt plötzlich etwas in die Ferne und droht in die Hände eines anderen zu fallen. Doch noch ist das Rennen nicht entschieden. Wenn es sein muss, kann Doug mit harten Bandagen kämpfen. Das hier ist Krieg und zwar einer der ganz heimtückischen Art. "Kleine Menschen haben kleine Träume", könnte das Bild sein, das aus der sicheren Entfernung im behaglichen Kinosessel entsteht. Es ist tatsächlich schon ein rechtes Jammertal der Niederungen: mitzuerleben, wie zwei Menschen mit aller Hinterlist versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Da wird vor wenig halt gemacht: Sei es, dass der störende Kollege einen als brutalen Täter darstellt, als man sich gegen die Angriffe von ein paar Gangmitgliedern die den Supermarktparkplatz unsicher machen mit dem Pfefferspray wehrt; oder man bringt dem ungeliebten Konkurrenten ein paar Brocken Spanisch bei, bei denen es sich um ausdrückliche Obszönitäten handelt und der begrüßt damit eine puertoricanische Kollegin, nichts ahnend und im Glauben etwas Nettes gesagt zu haben. Kein Mittel unlauter genug, es nicht anwenden zu dürfen, im Kampf um das Erklimmen der Karriereleiter. Warum dies aber insbesondere den amerikanischen Traum entlarven soll, wird nicht ganz klar. Solche Kleinkriege finden wahrscheinlich überall und jederzeit vergleichbar statt. Tatsächlich erinnert "Topjob" vielmehr sogar an den Stil, der für englische Satiren bezeichnend ist. Allerdings geht es dafür schlussendlich nicht schonungslos genug zu und mangelt auch an ultimativer Zuspitzung. Vielmehr plätschert der Bissigkeitslevel durchaus in gut erträglicher Strömungsgeschwindigkeit daher und reißt nur selten machtvoll mit. Dafür ist es kontinuierlich süffisant und gelegentlich sarkastisch böse, was selbstverständlich auch seinen Charme und Reiz hat. Es muss nicht immer der Schenkelklopfer -und Primitiv-Lachsalvenhumor sein. Erstaunlich Sean William Scott in solch einer, eher hintergründigen, Komödie wieder zu finden. Der Darsteller, der seinen Durchbruch mit "American Pie" hatte, ist eigentlich für Brachialkomödien bekannt, wie zuletzt in "Vorbilder?!". Schön zu erleben, dass es mal anders gehen kann, was sicherlich zu großen Teilen auch der Leistung von John C. Reilly ("Aviator", "Stiefbrüder") und dem intelligentem Script Steve Conrads zu verdanken ist, der sich ebenfalls für die Regie verantwortlich zeitigt. Fazit: Topjob ist ein kleiner Leckerbissen mit vielen kleinen bösen Attitüden und Sidekicks gegen die Niederungen des Arbeitslebens. Karriere ist halt immer relativ. Wer noch nie einen Berg gesehen hat, hält womöglich auch ein paar grüne Hügel für den Himalaja. Für Freunde stiller, hintergründiger Komödien mit Satiretouch auf jeden Fall zu empfehlen.




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