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Kritik: Clay Pigeons (1998)


"Fargo" stand mal wieder Pate: Clay (Joaquin Phoenix), ein gutmütiges Landei, wird in zwei Mordfälle verwickelt und zieht dabei nicht nur die
Aufmerksamkeit einer abgebrühten FBI-Agentin (Janeane Garofalo), sondern auch die des Serienkillers Lester Long (Vince Vaughn) auf sich.
Dave Dobkins Kinodebüt amüsiert mit schrulliger Folklore aus einem kleinen Wüstenkaff und spinnt dabei ein mörderisches Netz aus Mißgunst
und Intrigen, in dem sich unser scheinbar arg naiver Held heillos verstrickt.
Der mit viel schwarzem Humor angereicherte Thriller ist um ein kultiges Erscheinungsbild bemüht, die überladene und zunehmend unglaubwürdige
Geschichte aber raubt dem Film die dazu erforderlichen Leichtigkeit.
'Clay Pigeons' ist das Spielfilmdebut des Regisseurs und Drehbuchautors David Dobkin, und so wirkt der Film auch über weite Strecken.
Er scheint mehr eine Zusammenfassung der interessantesten Neuströmungen des Kinos der 90er Jahre zu sein, als ein in sich geschlossener Film.
Dennoch mag er über weite Strecken auch wirklich interessante Wendungen bieten. Nur die Schauspieler hatte Dobkin wohl manchmal etwas zu wenig
unter Kontrolle. Wenn das verrückte Wesen beim Charakter Vince Vaughns noch gut paßt, scheint Joaquin Phoenix manchmal etwas zu viel zu wollen,
wenn er äußerst verschwitzt in der Ecke steht und wild um sich blickt. In manchen ruhigen Szenen scheint er dagegen genau den Ton zu treffen.
Gleich der Anfang macht klar, daß 'Clay Pigeons' eher ein böses Spiel mit seiner Hauptfigur treiben will,denn sich ernsthaft mit einer Thrillerhandlung zu
beschäftigen. Dementsprechend ist er von wahren Filmklischees umgeben: Der ruhige Sheriff, die mal aggressive, mal laszive Femme Fatale und der
vom Wahnsinn getriebene Mörder, sie alle sind ins Extreme gezogene Figuren früherer Filme. Dabei bedient sich Dobkin vor allem beim Film Noir und
dem Roadmovie.
Die Kameraarbeit entlarvt den Regisseur auch direkt als ehemaligen Werbefilm- und Videoclipinszenierer. Oft scheint die Kamera nur auf schöne
Ästhetik hin zu arbeiten. Ebenso der Soundtrack, der oft nur für Witze funktioniert. Daß dies manchmal auch funktioniert, zeigt der Einsatz von Elvis
Presley zur Beseitigung der verschiedenen Leichen. Dennoch verhindert er so eine Stringenz, die den Zuschauer über den ganzen Film hin fesseln
könnte. 'Clay Pigeons' wirkt eher wie eine recht kluge Collage von mehr oder weniger witzigen Auftritten. Zum Glück überwiegt der komödiantische Teil
dann doch, auch wenn fast jeder Witz wie die Nachahmung des Humors der beiden Coen Brüder erinnert, und da vor allem an ihren Film 'Fargo'.
Überraschend gut sind da dann doch noch zwei Schauspieler, die ihre Rolle mit der nötigen satirischen Note versorgen: Janeane Garofalo und
Phil Morris bieten als das unterschiedliche FBI-Team eine wirklich erfrischende Show, die mit 'Akte X' ausnahmsweise kaum etwas zu tun hat.
Während er ruhig und verschlossen seiner Arbeit nachgeht, wirkt sie immer etwas entnervt vom Job. Auch Scott Wilsons Kurzauftritte als Sheriff
gefallen durch ihre Ruhe und Kraft.
Dennoch fehlt 'Clay Pigeons' so etwas wie eine vollkommen eigene Art. Er wirkt zusammengeschustert, seine Geschichte ist vollkommen
uninteressant. Die Kreation etwas Neuem aus althergebrachten Versatzstücken mißlingt. Wie es bei einem Kinoerstling üblich ist, wird viel zu viel
auf einmal in den Film gedrückt, ob es nun paßt oder nicht. So ist 'Clay Pigeons' allenfalls zeitweise unterhaltsam.





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