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Kritik: Menschenkind (1998)


Wenn ein hervorragender Regisseur ein ausgezeichnetes Buch für die Leinwand adaptiert, so ist dies noch längst keine Garantie für einen hervorragenden Film: "Menschenkind" ist der beste Beweis dafür.

Oscar-Preisträger Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer") beschwört in seiner ungewöhnlich werktreuen Verfilmung von Toni Morrisons Roman die Geister der Sklaverei. Und Sethe, dargestellt von der amerikanischen Talk-Show-Queen Oprah Winfrey, kennt sich mit Geistern aus – spukt einer doch in ihrem Haus, quält den Hund und terrorisiert die Bewohner, bis ihn die Anwesenheit von Paul D (Danny Glover), einem Bekanntem aus Sethes Sklavenzeit auf der Plantage, aus dem Haus zu vertreiben scheint. Bald jedoch kehrt der Geist in menschlicher Gestalt zurück: als Sethes tote Tochter "Menschenkind" (Thandie Newton).

Der Film erhebt den Anspruch eines Kunstwerks – und konnte schon deshalb an der Kinokasse kaum erfolgreich sein. Daß er überhaupt entstanden ist, liegt zweifellos an Oprah Winfrey, die dank ihrer beispiellosen Fernsehkarriere zu den reichsten und einflußreichsten Frauen im amerikanischen Showbusiness zählt. Und so zog Regisseur Demme bei dieser ein wenig überambitionierten Umsetzung des bislang als unverfilmbar charakterisierten Morrison-Romans alle Register seines Könnens – das Ergebnis ist ein knapp dreistündiges Sklavenepos voller Poesie, Metaphern und Symbolik, das sich erst mittels zahlreicher Rückblenden zu einem stimmigen Gesamtbild entfaltet.

"Menschenkind" ist ein Film über Mütter und Töchter, Schuld und Sühne, Freiheit und Sklaverei – und ein Film an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits. Mit Hilfe seines langjährigen Kameramannes Tak Fujimoto gelang es Demme zwar, die poetische Ebene der Vorlage in überwältigende Bilder zu transponieren – er bediente sich dabei nahezu sämtlicher Mittel, die das Kino bis heute in Sachen Perspektive, Brennweiten, Kamerafahrten und Filmmaterial hervorgebracht hat. Und dennoch: Obwohl jede Szene für sich genommen überzeugen mag und sich die Darsteller redlich Mühe geben, liegt die Schwäche des Films in seinen Charakteren, die – eben weil es sich dabei um Kunstfiguren jenseits der Alltagsrealität handelt – mitunter den Kontakt zum Publikum verlieren.

Manche Bücher bleiben halt doch besser unverfilmt.





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